DFS kontrolliert Saarbrücken aus der Ferne

Neues System mit österreichischem Know-how gestartet.

Foto: Flughafen Saarbrücken.

Die Deutsche Flugsicherung kontrolliert den Flughafen Saarbrücken ab sofort nicht mehr vom lokalen Tower aus, sondern vom rund 450 Kilometer entfernten Leipzig aus. Dort befindet sich das Remote Tower Control Center, das die DFS in ihrer Niederlassung am Flughafen Leipzig eingerichtet hat.

Auch wenn die Kontrolle des Flugverkehrs in Saarbrücken nach Leipzig verlagert worden ist, bleibt der Tower zunächst weiter betriebsbereit. Nach dem Abschluss einer vierwöchigen Einführungsphase wird die DFS mit ihrem Remote-Tower-Control-System in den Regelbetrieb übergehen.

Ein Verbund aus Video- und Infrarotkameras liefert ihnen permanent ein 360-Grad-Bild des Flughafens. Das Panoramabild wird auf einer Monitorreihe über dem Arbeitsplatz dargestellt; den Bildausschnitt können die Lotsen frei wählen. Außerdem wurden schwenk- und neigbare Video- und Infrarotkameras in Saarbrücken installiert, mit denen sich Details heranzoomen lassen. Zur Ausstattung gehören auch statische Kameras zur Vorfeldüberwachung.

Durch die Infrarottechnik haben die Fluglotsen eine deutlich verbesserte Sicht, vor allem bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit. Zusätzlich unterstützt das Remote-Tower-Control-System die Lotsen bei ihrer Arbeit: Es erkennt Bewegungen automatisch und hebt Flugzeuge in der Luft wie am Boden, aber auch Fahrzeuge auf den Monitoren hervor. Die startenden und landenden Flugzeuge lassen sich mit den beweglichen Kameras manuell oder automatisch verfolgen. Aus Sicherheitsgründen sind alle optischen Funktionen redundant ausgelegt. Die Kameras sind in einem beheizbaren Gehäuse untergebracht und verfügen über eine automatische Reinigungsfunktion. Sie wurden auf einem Kameraturm in Sichtweite des alten Towers installiert.

"Unser Remote-Tower-Control-System steht für Innovation und ist ein Beispiel für den Einsatz neuer digitaler Technologien im Bereich Luftverkehr", so Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung. "Damit verbessern wir unsere Effizienz und erfüllen unverändert die hohen DFS-Sicherheitsanforderungen."

Ihr Remote-Tower-System hat die DFS gemeinsam mit dem österreichischen Technologieunternehmen Frequentis entwickelt; die Video- und Infrarotsensoren stammen vom deutschen Konzern Rheinmetall Defence Electronics. Insgesamt nahm die Entwicklung vier Jahre in Anspruch. Für die nationale und internationale Vermarktung des DFS-Remote-Tower-Systems haben die DFS-Tochter DFS Aviation Services GmbH und Frequentis das gemeinsame Tochterunternehmen Frequentis DFS Aerosense GmbH gegründet.

Insgesamt sind zehn Saarbrücker Lotsen nach Leipzig gewechselt. In den nächsten Jahren will die DFS auch die Kontrolle der Flughäfen Erfurt und Dresden nach Leipzig verlagern. Durch eine entsprechende Ausbildung sollen die Fluglotsen die Berechtigung nicht nur für einen, sondern Schritt für Schritt für alle drei Flughäfen erwerben. Dadurch kann die DFS ihr Personal effizienter einsetzen und auf Veränderungen flexibler reagieren. Außerdem sinkt der Aufwand für die Inbetriebhaltung von Gebäuden und der dazugehörigen Infrastruktur. So wäre am Flughafen Saarbrücken der Neubau eines Kontrollturms notwendig gewesen, auf den die DFS nun verzichten kann.

Ein Regionalflugzeug der Fluggesellschaft Luxair war das erste Flugzeug, dessen Landung im Remote Tower Control Center der DFS kontrolliert wurde. Die Maschine vom Typ Bombardier DHC 8-400 kam aus Luxemburg und setzte am 4. Dezember um 6.51 Uhr auf der Landebahn in Saarbrücken auf. Ein Regionalflugzeug derselben Airline war um 6.53 Uhr die erste Maschine, die ihre Startfreigabe aus Leipzig erhielt. Das Flugzeug vom Typ Bombardier CRJ 700 startete planmäßig in Saarbrücken und nahm Kurs auf den Flughafen Berlin-Tegel. Die letzte Maschine, die vom alten Tower aus kontrolliert wurde, startete am 3. Dezember um 22.01 Uhr. Ziel des Luxair-Fluges war Luxemburg. 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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