Eine rote Linie als Protest gegen die dritte Piste in Wien

Am vergangenen Samstag protestierten rund 200 Menschen gegen die dritte Piste am Airport Schwechat. Die Flughafen Wien AG antwortete schnell darauf.

Klimaschutzaktivisten protestierten gegen den Bau der dritten Landebahn in Wien (Foto: Flughafen Wien).

Causa 3. Piste – Rund 80 Menschen in roten Anzügen markierten am Samstag am Flughafen Wien-Schwechat rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen, ‘wenn unsere Lebensgrundlagen auch in Zukunft erhalten bleiben sollen‘. Die Bewegung “System Change not Climate Change“ (SCnCC) setzt sich gegen das Wachstum klima- und umweltschädlicher Bereiche ein und hielt letztes Wochenende das erste österreichische Klimacamp ab, bei dem circa 200 Menschen auf einer Obstwiese im flughafennahen Enzersdorf an der Fischa zelteten und diverse Workshops abhielten. Sie fordern “die Förderung zukunftsweisender Mobilität anstatt die massive Subventionierung der Flugindustrie“. Auf dem 45 Meter langen Transparent, das die Aktivisten unter anderem dort aufspannten, wo die dritte Piste mehr als 700 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche verbauen würde, stand „Rote Linie: Kein weiter wie bisher". Am Flughafen selbst bildeten die Aktivisten diese rote Linie: sie reihten sich im Terminal nebeneinander auf und fielen schließlich im Domino-Effekt um, womit sie das Limit für klimaschädliches Flugwachstum symbolisierten.

“Der Bau der dritten Piste würde eine dramatische Erhöhung der Fluganzahl ermöglichen und damit die Treibhausgasemissionen immens anwachsen lassen. Angesichts des Klimawandels sind weitere Investitionen in klimaschädliche Infrastruktur absolut unverantwortlich. Besonders weil der Ausbau nicht aufgrund von Bedarf, sondern wegen Profitinteressen forciert wird", so Manuel Grebenjak von SCnCC. Die Protestierenden fordern somit nicht nur einen Stopp der Ausbaupläne des Flughafens und anderer klimaschädlicher Infrastruktur. Sie setzen sich auch dafür ein, dass die erst im März beschlossene Halbierung der Flugabgabe rückgängig gemacht wird. Durch diese Halbierung entginge Österreich mehr als 50 Millionen Euro an Steuereinnahmen jährlich, welche ausschließlich den Fluglinien und Flughäfen höhere Gewinne einbringe. Dieses Geld wäre besser in Förderungen für nachhaltige und leistbare Mobilität investiert, zudem dürfe Kerosin nicht weiter steuerfrei bleiben – so der O-Ton der Klimaaktivisten.

Die Antwort des Flughafens ließ nicht lange auf sich warten. In einer Pressemeldung wird der Protestaktion vorgeworfen, nur Forderungen und keine Lösung parat zu haben. Die zehntausenden Pendler werden erwähnt, welche von den negativen Folgen blockierter Infrastrukturprojekte betroffen wären und dass eine derartige ‘Blockadepolitik‘ ganz klar im Widerspruch zu den Wünschen der Bevölkerung nach Arbeitsplätzen und guten Verkehrsverbindungen stehe. Dass sich Wirtschaftswachstum und Klimaschutz widersprechen, ist laut der Flughafen Wien AG eine ‘völlig überholte Denkweise‘. Zur Unterstützung von Wirtschaftsentwicklung und Umweltschutz fordert das Unternehmen auch die Einführung eines Standortanwalts, der in die UVP-Verfahren eingebunden werden soll.

Und wieder lässt sich feststellen: es ist und bleibt wohl eine “never-ending-story“...

Autor: Andrea Wieger
Redakteurin
Andrea ist seit mehr als zwölf Jahren in verschiedenen Bereichen der Luftfahrt tätig. Sie liebt das Fliegen und unterstützt das Team von Austrian Aviation Net seit Februar 2017 als Redakteurin.

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