Etihad Regional streicht erneut Flüge

Auch Dresden-Wien betroffen.

Saab 2000 von Etihad Regional (Foto: Jan Gruber).

Die schweizerische Regionalfluggesellschaft Etihad Regional wird das komplette Streckennetz, mit Ausnahme einiger weniger Flüge, stilllegen. Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch in Lugano mit. Betroffen sind insbesondere Flüge ab Leipzig, Dresden und Zürich.

Ab dem heutigen Datum wird die Fluggesellschaft mehrere geplante Flüge in Frankreich und Deutschland auf allen Routen annullieren, "die von der aggressiven Übernahme dieser Flugstrecken durch die Swiss International Air Lines betroffen sind".  Etihad Regional wird sich mit alle betroffenen Fluggästen direkt in Verbindung setzen und sie über ihre gesetzlich verankerten Rechte gemäß der EU-Verordnung Nr. 261 informieren und dafür sorgen, dass ihnen adäquate Alternativen angeboten werden. Das Unternehmen entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten, die durch diese Annullierungen möglicherweise entstehen, und setzt alles daran, die Auswirkungen für Passagiere auf ein Minimum zu reduzieren.

Die in Lugano ansässige Fluggesellschaft wird ihre Schweizer Inlandsflüge sowie Flüge von der Schweiz  nach Italien in Kooperation mit Alitalia weiterhin anbieten. Ausschließlich die nachstehenden Strecken sollen im Sommerflugplan bedient werden, wobei Bozen-Rom mit Ende Juni ebenfalls Geschichte sein wird:

Genf-Lugano: 2 Flüge täglich
Genf-Zürich: 2 Flüge täglich
Genf-Florenz: 1 Flug täglich
Genf-Rom: 1 Flug täglich
Genf-Venedig: 1 Flug täglich
Genf-Valencia: 2 pro Woche - saisonal
Lugano-Olbia: wöchentlich - saisonal
Lugano Cagliari: wöchentlich - saisonal
Genf-Ibiza: 3 Tage pro Woche - saisonal
Genf-Calvi: wöchentlich - saisonal
Genf-Figari: wöchentlich - saisonal
Genf-Olbia: wöchentlich - saisonal
Genf-Biarritz: 3 Tage pro Woche - saisonal
Genf-Cagliari: wöchentlich - saisonal
Bozen-Rom: Bis zu 4 Flüge täglich

Lufthansa und Bazl sollen Schuld an der Miesere tragen
Als "Sündenböcke" für das Scheitern der noch im Vorjahr groß angekündigten Expansion macht Etihad Regional einerseits den Lufthansa-Konzern aus und auf der anderen Seite das schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl): "In seiner Funktion als Schweizer Aufsichtsbehörde für die zivile Luftfahrt muss das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) solche Vereinbarungen nach einer Prüfung der Eigentums- und Beherrschungsverhältnisse ratifizieren. Doch im Unterschied zu seinen deutschen und italienischen  Amtskollegen hat das Bazl noch keine Entscheidung zu dieser Beteiligung getroffen, von der die gesamte Umsetzung der Strategie von Etihad Regional abhängt. Auch das aggressive Verhalten der Wettbewerber, Lufthansa und Swiss International Air Lines (Letztere ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Lufthansa-Gruppe), hat sich nachteilig auf die Geschäftstätigkeit von Darwin ausgewirkt. Infolge des durch dieses Verhalten entstandenen geschäftlichen Schadens hat Darwin eine formelle Beschwerde bei der Schweizer Wettbewerbsbehörde eingereicht", heißt es dazu in einer Aussendung. 

Der Einstieg von Etihad Airways als Minderheitsaktionär bei Darwin Airline ist demnach noch immer nicht bewilligt worden. Nun beabsichtigt die Regionalfluggesellschaft durch die Umstellung des Geschäftsbetrieb auf ACMI-Dienstleistungen mit kleinem Linienflugbetrieb ab der Schweiz nachweisen zu können, dass keine finanzielle Abhängigkeit von Etihad Airways besteht. Die Hauptkunden sollen übrigens Alitalia und Air Berlin werden, an denen der Golfcarrier ebenfalls beteiligt ist.

Verhaltene Nachfrage bei "Etihad Airways Partners" und SkyWork
Austrian Aviation Net liegen interne Air-Berlin-Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass die beiden Saab 2000 mit den Kennungen HB-IYD und HB-IYI künftig von Darwin Airline im Auftrag von Air Berlin betrieben werden sollen. Dabei sollen neue Strecken ab Berlin-Tegel aufgenommen werden. Konzernsprecher Aage Dünhaupt erklärte dazu im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass er den Einsatz von Darwin-Fluggerät zum heutigen Tage nicht bestätigen könne. Es wäre noch kein Vertrag unterzeichnet worden. Auf die Frage, ob die beiden Saabs möglicherweise auf der einen oder anderen schwächeren "Dash-8-Route" zum Einsatz kommen könnte antwortete er: "Wir werden dann sehen, ob Etihad Regional tatsächlich im Auftrag von Air Berlin fliegen wird. Der Einsatz des Fluggeräts, unabhängig davon ob auf möglichen neuen Strecken oder auf bestehenden, ist natürlich von der Netzplanung abhängig. Bestätigen kann ich nichts."

Bei Alitalia und Air Serbia wollte man sich zu diesem Thema überhaupt nicht äußern. Seitens des kolportierten Interessenten SkyWork Airlines sagte Firmensprecher Max Ungricht, dass die bislang behaupteten Gerüchte falsch wären.: "Es ist überhaupt nichts dran. SkyWork wird keine Saab 2000 von Darwin im Wetlease einsetzen."

"Wir hoffen, dass das BAZL die Transaktion mit Etihad Airways schlussendlich genehmigen wird, um die Marktunsicherheit zu beseitigen und dem Unternehmen die Möglichkeit zu geben, die Vorteile seiner Partnerschaft mit Etihad, einer starken internationalen Fluggesellschaft, und ihren Partner-Airlines optimal zu nutzen", erklärt Etihad-Regional-Geschäftsführer Maurizio Merlo zu diesem Thema.

30 Arbeitsplätze konnten gesichert werden
Eine weitere Konsequenz der gescheiterten Expansion ist - wie berichtet - der Abbau von Personal. Merlo spricht davon, dass sich "betriebsbedingte Kündigungen" nicht haben vermeiden lassen, jedoch sei es gelungen 30 Arbeitsplätze zu retten. Der Firmenchef spricht von "großer Solidarität zum Unternehmen", jedoch verwendet Worte wie "Lohnkürzungen" oder "Gehaltseinbußen" nicht. Dem Vernehmen nach könnte es jedoch dazu gekommen sein.

"Alle Mitarbeiter, die von der Umstrukturierung betroffen sind, wurden in einen Transferplan aufgenommen und werden von der Personalabteilung der Fluggesellschaft unterstützt. Nach Möglichkeit werden unsere Partner die Einschätzungen vornehmen, um die bestmögliche Umverteilung dieser Mitarbeiter zu ermitteln", so Maurizio Merlo.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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