Etihad: James Hogan vor dem Rauswurf

Exit aus europäischen Beteiligungen soll laut Handelsblatt angestrebt werden.

Beim Einstieg bei Darwin Airline schien die Welt aus Etihad-Sicht noch in Ordnung zu sein: Ob man Maurizio Merlo (CEO Darwin Airline), James Hogan (CEO Etihad Aviation Group) und Peter Baumgartner (CEO Etihad Airways) gemeinsam bei einer Feierlichkeit wieder sehen wird, ist fraglich (Foto: Jan Gruber).

Der Vorstandsvorsitzende der Etihad Aviation Group, James Hogan, soll laut Informationen des Handelsblatts unmittelbar vor der Ablöse stehen. Das Medium beruft sich auf verschiedene unabhängige Quellen, die zum Schutz der Personen anonym gehalten werden müssen. Hogan ist Vorstandsvorsitzender der Holding-Gesellschaft, die über dem Golfcarrier, der seit einigen Monaten von Peter Baumgartner geleitet wird, errichtet wurde.

Hintergrund soll die gescheiterte "Hunter-Strategie", die insbesondere in Europa verfolgt wurde, sein. Der Carrier beteiligte sich an Air Berlin, Jat Airways (heutige Air Serbia), Darwin Airline und Alitalia jeweils mit Minderheitsanteilen. Es handelt sich jeweils um kränkelnde Fluggesellschaften, die insbesondere einen hohen Kapitalbedarf haben. Das Handelsblatt berichtet, dass der Golfcarrier insgesamt 2,5 Milliarden Euro verlocht haben soll. Allein Air Berlin soll im Geschäftsjahr 2015 477 Millionen Euro verbrannt haben.

In Abu Dhabi kam es jedoch zwischenzeitlich zu politischen Veränderungen im Bereich der Zuständigkeiten der Ministerien für Finanzen und Verkehr. Die Folge ist, dass bei Etihad Airways nicht nur das Geld nicht mehr so locker sitzt, sondern angeblich örtliche Staatsbanken bei der Finanzierung von Projekten und Beteiligungen zurückhaltender geworden sein sollen. Die Etihad Aviation Group entwickelte sich seit 2011 - Einstieg bei Air Berlin - zu einem regelrechten Fass ohne Boden. Nun ziehen die Eigentümer von Etihad Airways, das Emirat Abu Dhabi, offensichtlich die Notbremse, um einen Zusammenbruch nach dem Vorbild der Swissair verhindern zu können.

"Qualiflyer neu" ist ein Fass ohne Boden

Die Strategie, die Etihad Airways durch zahlreiche Minderheitsbeteiligungen, die jedoch kränkeln und folglich einen hohen Kapitalbedarf haben, ähnelt der "Hunter-Strategie", die Swissair unter der Führung von Philippe Bruggisser verfolgte. Auch die Schweizer wollten durch Minderheitsbeteilungen im Ausland wachsen und formierten die Qualiflyer-Allianz. Die Besonderheit dieses Bündnisses, dem zeitweise auch Austrian Airlines angehörte, war, dass Swissair sich an jedem Mitglied Anteile hielt.

Etihad Airways dementierte stets, dass der Verbund Etihad Partners mit Qualiflyer vergleichbar wäre, jedoch sind die Parallelen doch deutlich sichtbar. Es handelt sich ebenso überwiegend um Fluggesellschaften, die finanziell angeschlagen sind und der Golfcarrier an diesen Minderheitsbeteiligungen hält.

Ein weiteres Indiz ist, dass dem Vernehmen nach zahlreiche ehemalige Swissair-Manager aus der "Hunter-Ära" bei Etihad Airways auf der Payroll stehen sollen oder standen. Selbst der amtierende Airlinechef, der direkt James Hogan unterstellt ist, war früher für Swissair tätig. Insbesondere im Bereich von Beratern soll man angeblich auf in der Schweiz entwickeltes Knowhow gesetzt haben, das jedoch aufgrund der Swissair-Pleite im Jahre 2001 unvollendet geblieben ist.

Strategie gescheitert - Exit aus europäischen Beteilungen geplant

Etihad Airways ist unter Druck geraten, da Idee möglichst viele Fluggäste nach Abu Dhabi zu bringen und dort auf Maschinen des Golfcarriers umzuladen, nicht wirklich aufgegangen ist. Air Berlin stellte zahlreiche Verbindungen in die Golfstadt, für die teilweise lange juristisch gekämpft wurde, wieder ein. Auch der österreichische Carrier Niki wird Abu Dhabi im März 2017 aufgeben.

Die Folge ist, dass sich Etihad Airways verkleinern wird und die Strategie radikal umkrempeln wird. Unter Leitung des Verwaltungsratsvorsitzenden, Ahmed Ali Al Syegeh, sollen die Aktivitäten in Europa zurückgefahren werden. Mit anderen Worten: Die Etihad Aviation Group will raus aus ihren geldvebrennenden Europa-Aktivitäten. Das Handelsblatt berichtet weiters, dass ein Verkauf der Europa-Holding auch unter dem eigentlichen Wert erfolgen könnte. Das Wirtschaftsfachmagazin beruft sich dabei auf eine mit der Sache vertraute Person, wobei der Golfcarrier weder bestätigen, noch dementieren wollte.

Ein offensichtliches Indiz, das für einen möglichen Exit aus den europäischen Beteiligungen spricht ist, dass Air Berlin mit hoher Wahrscheinlichkeit an Lufthansa gehen soll. Der Kranich könnte durchaus auch Interesse an den profitablen Teilen von Alitalia haben oder sich gar mit Air Serbia auch ein Standbein auf dem Balkan aufbauen können. Da Etihad jedoch ausschließlich Minderheitsbeteiligungen hält, ist unklar, ob die bei der jeweiligen Airline anderen Teilhaber ebenfalls verkaufen würden.

Air Serbia und Darwin Airline gelten dennoch aufgrund ihrer strategischen Ausrichtung als besondere Wackelkandidaten, die schwer verkäuflich sein dürften. Bei Air Serbia würde jedoch auch die Option bestehen, dass der serbische Staat als Mehrheitseigentümer die Etihad-Anteile übernehmen könnte, sofern sich kein anderer Interessent, beispielsweise Lufthansa, dafür findet. Bei Darwin muss man sich höchstwahrscheinlich auf eine Stand-Alone-Strategie, die man bereits vor dem Einstieg des Golfcarriers verfolgte, einstellen.

Unklar ist auch die Zukunft der touristischen Holding, in der Niki und Tuifly zusammengeführt werden sollen. An dieser soll Etihad Airways mit knapp unter einem Viertel beteiligt werden. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch Teile der Alitalia in dieser Holding untergebracht werden könnten. Welches Ziel Etihad damit verfolgt ist mehr oder weniger offensichtlich: Mit dem Partner Tui AG im Boot versucht man eine Airline mit starkem touristischem Schwerpunkt zu formieren, um sie für einen möglichen Verkauf hübsch zu machen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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