EuGH: Reisebüro-Aufschläge müssen bei Streichung erstattet werden

Kosten, die an Dritte für die Ausstellung von Flugtickets bezahlt wurden, müssen durch die Airline erstattet werden, wenn der Flug nicht stattfindet.

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Reisebüros erheben im Regelfall für die Buchung von Flugtickets eine Vermittlungsprovision, die zum Teil äußerst heftig ausfallen kann. Während "Offline-Anbieter" mit persönlicher Beratung argumentieren, stehen insbesondere "Online-Flugvermittler" immer wieder aufgrund intransparenter Preisgestaltung im Kreuzfeuer der Kritik von Konsumentenschützern. Doch was ist eigentlich, wenn der vermittelte Flug gestrichen wird?

Mit dieser Frage befasste sich der Europäische Gerichtshof im Fall einer deutschen Familie, die über Opodo eine Flugreise bei der spanischen Billigfluggesellschaft Vueling buchte. Die Flüge wurden gestrichen und der Ticketpreis erstattet, doch jene 77 Euro, die an Opodo gezahlt wurden, wollte niemand zurückgeben.

Der EuGH entschied nun, dass Airlines auch die Vermittlungsprovision Dritter im Falle von Annullierungen erstatten müssen. Pikant ist dabei allerdings, dass in vielen Fällen die Fluggesellschaften überhaupt nicht wissen wie viel an den Vermittler bezahlt wurde. Doch laut einer Aussendung des EuGH ging es überhaupt nicht um diese Frage, sondern dies muss das Amtsgericht Hamburg nun prüfen, bei dem der geschilderte Fall gerichtsanhängig ist.

Dennoch erscheint die EuGH-Entscheidung richtungsweisend, da festgestellt wurde, dass im Falle von Streichungen oder sonstigen Gründen, die die vollständige Erstattung des Ticketpreises nach sich ziehen, auch eventuelle Gebühren, die direkt an Reisebüros oder ähnliche Vermittler bezahlt wurden, durch die Airline zu ersetzen sind. Wie sich dies nun in der Praxis gestalten wird, wenn die Fluggesellschaft gar nicht weiß wie viel der Vermittler selbst an den Kunden in Rechnung gestellt hat, wird wohl die Zukunft zeigen. Es ist auch davon auszugehen, dass es manche Fluggesellschaften auf langwierige Gerichtsverfahren ankommen lassen werden.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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