Der Flug-Schreiber: Warum mir Fliegen keinen Spaß mehr macht

Ein Flugzeugfreund macht sich so seine Gedanken.

Flugzeugkabinen erinnern mit der mittlerweile üblichen dichten Bestuhlung mitunter an Hendl-Legebatterien (Fotos: Martin Metzenbauer).

Hilfe, sie haben mir das Fliegen kaputt gemacht! Als eigentlicher Freund der Fliegerei, des Flügelwerks und des In-der-weiten-Welt-Herumkommens schmerzt dies natürlich ungemein. Wie konnte es soweit kommen? Und wie hat das alles begonnen? Dank meiner reisefreudigen Familie kam ich schon als kleiner Knirps - in den 1970ern - in den Genuss von Reisen mit dem ominösen Flugzeug.

Das war damals weder eine Selbstverständlichkeit und (noch) irgendwie etwas Besonderes. Das äußerte sich übrigens auch darin (jüngere Leser werden jetzt ihren Augen kaum trauen) dass man sich „zum Fliegen“ schön anzog. Nicht bequem oder praktisch sondern „schön“. Die Damen mascherlten sich auf, zogen nochmals ihren Lidstrich nach, die Herren schlüpften in ihre besten Anzüge und die Kinder wurden noch mal schnell zum Friseur geschickt. Kein Witz! 

Liebe auf den Ersten Klick.
Ich durfte dann irgendwann im Reiseflug (auf den Weg nach Bulgarien, die Türkei, Griechenland?) einmal nach Vorne ins Cockpit und der Herr Kapitän ließ mich durch das Head Up Display seiner DC-9 Super 80 schauen. Wow! Obwohl ich damals weder wusste was ein HuD, noch eine DC-9 war, wars um mich geschehen. Dieses Cockpit! Alle diese Lampen, Hebel, Schalter, Anzeigen, das Klicken, das Surren und die, sich wie von Geisterhand bewegenden, Steuerhörner...ich war verliebt! In eine DC-9! Die Liebe sollte mit der Zeit auf alle Fabrikate überschwappen und bis heute bestehen. Ja, ich stehe auf Flugzeuge. Klingt komisch ist aber so!

Fliegen war also etwas wirklich Tolles, Schönes. Etwas auf das man sich freute. Wofür man sich elegant kleidete. Was zum Geier ist in den letzten 40 Jahren passiert?

Follow me... to the airport! Und zahl (oftmals) horrende Preise für´s Parken.

Die Anreise: 
Das Unbill beginnt schon mit der Fahrt zum Flughafen. Setzte man sich früher einfach in sein Auto und fuhr nach Schwechat, staut man sich heute durch verkehrsberuhigte Zonen, überspringt zahllose Fahrbahnbuckel, weicht diversen Betonohrwaschln aus um dann, dank Grüner Welle, vor gefühlten 3.000 roten Ampeln zu stehen. Erreicht man nervlich schon ziemlich am Ende den Flughafen, heißt es einen Parkplatz zu ergattern. Zeitnah sollte man tunlichst einen Plan für einen ausgefuchsten Bankraub aushecken, um diesen Parkplatz irgendwann und irgendwie auch zu bezahlen. 

Der Flughafen:
Steht das Auto nun auf seinen Platz mit Grundstückspreisen offenbar wie „Côte d’Azur, Strandnähe“ geht es emsig in den Flughafen. Der war früher und eigentlich erstaunlich lange sehr nett, hell, sympathisch und übersichtlich.

Dann kamen die Stararchitekten.  

Konzernzentrale eines Bestattungsunternehmens schießt es mir regelmäßig durch den Kopf. Dunkel, eng, verworren. Warum ist hier alles schwarz und dunkelgrau, wo sind die Häusln und wo muss ich eigentlich hin? Hilfe!

Der Security-Check: 
Nachdem es noch nicht soweit ist, dass wir elektronisch und sichtbar bis auf die Unterhose und darunter ausgezogen werden, übernehmen das aktuell – für mich immer äußerst faszinierend zu beobachten –  zwischen Missmut, Groll und völliger Demotivation changierende Securitymitarbeiter. Es ist entwürdigend. Man lässt die Prozedur natürlich über sich ergehen, liefert sich aus, legt bereitwillig Schlüsselbund, Gürtel, Handy und was weiß ich noch alles ab, lässt sich  das zuvor um Schweinegeld gekaufte Wasser abnehmen und blickt in grantige Gesichter. Früh morgens immer ganz besonders. Wo ist jetzt eigentlich Frau Spira? 

Man weiß, es muss sein. Man befürchtet, es bringt vermutlich wenig. Vielleicht irrt man sich.

Notwendige aber oft ungeliebte Maßnahme: Securitycheck am Flughafen.

Von A nach B:
Geschafft! Die Gesundenuntersuchung à la Airport liegt hinter - der Flug vor einem.     

Man freut sich auf einen schönen Flug mit der Airline seiner kundigen Wahl. 

Doch was muss man am Rumpf des Blech- und Compositevogels lesen? Die ausgesuchte Fluglinie stellt offenbar nur Lackfarbe und Logo. Auf dem Flieger steht zwar „A“, es ist aber „B“ drin. Das ist doch Etikettenschwindel! Denk ich mir. Ich habe „A“ gebucht, ich will also auch mit „A“ fliegen. Und nicht mit „A“ mit der Crew von „B“ und Operated bei „Y“. Man stelle sich vor man kauft einen teuren, guten Wein und am Etikett des „Château Mouton Rothschild 2010“ steht dann klitzeklein im  Eck „Gigrichspatschener Vogelspinne 2016“.

Mag vielleicht auch ein guter Wein sein, den wollte ich aber nicht - den hab ich nicht bestellt.

Dann macht man sich als Werbe-Fuzzi so seine Gedanken. Warum sollte man in Zukunft noch „A“ buchen wenn man sich gar nicht mehr sicher sein kann auch „A“ zu bekommen? Wenn „A“ nicht mehr „A“ ist, wozu „A“ dann noch???

Marken geben Sicherheit. Man weiß was man bekommt. „Da weiß man was man hat…“ hieß es einst im Werbeblock schlau. Dieses Produkt/Versprechen zu verspielen  und auf dem Altar der Kostenoptimierung zu opfern halte ich für nicht sehr clever. Höflich ausgedrückt. Aber die werden schon wissen was sie da tun. Oder?

Now boarding: 
Alles einsteigen, wir quetschen uns in den Flieger. Klar bin ich in den letzten Jahren größer geworden, dennoch keimt in mir der leise Verdacht, dass in den Zeiten meiner Kindheit ungefähr die Hälfte der Menschen in einem Flieger dieser Größenordnung transportiert wurden.

Gegen Hendl-Legebatterien wird (zu Recht) demonstriert, wo sind hier die Proteste, Banner, Plakate, wo der Sitzstreik? 

Apropos, Popo. Ich nehme Platz, dann der Klassiker; Mittlerer Sitz, neben mir ein Mann dem es in den letzten Jahren offenbar sehr gut geschmeckt hat, bestimmt nicht im Flieger, doch dazu später mehr. Na toll! Es ist eng. Sehr eng! Meine Knie bohren sich in den Vordersitz, meine Gedanken fliegen: „die Jahrgangssardinen sollen heuer wieder sehr gut sein...“ 

Ich bin moderate 1,80, wie hier jemand der größer ist als ich menschenwürdig sitzen kann bleibt ein Rätsel. Gemütlich ist das alles nicht und das Wort „Thrombose“ schwebt wie eine dunkle Wolke über Sitzreihe 23.

Und nun versuchen die Hersteller, nochmals mehr Sitzplätze aus den jeweiligen Kabinen zu generieren. Heissa! Die Idee, uns Passagiere auf eine Art Fahrradsattel zu drapieren, ist so jenseitig wie es sich ließt. 

Der Plan existiert tatsächlich und liegt in einer französischen Schublade. Noch.

Exquisites Service an Bord gibt es noch immer - allerdings meistens nur noch in den "besseren" Klassen.

Bing! Reiseflug.
Die Slats und Flaps sind längst eingefahren. Majestätisch zieht das Fluggerät über den Wolken seine Bahnen und ich freue mich auf einen Snack. Man ist ja bescheiden geworden. Doch nicht einmal der kommt mehr. Essen in Flugzeugen war ja nie besonders gut um ehrlich zu sein. Diverse Luxe-, Crystal-, Diamond- und Exclusive-Klassen mal ausgenommen. Aber man bekam immerhin was, irgendwas.

Fliegen ist sehr schön aber auch irgendwann mal sehr fad, die tollste Cumulus-Formation verliert irgendwann ihren Reiz und dann will man essen, irgendwas!     

Früher stocherte man zumindest in undefinierbaren Nudeln, spielte mit Erdnüssen herum und rührte gedankenverloren in seinem Gin-Tonic. Gin-Tonic! Ja, Wahnsinn das gab es noch, gratis!!! Jetzt muss alles bezahlt werden, alles! Gratis ist gar nix. Nichts. Das ist unsympathisch. Und gerade hier könnte sich Airline „A“ von Airline „B“ mal hübsch abheben, unterscheiden und beliebt machen. Tut sie aber nicht. Sparen an allen Ecken und Enden ist buchstabenübergreifend. Und wenn „A“ genauso wenig rausrückt wie „B“ warum dann noch „A“?

Pardon, in „A“ ist ja eh schon „B“ drin. Man merkt, es wird absurd.

Und das ist ein Dilemma. Fliegen ist nichts Besonderes mehr. Fliegen ist oftmals eine Qual. Kommt Qualität vom Quälen? Eher nicht.

Qualität hat immer gekostet, kostet und wird auch in Zukunft kosten. Wer Qualität haben will, muss dafür bezahlen. Basta. 

Früher war Fliegen super, aber teuer. Heute ist fliegen billig aber... 

Wer das Flug-Feeling von früher (Viel Platz, gutes Service, Gin-Tonic,...) erleben will, muss Business oder First fliegen. Und zahlt damit heute wieder die Preise von damals. 

Ulkig, oder?
Was meinen Sie?

PS: Das alles hier ist selbstverständlich eine subjektive, oft zugespitzte Sicht der Dinge. Soll ja amüsant zu lesen sein. Vieles ist auch aus der Sicht der Airlines nachvollziehbar, nur: man kann alles übertreiben. Wenn Menschen beginnen, sich zu fragen „ob sie sich das wieder antun wollen...“, um dann doch lieber ins Salzkammergut zu fahren, dann würde ich mir als Fluglinie schon so meine Gedanken machen... 

Autor: Robert Hartinger
Autor
Robert wurde 1976 in Wien geboren und war über 15 Jahre lang Texter und Creative Director in einigen der größten Werbeagenturen Österreichs. Nach einem Jahr Auszeit in Australien war er nach einer Sprecherausbildung Radiomoderator und Host einer Morning-Show. Seit 2010 ist er Werbesprecher.

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