EU 261/04: Anwalt erwirkt Ausgleichszahlung trotz "außergewöhnlichen Umstands"

Ein Air-France-Flug wurde wegen Vogelschlags deutlich verspätet durchgeführt - zahlen muss die Airline trotzdem.

Air France muss nach dem Urteil Ausgleichszahlung leisten (Foto: Air France).

Passagiere, die von Flugverspätungen betroffen sind, lieben sie - Airlines eher weniger: Die Verordnung Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments. Diese regelt, dass Fluggäste bei Delays Ausgleichszahlungen zustehen - allerdings mit Ausnahmen. Wenn "außergewöhnliche Umstände" - darunter fallen beispielsweise Wetter, Streiks oder Flughafensperren - auftreten, muss das Luftverkehrsunternehmen in der Regel nichts bezahlen.

Ein in diesem Zusammenhang interessantes Urteil (50 R 146/18d) hat allerdings vor kurzem das Handelsgericht Wien in zweiter Instanz ausgesprochen: Einem Passagier wurde demnach eine Entschädigung in Höhe von 600 Euro zugesprochen - obwohl das Flugzeug der betroffenen Gesellschaft Air France durch Vogelschlag außer Gefecht gesetzt worden ist. Normalerweise ein klarer Fall von "außergewöhnlichen Umständen".

Zum Hintergrund: Ein Flug von San Francisco über Paris nach Wien war mehr als drei Stunden später als geplant in Wien gelandet. Grund war die Beschädigung des Zubringerflugzeugs durch Vogelschlag in Paris. Das Ersatzflugzeug stand in San Francisco dann erst viele Stunden später zum Abflug bereit. Der Wiener Rechtsanwalt Bernhard Passin von der Kanzlei Skribe hat dieses Verfahren im Auftrag eines Fairplane-Kunden angestrengt: "Ein Vogelschlag alleine entlastet das Luftfahrtunternehmen noch nicht. Vielmehr muss es nach Art. 5 Abs. 3 EU-VO 261/2004 auch darlegen und beweisen, dass sich die Annullierung oder Verspätung auch dann nicht hätte vermeiden lassen, wenn alle angemessenen und zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. Wie sich die Verspätung konkret zusammengesetzt hat und warum die Bereitstellung des Ersatzflugzeuges fast fünf Stunden gedauert hat, konnte die Beklagte nicht darlegen", so der Anwalt.

In einfachen Worten: Trotz des "außergewöhnlichen Umstandes" Vogelschlag wäre es Air France zumutbar gewesen, schneller ein Ersatzflugzeug nach San Francisco zu entsenden. Laut diesem Urteil konnte die französische Fluglinie eben nicht beweisen, alle zumutbaren Maßnahmen für eine (halbwegs) pünktliche Beförderung ergriffen zu haben.

Fairplane-Geschäftsführer Andreas Sernetz: "Dieses Urteil zeigt wieder deutlich, dass sich der Einsatz für unsere Kunden lohnt. Es ist aufwendig und zeit-intensiv Verfahren gegen Luftfahrtunternehmen bei Vogelschlag zu führen, aber unsere Vertragsanwälte prüfen den Grund für die Flugverspätung sehr genau."

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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