Deutsche Airlines warten auf ihre Max-Flugzeuge

Tuifly plant mit Wet-Lease-Partner, SunExpress erwägt Klage gegen Boeing. 

Boeing 737-Max-9 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Eigentlich waren bei einigen Airlines auf dem deutschen und österreichischen Märkten in diesem Sommer erstmals Boeing-737-Max eingeplant. So sollte Tuifly beispielsweise als erste deutsche Fluggesellschaft ab März vier Jets bekommen, zwei weitere waren für November angekündigt, so ein Sprecher gegenüber AviationNetOnline. Doch nach zwei Abstürzen sind Boeings Max-Flugzeuge erst einmal weltweit am Boden. Mit Folgen für Tuifly: "Es könnte sein, dass sich die Auslieferung der beiden letzten Jets aufs nächste Jahr verzögert." 

Wann die Maschinen letztlich ausgeliefert und dann auch in den Dienst des deutschen Ferienfliegers treten können, hänge von den Entscheidungen der Luftsicherheitsbehörden FAA und EASA ab. "Wir stehen täglich in engem Austausch mit Boeing." 

Bis Mitte Juli plant Tuifly aber auf jeden Fall erst einmal ohne die Jets. "Die Verzögerung der ersten vier Maschinen versuchen wir unter anderem durch zwei Wet-Leases der rumänischen Just Us aufzufangen", so der Sprecher weiter. Just Us war schon im vergangenen Sommer punktuell ab Düsseldorf für Tuifly im Einsatz war. "Gleichzeitig werden wir die eigentlich auslaufenden Leases von bis zu zwei Jets der Bestandsflotte zu verlängern." 

Doch der Mutterkonzern hat bereits angekündigt, seine Gewinnprognose erneut anpassen zu müssen, sollte Mitte Juli keine Freigabe für die Max-8 da sein. "Das Problem ist nicht, ob die Freigabe im Juli oder August kommt - eng wird es ab Juni. Da bei uns im Sommer alle Maschinen komplett ausgelastet sind, erhöht so ein Ausfall natürlich die Komplexität", so der Sprecher.  

SunExpress Deutschland "wartet" auf 737-Max

Auch SunExpress wartet sehnsüchtig auf die neuen Mittelstreckenflieger. Der deutsch-türkische Ferienflieger sollte ursprünglich an Ostern 2019 den ersten von acht bestellten Max-Jets bekommen. Der Termin ist allerdings hinfällig, noch "warte" man, heißt es auf Anfrage.  

"Unsere Operationteams sind im aktiven Dialog mit den Ingenieuren von Boeing und den relevanten Luftfahrtbehörden", so ein Sprecher. Man arbeite an einem Plan für das "Szenario, dass die vollumfängliche Lufttüchtigkeit nicht kurzfristig erteilt wird". Wie konkret Ersatzkapazitäten akquiriert werden, will man nicht ausführen.  

Allerdings wolle man eventuell den Rechtsweg gegen Hersteller Boeing bestreiten: "In dem Falle, dass durch das Grounding der 737 Max wirtschaftlicher Schaden entsteht, werden wir eventuelle Ersatzansprüche prüfen." Ähnliches hatte bereits Billigflieger Norwegian angekündigt. Experten halten solche Klagen allerdings für aussichtslos. Mehrere Anwälte bezweifeln, dass staatlich angeordnete Flugverbote als höhere Gewalt gelten und somit auf Grundlage der Warschauer Konvention ein Schadenersatzanspruch gegenüber dem Hersteller besteht.  

Ryanair will sich im Mai äußern

Billigflieger Ryanair hat ebenfalls Jets der Max-Reihe bestellt - nämlich 135 Exemplare der für Low-Cost-Carrier designten 200er Version. Diese Modelle bieten aufgrund kleinerer Bordküchen und geringerem Sitzabstand bis zu 200 Passagieren Platz. Um dennoch Sicherheitsvorgaben einhalten zu können, ist bei der 737-Max-200 ein zusätzlicher Notausgang in der Flugzeugmitte eingebaut worden.  

Wann diese zur Ryanair-Flotte stoßen können, ist unklar. Im Dezember bekamen die Iren das letzte herkömmliche 737-Flugzeug von Boeing ausgeliefert. Auf Anfrage verweist man bei Ryanair auf die anstehende Jahrespressekonferenz im Mai, weswegen man sich aktuell nicht äußern könne.  

Weltweite Kapazitätsengpässe

Nicht nur europäische Airlines müssen wegen des Groundings der Max-8 umdisponieren. Auch American Airlines betrifft der Ausfall hart: So müssen laut Medien täglich 1,5 Prozent der Flüge (115 Stück) wegen des Flugverbots für 24 Jets gestrichen werden

Innerhalb von nur wenigen Monaten kamen bei zwei Abstürzen von werksneuen Max-8-Maschinen rund 350 Menschen ums Leben. Regierungsangaben zufolge war für beide Katastrophen ein Fehler in der neuen Steuerungssoftware verantwortlich. Boeing kündigte ein Softwareupdate an; weltweit gilt vorübergehend ein Flugverbot für den betroffenen Maschinentyp.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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