Embraer 190 nach Wartung beinahe verunglückt

Piloten konnten defekten Jet nach über zwei Stunden Irrflug sicher landen.

Embraer 190 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Der Embraer 190 mit der Registrierung P4-KCJ machte Air Astana laut lokalen Medienberichten schon seit einiger Zeit immer wieder Probleme. Daher wurde der Regionaljet bereits Anfang Oktober diesen Jahres nach Portugal geflogen, wo er bei OGMA repariert werden sollte. Verschiedene Medien schreiben von Elektronikproblemen.

Am Sonntag wollte Air Astana den frisch gewarteten Jet nach Minsk überstellen, um ihn wieder im regulären Linienflugbetrieb einsetzen zu können doch offenbar verschärften sich die Probleme. Als Flug KC1388 hob der Embraer 190 gegen 13 Uhr 21 in Alverca ab und nach rund 12 Minuten Flugzeit sollen zentrale Instrumente ausgefallen sein.

Die Piloten erklärten über Funk Luftnotlage und gaben an, dass sie die Kontrolle über die Maschine verloren hätten. Neben den beiden Flugzeugführern befanden sich auch vier Techniker der kasachischen Fluggesellschaft an Bord. Rund eine Viertelstunde später erklärten die Piloten über Funk, dass der Embraer 190 überhaupt nicht mehr kontrollierbar wäre und fragten eine Notwasserung auf dem Meer oder einem Fluss an.

Portugals Luftstreitkräfte schickten nur wenige Minuten später zwei Lockheed Martin F16 zur Unterstützung in die Nähe des Embraer 190 und versetzte weitere Militärmaschinen, aber auch die Marine in Alarmbereitschaft, um im Falle einer Notwasserung für rasche Hilfe sorgen zu können. Portugals Verteidigungsminister João Gomes Cravinho erklärte auf Twitter, dass eine Notlandung auf dem Wasser als Szenario durchgespielt wurde.

Aufgrund der Wetterlage entschied man sich jedoch gegen eine Notwasserung. Der Jet kreiste rund eine Stunde über Lissabon und erlitt dabei laut Aufzeichnungen von Flightradar24 gleich mehrere Stalls, die jedoch von den beiden Piloten wieder abgefangen werden konnten. Zum Glück schienen die Flugzeugführer nach und nach wieder die Kontrolle über die Maschine zu bekommen, so auch laut offiziellen Berichten, die unter anderem auch auf Funksprüchen basieren, einige wichtige Instrumente plötzlich wieder zur Verfügung standen.

Die Fluglotsen und Piloten entschieden sich anschließend für eine Notlandung auf dem Flughafen Beja, die jedoch nicht sofort glückte. Beim ersten Landeversuch kippte der brasilianische Regionaljet nach rechts weg, die Flugzeugführer konnten jedoch durchstarten und so einen Unfall verhindern. Auch der zweite Versuch war nicht von Erfolg gekrönt, da unmittelbar vor der Landung erheblich an Flughöhe verloren wurde und der E190 nun nach links wegkippte. Im dritten Anflug gelang es den beiden Piloten dann den Regionaljet sicher auf dem Flughafen Beja zu landen.

Nach zwei Stunden und sieben Minuten Irrflug über Portugal, der offensichtlich vom ständigen Kampf die Maschine in der Luft halten zu können geprägt war, landete die P4-KCJ. Laut offiziellen Angaben soll es keine Verletzte geben, jedoch die Besatzung soll aufgrund von Erschöpfung vorsorglich ins Krankenhaus zur Untersuchung gebracht worden sein.

Warum nach einer Wartung derartig schwerwiegende Probleme aufgetreten sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Dies wird nun von Flugunfallermittlern der Länder Portugal und Brasilien unter Einbindung ihrer kasachischen Kollegen und Vertretern der Airline und des Herstellers Embraer aufgeklärt.



Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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