Eurowings: AB-Deal geht zu Lasten von Germanwings

Abbau von bis zu 20 alten Airbus-Flugzeugen bei Kölner Lufthansa-Tochter.

Airbus A319 (Foto: Andy Graf).

Die Lufthansa-Tochter Germanwings, die 1996 von Eurowings AG gegründet wurde und mehr als ein Jahrzehnt lang die Lowcost-Marke der Lufthansa war, wurde im Vorjahr zur Produktionseinheit für Eurowings GmbH degradiert. Zu teuer soll das Unternehmen produzieren, da nahezu alle Kranich-Konzerntarifverträge auch bei Eurowings greifen.

Im Zuge des Wetlease-Deals mit Air Berlin kündigte die Lufthansa-Lowcost-Tochter an, dass bis zu 20 ältere Airbusmaschinen ausgeflottet werden, um Überkapazitäten abzubauen. Der Medienmitteilung war jedoch nicht zu entnehmen wo dieser Abbau eigentlich stattfinden soll.

Germanwings hat offensichtlich keine Zukunft mehr, denn Lufthansa wickelt die Fluggesellschaft auf Raten zu Gunsten von Eurowings ab. Im Frühjahr 2017 werden gleich bis zu 20 Maschinen die Flotte der Kölner Tochter verlassen, wie Unternehmenssprecher Heinz-Joachim Schöttes gegenüber Austrian Aviation Net bestätigte. Als Ersatz dient der Pool an samt Personal angemieteten Air-Berlin-Jets, die möglicherweise billiger kommen als die Bereederung durch Germanwings.

Der Abbau von bis zu 20 Flugzeugen hätte auch zur Folge, dass beim Personal zahlreiche Menschen nicht mehr benötigt werden würden oder aber zum Wechsel zu einer anderen Konzerngesellschaft bewegt werden würden. Beispielsweise vermietet Germanwings bereits heute Flugzeugführer an Schwestergesellschaft Austrian Airlines. Eurowings-Sprecher Heinz-Joachim Schöttes dementiert, dass es bedingt durch die Ausflottung der Altmaschinen zu Kündigungen kommen werde.

Altmetallsammlung bei Germanwings

Lufthansa übertrug vor einigen Jahren nahezu alle Point-to-Point-Strecken außerhalb Münchens und Frankfurts auf Germanwings. Gleichzeitig verschob man zahlreiche Airbus-Maschinen zu Germanwings, jedoch handelte es sich dabei keinesfalls um ausschließlich um junge Maschinen. Im Gegenteil: Lufthansa benutzte die Tochtergesellschaft in Sachen A320-Flotte auch als sprichwörtlichen Altmetallcontainer, denn mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren ist dieses Fluggerät durchaus in die Jahre gekommen. Auch das durchschnittliche Alter der von Germanwings eingesetzten A319 stieg dadurch auf rund 10,5 Jahre, wobei dies ein branchenübliches, junges Alter ist. Selbst die im Vorjahr unter tragischen Umständen verunglückte D-AIPX hatte 24 Jahre auf dem Buckel und absolvierte bis zur totalen Zerstörung durch den Selbstmord des Co-Piloten rund 46.700 Cycles. 

Die nun angekündigte Ausflottung dürfte einerseits auf das stattliche Alter des Fluggeräts zurückzuführen sein, da Airbus mittlerweile modernere Nachfolgemodelle liefert, die obendrein auch weniger Treibstoff verbrauchen, was insbesondere für Billigfluggesellschaften von besonderer Bedeutung ist. Andererseits unterliegt Germanwings dem Lufthansa-Konzerntarifvertrag, was mutmaßlich gegenüber Eurowings, Eurowings Europe und Air Berlin zu höheren Kosten führt, die man sich "um wettbewerbsfähig zu bleiben" sicherlich ersparen möchte.

Ein simpler Betriebsübergang von Germanwings auf Eurowings hätte im Vorjahr zur Folge gehabt, dass auch bei der neuen Billigtochter die Konzerntatifverträge Einzug gehalten hätten. Gerade in einem gewerkschaftlich bestens organisierten Lufthansa-Konzern ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein solcher Schritt mit Gehaltseinbußen für die Beschäftigten möglich gewesen wäre. Einfacher ist es daher die Airline zum Subunternehmer zu degradieren und auf Raten abzuwickeln. Mittelfristig wird Germanwings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr als Luftfahrtunternehmen in der heutigen Form existieren.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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