EU vereinheitlicht Drohnen-Gesetzgebung

Zulassungen ab 1. Juli 2020 unionsweit gültig.

Foto: Pixabay.

Drohnen sorgen immer wieder in der Nähe von Flughäfen für kräftigen Ärger, denn oftmals muss aus Sicherheitsgründen der Flugbetrieb eingestellt werden. Am Gatwick-Airport spielte gar ein Witzbold ein regelrechts Katz- und Maus-Spiel mit den Sicherheitsbehörden, was erhebliche Verspätungen im kommerziellen Flugverkehr nach sich zog. Nun will die Europäische Union die entsprechende Gesetzgebung unionsweit vereinheitlichen.

In Österreich sind derartige Vorfälle bislang nicht passiert, denn die Alpenrepublik verfügt über eine strenge Gesetzgebung, die horrende Geldstrafen bis zu 22.000 Euro bei Verstößen mit sich bringt. Offenbar zeigt dies auch Wirkung, denn diese soll weitgehend nun unionsweit umgesetzt werden, berichtet die Tageszeitung Kurier. Bis 1. Juli 2020 sollen die entsprechenden nationalen Gesetze vereinheitlicht werden.

„Europa wird die erste Region der Welt sein, die über ein umfassendes Regelwerk verfügt, das einen sicheren und nachhaltigen Betrieb von Drohnen sowohl für kommerzielle als auch für Freizeitaktivitäten gewährleistet. Gemeinsame Regeln werden dazu beitragen, Investitionen, Innovation und Wachstum in diesem vielversprechenden Sektor zu fördern“, so Patrick Ky, Executive Director der EASA.

Die gemeinsamen Regeln helfen Drohnen-Betreibern, ob beruflich oder privat, klar zu verstehen, was erlaubt ist oder nicht. Eine Erleichterung ist auch, dass eine von einem Mitgliedsstaat erteilte Zulassung künftig im gesamten Unionsgebiet gültig ist. Insbesondere für kommerzielle Betreiber hat dies den Vorteil, dass diese ihr Geschäft EU-weit betreiben können und nicht mehr um jeweils nationale Genehmigungen ansuchen müssen.

Die neuen Regeln enthalten sowohl technische als auch betriebliche Anforderungen an Drohnen. Einerseits definieren sie die Fähigkeiten, die eine Drohne haben muss, um sicher geflogen zu werden. Beispielsweise müssen neue Drohnen individuell identifizierbar sein, damit die Behörden bei Bedarf eine bestimmte Drohne zurückverfolgen können. Auf diese Weise können ähnliche Ereignisse wie 2018 auf den Flughäfen Gatwick und Heathrow besser verhindert werden. Auf der anderen Seite decken die Regeln jede Art von Einsatz ab, von denen, die keiner vorherigen Genehmigung bedürfen, bis zu denen, an denen zertifizierte Flugzeuge und Betreiber beteiligt sind, sowie Mindestanforderungen an die Ausbildung von Fernpiloten. Die neuen Vorschriften ersetzen die bestehenden nationalen Vorschriften in den EU-Mitgliedstaaten.

Der Kurier berichtet unter Berufung auf die Austro Control, dass es für private Betreiber zu Vergünstigungen kommen wird, denn künftig wird es nur noch drei (statt fünf) Kategorien geben. In die „offene Kategorie“ fallen Drohnen, die niedriger als 120 Meter fliegen können und ein MTOW von maximal 25 Kilogramm haben. Künftig ist dann keine 330-Euro-teure Bewilligung mehr notwendig, sondern lediglich Registrierung, Online-Training und Online-Test. Laut ACG sind allerdings mögliche Kosten noch offen.

Die Austro Control erteilte im Vorjahr 2.900 Drohnen-Bewilligungen. Dieser Wert wird heuer mit hoher Wahrscheinlichkeit übertroffen werden, denn in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres erteilte die ACG bereits 1.300 positive Bescheide.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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