Es wird ernst: Nonstop von Sydney nach London

Qantas drückt beim "Project Sunrise" auf die Tube - mit einer Entscheidung ob die 17.000 Kilometer lange Strecke nonstop bedient wird, darf demnächst gerechnet werden.

Vor 70 Jahren war man mit der Lockheed Constellation noch drei Tage auf der "Kangaroo Route" unterwegs - mit zumindest sechs Zwischenlandungen (Foto: Qantas).

Die Ultralangstrecken sind seit 2017 wieder mächtig im Kommen: Qatar Airways fliegt nonstop von Doha nach Auckland, Singapore Airlines von Singapur nach New York und Qantas von Perth nach London. Viele Jahre lang waren diese "Ultra Long Haul"-Routen nicht zuletzt wegen diverser Ölpreiseskapaden weniger gefragt. Mit einem anhaltend (relativ) niedrigen Kerosinkostenniveau in den letzten Jahren und der Entwicklung neuer und spritsparender Flugzeugmuster hat sich die Stimmung schlagartig geändert.

Vor einigen Monaten wurde nun auch die Königin der Flugstrecken auf das Parkett möglicher künftiger Extremverbindungen gehoben: Die "Kangaroo Route" von Sydney nach London soll ab 2022 ohne Zwischenstopp beflogen werden - zumindest wenn es nach den Überlegungen von Qantas-Chef Alan Joyce geht. Daneben denkt er auch daran, die (etwas) kürzere Verbindung von Sydney nach New York nonstop zu fliegen. Diese Pläne haben den Namen "Project Sunrise" erhalten.

Mit der Boeing 777X könnte der Nonstop-Flug zwischen Sydney und London wohl umgesetzt werden (Foto: Boeing).

Die längere der beiden Strecken würde die aktuell weitesten Routen noch einmal deutlich in den Schatten stellen: Rund 17.000 Kilometer sind die beiden Flughäfen Sydney und London Heathrow voneinander entfernt - beim aktuell längsten Flug zwischen Singapur und New York sind es "nur" 15.300 Kilometer. Die Flugzeit auf der "Kangaroo Route" würde 20 bis 21 Stunden betragen. Eines der Probleme dabei: Die entsprechenden Flugzeugmuster sind rar gesät - derzeit würde nur der Airbus A350-900 ULR, der momentan lediglich für Singapore Airlines unterwegs ist, in Frage kommen. Eine Alternative könnte die Boeing 777-8 sein, die allerdings noch nicht einmal ihren Erstflug absolviert hat.

A350 ULR vs. 777X: Airbus und Boeing kämpfen um Qantas-Order
Wenn Qantas ihren Plan umsetzt und Sydney-London ab 2022 nonstop fliegen will, muss sich Alan Joyce mit der Typen-Entscheidung und vor allem mit einer Bestellung beeilen. Wie der "Sydney Morning Herald" berichtet, waren erst letzte Woche Vertreter von Airbus und Boeing in Sydney um Werbung für ihre jeweiligen Flugzeuge zu machen. Dem Vernehmen nach soll Qantas auch an einer ULR-Version des größeren Airbus A350-1000 interessiert sein. Das ist kein Wunder, bringt doch Singapore Airlines in ihren A350-900 ULR gerade einmal 161 Personen unter - im Vergleich zu 253 Menschen in der "normalen" Langstreckenversion.

Airbus und Zodiac entwickeln gemeinsam Module, die den Einbau von Schlafkojen im Unterdeck ermöglichen (Foto: Airbus).

Allerdings ist es nicht nur die Typenwahl, über die man sich bei Qantas Gedanken muss. Auch über Themen wie Dienstzeiten (Perth-London darf bereits nur mit einer Sondergenehmigung bedient werden) oder wie man einen ganzen Tag im Flugzeug auch für Passagiere erträglich gestaltet, muss man nachdenken. Dabei kommen auch Überlegungen wie Schlafkojen im Unterflurbereich, Kinderspielbereiche und Bars zum Zug, wie die australische Zeitung berichtet.

Ultra-Long-Haul: Nutzen und Kosten
Lohnen dürften sich diese Ultralangstreckenflüge offenbar - Alan Joyce wird vom "Sydney Morning Herald" mit den Worten zitiert, dass die kürzere Verbindung von Perth nach London eine "erstaunliche Nachfrage" verzeichne. Für Passagiere bedeuten sie einen gewissen Zeitgewinn, die Airlines können sich (eventuell) auch über höhere Preise freuen. Kostenseitig ersparen sie sich Zwischenlandungen - andererseits fallen durch die geringere Zuladung auch wieder Einnahmen weg. Ein gewisses Risiko bleibt auf jeden Fall bestehen.

Lounge im Upper Deck einer Boeing 747 im Jahr 1971: Vielleicht überrascht Qantas auch auf ihrer neuen Ultra-Long-Range-Strecke mit gemütlichen (wenn auch farblich weniger gewagten) Sitzbereichen (Foto: Qantas).

Ob mit oder ohne Zwischenlandung: Im Vergleich zur ersten "Kangaroo Route" ist die Verbindung zwischen London und Sydney heute ohnehin blitzschnell zu absolvieren. Als vor über 70 Jahren erstmals mit einem Flugzeug durchgehend geflogen wurde, war man noch drei Tage unterwegs - mit insgesamt zumindest sechs Zwischenlandungen.

Ob die Strecke dann ab 2022 wirklich nonstop gebucht werden kann, wird man wohl demnächst erfahren.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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