Eröffnungsfeier der Ausstellung "100 Jahre Motorflug in Wien"

Wienbibliothek im Rathaus bietet sehenswerten Überblick

Alle Bilder von Georg Lembergh

Am Donnerstag Abend (17.9.2009) fand in den Räumlichkeiten der Wienbibliothek im Wiener Rathaus die Eröffnung der Ausstellung "schwerer als Luft. 100 Jahre Motorflug in Wien" statt.

Sylvia Mattl-Wurm, Leiterin der Wienbibliothek, gab in in der Eröffnungsrede einen kurzen Überblick über den Anlass und den Inhalt dieser Ausstellung und dankte anschließend den zahlreichen Mitwirkenden aus den diversen Sammlungen des Hauses und anderen Institutionen.

Der Kulturwissenschaftler Matthias Marschik, der bereits einige Bücher zum Flugsport und Flugverkehr verfasst hat und auch an dieser Ausstellung mitgewirkt hat, sprach in seinem Vortrag über die große Faszination, die die Luftfahrt in ihrer Entwicklung bei der Öffentlichkeit hervorgerufen hat. Die ersten Luftfahrtveranstaltungen wurden von zehntausenden Zuschauern staunend und begeistert beobachtet.

So zog die Vorführung des Franzosen Louis Bleriot im Oktober 1909 auf der Simmeringer Haide, das Ereignis, das die WissenschaftlerInnen der Wienbibliothek zu dieser Ausstellung veranlasst hatte, rund 300.000 Wiener in ihren Bann.

Die Faszination, der Verwirklichung eines Menschheitstraums beizuwohnen wich gemäß den Worten Marschiks im Ausstellungskatalog über die Jahre aber mehr und mehr der ernüchterten Erkenntnis, "dass man nicht der Einlösung eines Traumes, sondern nur dessen technischer Realisierung beigewohnt hatte."

Marschik erläuterte, dass mit dem Wachstum des Flugverkehrs und der Gründung der Austrian Airlines 1958 eine neue Welle der Begeisterung in der Bevölkerung aufkam. Schaulustige pilgerten an den Wochenenden zu den Flughäfen, wo sie sich dem Traum von der weiten Welt hingaben.

In der heutigen Zeit ist dieser Traum, so Marschik, auf die Funktion reduzierten Flughäfen gewichen, die in ihrer Art austauschbar sind. Zudem habe das Internet die Flughäfen als Ort der Verbindung zur Welt für die Träumenden abgelöst.

Nach diesen, aus der Sicht aviatisch begeisterter Menschen eher ernüchternden Worten, ergriff der Kurator der Ausstellung, Hubert Prigl, das Wort. Er legte die Vorgangsweise bei der Annäherung an dieses Thema dar und gab einen groben Einblick in den Aufbau der Ausstellung.

Prigl ist gelernter Luftfahrtmechaniker und hat mehrere Jahre beim Österreichischen Bundesheer auf dem Fliegerhorst Langenlebarn gearbeitet, wohin er auch heute noch gute Kontakte hat.

Die Eröffnung der Ausstellung schloss eine sehr humorvolle Lesung von Pilot und Luftfahrtfan Teddy Podgorski. Er las eine sehr lustige Geschichte über seinen ehemaligen Fluglehrer, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der mit seiner Gattin bewohnten Wohnung in der Hütteldorfer Strasse ein Segelflugzeug gebaut hatte.

Nach den Reden wurde den zahlreich erschienen Gästen bei DJ-Musik Wein und Brot geboten und die Gelegenheit, die Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Sämtliche Ausstellungsgegenstände werden in einem einzigen, relativ kleinen Raum zur Schau gestellt. Über mehr Ausstellungsfläche verfügt die Wienbibliothek nicht.

Allerdings wird auf der beengten Fläche sehr dichtes und interessantes Wissen angeboten. Laut der Ausstellungsbeschreibung sind dies Dokumente, Korrespondenzen, Zeichnungen, Musikalien, Plakate, Bücher, Zeitungsberichte und insbesondere Fotos aus 100 Jahren Motorfluggeschichte Wiens. Bereichert werden diese Ausstellungsstücke durch sehr interessante Filmausschnitte, zur Verfügung gestellt durch das Österreichische Filmarchiv und dem ASKÖ.

Nach dem Rundgang stellte sich Kurator Hubert Prigl noch für ein kurzes Gespräch mit Austrian Aviation Net zur Verfügung. In diesem kam seine Luftfahrtbegeisterung zum Ausdruck, die letztenendes Antrieb für die Realisierung der Ausstellung gewsesn war.

Er erzählte mir, dass ursprünglich die Ausstellung ausschließlich aus eigenen Archiven zusammengestellt werden sollte. Erst der Wunsch der Realisierung einer Zeitachse durch 100 Jahre Motorfluggeschichte Wiens erforderte die Erweiterung durch externe Exponate. So wurden zum Beispiel Bilder aus dem Archiv der Wiener Polizei oder des Flughafen Wien verwendet.

Luftfahrtfachleute und -historiker von außerhalb des Hauses halfen mit, den aufwendigen und informativen 160-seitigen Ausstellungskatalog in Form eines Bordmagazins zu realisieren.

Werbeplakate zum Thema Luftfahrt stammen aus der umfangreichen Plakatsammlung der Wienbibliothek, einer der größten Europas. So wandert von allen in Wien affichierten Werbeplakaten immer ein Pflichtexemplar ins Archiv der Wienbibliothek.

Das Zeitungsarchiv des Hauses ist umfangreicher als das der Nationalbibliothek, in der im Zweiten Weltkrieg viele Zeitungsausgaben Bränden zum Opfer gefallen waren.


Das Austrian Aviation.Net  empfiehlt den Besuch dieser wirklich sehenswerten Ausstellung, die im übrigen bei freiem Eintritt besucht werden kann. Auch der Erwerb des "Bordmagazins", das für € 15.- verkauft wird, ist angeraten, um die vielen Informationen in Ruhe daheim nachlesen zu können.

 

Schwerer als Luft. 100 Jahre Motorflug in Wien
Vom 18. September 2009–26. Februar 2010
Mo–Do 9.00–18.30 Uhr, Fr 9.00–16.30 Uhr

Wienbibliothek im Rathaus
Eingang Felderstraße (ab 18.00 Uhr, Eingang Lichtenfelsgasse)
Stiege 6 (Lift), 1. Stock, Ausstellungskabinett

Autor: Manfred Saitz
Das ist der Kurztext zu Manfred Saitz.

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