Deutsche stoppen Norwegian 737-Max-Übersteller

Maschine nun in Vatry gestandet.

Boeing 737-Max-8 (Foto: Norwegian).

Eigentlich ist es Betreibern von Boeing 737-Max in einem gewissen Rahmen gestattet ihre Flugzeuge ohne Passagiere an Bord zu überstellen, doch unabhängig davon gehen manche EU-Staaten, darunter insbesondere Deutschland, eigene Wege und verweigern selbst dies.

Air Italy hat das Problem, dass eine 737-Max-8 auf dem Flughafen Kairo „festsitzt“, denn der Jet ist in Irland registriert und die dortige Zivilluftfahrtbehörde erteilt kein grünes Licht. Der Zweistrahler muss daher in Ägypten ausharren. Doch auch innerhalb der EU kann es bei Überstellungsflügen zu massiven Problemen kommen, wie das jüngste Beispiel von Norwegian Air Shuttle zeigt.

Eigentlich wollte die Airline einen Boeing 737 Max 8 (Registrierung: SE-RTB) von Malaga nach Stockholm überstellen und bekam dafür nach Einreichung des Flugplans auch eine Eurocontrol-Freigabe. Der Jet flog über Spanien und Frankreich doch an der Luftraumgrenze zu Deutschland war Schluss. Die Lotsen verweigerten der Norwegian 737-Max, die unter der Flugnummer DY8922, unterwegs war die Einflug- und Überflugerlaubnis. Die Piloten waren daher gezwungen noch im französischen Luftraum abzudrehen und in Vatry zu laden.


Die SE-RTB durfe nicht in den deutschen Luftraum einfliegen (Grafik: Flightradar).

In den letzten Jahren erwies sich Deutschland wiederholt mit dubiosen Alleingängen als selbsternannter Oberlehrer der Europäischen Union, wobei die Begründungen stets kurios sind. Beispielsweise erteilte man Air Cario und Flyegypt temporäres Flugverbot, während sämtliche anderen EU-Staaten keine Probleme sahen und teilweise das Vorgehen der Deutschen, die Verfehlungen beim Catering festgestellt haben wollen, auch heftig kritisierten. Mahan Air wurde unter fadenscheinigen Terrorismus-Behauptungen ausgesperrt, wobei der Carrier munter in andere EU-Länder fliegen darf. Somit verwundert es auch nicht, dass Norwegian mit der Boeing 737-Max-8 Probleme mit den Deutschen bekam.

Dass die Bundesrepublik Deutschland derartige Überflüge nicht haben will, ist durchaus allgemein bekannt. Allerdings war die entsprechende Anordnung, die im NOTAM veröffentlicht wurde, mit dem 11. Juni 2019 befristet. Norwegian wollte den Jet am 12. Juni 2019 überstellen, also einen Tag nach Ablauf der Verfügung. Erst nach dem Vorfall veröffentlichte Deutschland ein NOTAM, das nun Überflüge auch bis 8. September 2019 untersagt. Offenbar hatte man entweder darauf vergessen oder aber gar nicht daran gedacht, dass ein Carrier auf die Idee kommen könnte eine 737-Max zu einer Basis zurückzuholen.


Von Malaga bis zur deutschen "Grenze" gab es keine Probleme (Grafik: Flightradar).

Unabhängig davon ist den Fluglotsen kein Vorwurf zu machen, denn diese haben nach den ihnen angewiesenen Vorgehensweisen gehandelt und Flug DY8922 abgewiesen. Dienst nach Vorschrift also. Allerdings hätte dann der eingereichte Flugplan gleich durch Eurocontrol abgelehnt werden müssen, doch zum Zeitpunkt der Einreichung bestand eben kein Überflugverbot für den 12. Juni 2019. Welchen Unterschied es nun macht, ob der Jet über Frankreich oder Deutschland – leer ohne Passagiere – fliegt, müssen wohl die Deutschen selbst entscheiden. Jedenfalls darf Norwegian Air Shuttle das Bürokratie-Desaster nun ausbaden und hat nun eine Boeing 737-Max in Vatry (Frankreich) stehen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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