Erstattungen von Niki- und Air Berlin-Tickets verlaufen schleppend

Acquiring Bank soll Kundengelder weder auf das Treuhandkonto noch an die Kunden zurückbezahlt haben.

Air Berlin ist seit mehr als einem Jahr am Boden und bei Niki jährt sich das Grounding in knapp vier Wochen, doch noch immer nicht sind alle Erstattungsansprüche ausbezahlt (Foto: www.AirTeamImages.com).

Nach dem Tag der Insolvenzanmeldung der Air Berlin im August des Vorjahres sollte das Buchen von Flugtickets eigentlich risikolos sein. Regelrecht stolz wurde verkündet, dass Tickets, die für Flüge mit Air Berlin und/oder Niki gekauft werden, durch ein Treuhandkonto beim damaligen Sachwalter und heutigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther abgesichert sind. Die beiden Airlines sollten die Erlöse erst nach Durchführung der Flüge bekommen und falls dies nicht mehr erfolgen sollte, sollten Kunden das Geld zurückbekommen.

Doch bereits wenige Wochen nach dem Grounding der Air Berlin stellte sich die Sachlage überraschend gänzlich anders dar, denn ein Sprecher von Insolvenzverwalter Lucas Flöther betonte damals gegenüber Austrian Avation Net, dass es auf die Buchungsklasse ankomme und nur flexible Tickets erstattet werden könnten. Davon, dass ursprünglich öffentlichkeitswirksam kommuniziert wurde, dass alle Tickets betroffen sind, war keine Rede mehr. Dies sollte ausschließlich für Niki-Flugscheine gelten, so der Sprecher damals.

Verwirrend kommt dazu, dass es Insolvenzverwalter Lucas Flöther selbst war, der in einem TV-Beitrag rund um den Jahrestag des Groundings der Air Berlin unter eigener Marke neuerlich von einer Erstattung aller Tickets sprach.

Insbesondere für Käufer von Niki-Tickets erweist sich als problematisch, dass ungeachtet der Tatsache, dass sich Air Berlin seit Mitte August 2017 in einem Insolvenzverfahren befand – die österreichische Tochter jedoch nicht – der Verkauf weiterhin über Air Berlin abgewickelt wurde. Selbst nach der Einstellung des eigenen Flugbetriebs der deutschen Airline war dies so. Auf der Webseite der Air Berlin wurde auf das Flugangebot von Niki verwiesen, wo sich kein einziger Hinweis auf die insolvente Muttergesellschaft fand. Wurde die Buchung abgeschlossen, landete regelrecht überraschend eine Buchungsbestätigung und Rechnung der Air Berlin in den E-Mail-Postfächern der Reisenden. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass jenen Passagieren, die der Ansicht waren, dass sie beim solventen Unternehmen Niki buchen, in Wahrheit einen Beförderungsvertrag mit der insolventen Air Berlin abgeschlossen haben.

Flöther weist ORF-Berichterstattung scharf zurück

Die Rückerstattung der Niki-Tickets soll laut einem Bericht des Österreichischen Rundfunks unter Einbindung der Arbeiterkammer äußerst langsam und schleppend verlaufen. So berichten die Konsumentenschützer davon, dass sich als verwirrend erweist, dass diese Ansprüche beim deutschen Air-Berlin-Insolvenzverwalter geltend gemacht werden müssen und nicht bei der österreichischen Niki-Konkursverwalterin. Hintergrund ist eben die Tatsache, dass mit Air Berlin Beförderungsverträge abgeschlossen wurden. Weiters behaupteten de Konsumentenschützer, dass Briefe, ja gar Anwaltsbriefe gar nicht beantwortet würden und Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther erst Klagen reagieren würde.

Konfrontiert mit der Berichterstattung des Österreichischen Rundfunks bezog ein Sprecher wiefolgt Stellung: „Die Aussagen im ORF-Beitrag sind falsch bzw. irreführend. Bei Direktzahlungen von Kunden an Air Berlin sowie bei PayPal-Zahlungen ist bei fast allen berechtigten Erstattungsanträgen die Rückzahlung erfolgt. Bei Buchungen über Reisebüros/-vermittler ist ein Großteil der beantragten und berechtigten Erstattungen über die internationale Clearing-Stelle IATA erfolgt; zusätzlich beginnt zurzeit die Auszahlung auf andere berechtigte Erstattungsanträge, bei denen keine Erstattung über die IATA möglich ist. Verzögerungen gibt es in der Tat noch vereinzelt bei Zahlungen über Kreditkarten. Lediglich bei American Express wurden bei fast allen berechtigten Erstattungsanträgen die Zahlungen zurückgebucht. Bei anderen Kreditkarten gibt es hingegen noch einzelne Probleme (wobei ein Großteil der berechtigten Erstattungsanträge auch hier zurückgebucht wurde). Um solche Fälle handelt es sich beim ORF-Beitrag: Die Kreditkarten-Unternehmen haben hier das „Charge back“ verweigert. Bei der Buchung der betroffenen Flüge wurde das Geld aber nie an Air Berlin weitergeleitet; dies liegt seitdem bei den Zahlungsabwicklern, den so genannten „Aquirern“. Das sind Tatsachen! Es ist sicherlich verständlich, dass Air Berlin (bzw. die Insolvenzverwaltung) keine Erstattungen auf Zahlungen leisten kann, die Air Berlin nie erhalten hat. Im Übrigen hat die Einschaltung von Rechtsanwälten keinen Einfluss auf die Erstattungen. Alle Betroffenen werden gleich behandelt.“

Erst zwei Millionen Euro wurden ausbezahlt

Das Fachmagazin „Capital“ berichtet nun, dass auf dem Treuhandkonto, das Lucas Flöther verwahrt, insgesamt 13,6 Millionen Euro liegen sollen. Davon sollen erst zwei Millionen Euro an die Kunden erstattet worden sein. Laut dem Bericht wurde diese Zahl bestätigt. Betroffen sein sollen rund 200.000 Flugscheine, die nicht mehr abgeflogen werden konnten, jedoch die ganze Anzahl der Tickets, für die es Erstattungsansprüche gibt, ist nicht öffentlich bekannt.

„Capital“ berichtet weiters, dass es bei der Rückerstattung Probleme mit zwischengeschalteten Dienstleistern, beispielsweise den Clearingstellen und Reisebüros gäbe. Für die Abwicklung ist die Hamburger Treuhandgesellschaft Gorg beauftragt, allerdings muss – so „Capital“ – Lucas Flöther jede einzelne Auszahlung autorisieren. Weiters sollen viele Kunden noch gar keine Erstattung verlangt haben.

Ein Sprecher des Air-Berlin-Insolvenzverwalters erklärte gegenüber Austrian Aviation Net, dass insbesondere ein Problem mit den Acquirern besteht. Eine so genannte Acquiring Bank ist jenes Kreditinstitut, das die Zahlungen für den Händler abrechnet und bei der Issuing Bank (Aussteller der Kredit- oder Bankomatkarte) einzieht. Die Problematik soll insbesondere darin bestehen, dass die Acquiring Bank viele Zahlungen weder an Air Berlin bzw. das Treuhandkonto weitergeleitet hat, noch über die Issuing Bank an die Kunden zurückgezahlt hat. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass das Geld „zwischen zwei Konten“ liegt. Der Insolvenzverwalter könnte daher Gelder, die man nie tatsächlich bekommen hat, auch nicht zurückbezahlen.

An dieser Stelle empfiehlt es sich auch schleunigst mit der kartenausstellenden Bank (=Issuing Bank) in Kontakt zu treten und dieser entsprechenden Druck auszuüben, dass eine Rückabwicklung durchgeführt. Dies ist grundsätzlich möglich, sofern das Ticket nach dem Tag der Insolvenzanmeldung der Air Berlin gebucht wurde. Sofern eine Rechtsschutzversicherung vorhanden ist, könnte auch die Inanspruchnahme der Dienstleistungen eines Rechtsanwalts durchaus zweckmäßig sein.

Ein Umstand, der wiederholt an Austrian Aviation Net herangetragen wurde ist, dass sich einige Reisebüros weiterhin weigern Flugscheine für Niki-Flüge, die nach der Insolvenzanmeldung der Air Berlin gebucht wurden, zu erstatten. Die entsprechenden Voraussetzungen hierfür wurden bereits geschaffen, so dass das Reisebüro diese lediglich anfordern und ausbezahlen muss. Während es nur wenige Berichte gibt, dass es bei IATA-Agenturen zu Problemen kommt, sollen sich insbesondere Non-IATA-Reisebüros querlegen. Diese sind nicht befugt Flugscheine selbst im Namen der Airline auszustellen, sondern kaufen diese über einen Zwischenhändler, den so genannten Consolidator, ein. Das bedeutet im Erstattungsfall für die Agentur einen erheblichen Mehraufwand, der jedoch durch die teils fürstlichen Buchungsgebühren, die so manches Reisebüro kassiert, abgedeckt sein sollte. Auch hier empfiehlt es sich erheblichen Druck auszuüben und falls eine Rechtsschutzversicherung vorhanden ist, einen Anwalt aufzusuchen. Bei Buchungen, die über ein Reisebüro – egal ob online oder direkt im Geschäft – getätigt wurden, ist grundsätzlich die Agentur der Ansprechpartner und nicht die Airline direkt, denn der Fluggesellschaft ist in den meisten Fällen nur der Name des Passagiers bekannt, aber sonst nichts.

 

 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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