Der Flug-Schreiber: Vier verliert

In der neuen Austrian-Aviation-Net-Kolumne "Der Flug-Schreiber" macht sich Flugzeugfreund Robert Hartinger "so seine Gedanken".

Boeing 747 von TWA: Die Airline ist bereits Geschichte, der Flugzeugtyp zum Leidwesen vieler Aviation-Fans wohl früher oder später ebenfalls (Foto: www.AirTeamImages.com).

Was ist eigentlich Ihr Lieblingsflieger? Der Autor dieser Zeilen war immer ein großer Fan der Lockheed TriStar, der L-1011. Diese Maschine war der letztlich gescheiterte Versuch einer traditionsreichen Firma, im zivilen Flugzeugmarkt erfolgreich zu sein. Und auch ihr letzter, nebstbei erwähnt. Die TriStar war ein wirklich toller Flieger und konnte Dinge die damals kein Flugzeug (so) konnte, hübsch war sie obendrein. Sie hatte selbstverständlich auch das eine oder andere Manko. Die Triebwerke wurden ihr (so wird gemunkelt) zum finalen Verhängnis. Die Airlines konnten sich nämlich einst aussuchen ob sie die L-1011 mit Rolls-Royce RB.211 Turbinen haben wollten, oder doch lieber mit Rolls-Royce RB.211 Turbinen. 

Das war jetzt nicht so ganz die tolle Auswahl und das war nicht gut. Gar nicht. Das, und so manch anderes, verhalf dann dem Konkurrenzmodel, in diesem Falle der DC-10, zum Erfolg. Die konnte man nämlich auch mit Triebwerken der Firma General Electric oder Pratt & Whitney haben. Mit Aussuchen!!! 

Die gute alte DC-10, tja. Ich traute mich ja nie mit ihr zu fliegen. Etwas „unglücklich“ positioniere Hydraulikleitungen und eine nicht besonders aufmunternde Unfallbilanz machte mich zum DC-10-Skeptiker. Kurz, ich hatte Angst vor dem Ding. Außerdem fand ich sie mit ihrem patschert montierten Triebwerk Nummer 2 ziemlich unschön. Egal. Ich schloss dann mit dem Nachfolger, der MD-11 meinen Frieden und flog oft und gerne mit dem Dreistrahler. Piloten übrigens auch, ein anspruchsvoller Flieger mit (für Piloten offenbar) „lustigen“ Anfluggeschwindigkeiten. Das macht mir ja schon wieder ein bissl...egal. Bei der Lufthansa gab es sogar nicht wenige Flugzeugführer, die sich nur der MD-11 zuliebe von der „Passage“ in die Cargo Fliegerei einschreiben ließen.

Ok, weg von den Dreistrahlern - hin zu den Vierstrahlern! Für die schaut es nämlich gar nicht mehr gut aus. Die Airbus A340 werden allerorten ausgemustert und/oder abgestellt, und die Produktionen des A380 und der Boeing 747 sind aktuell stark „gedrosselt“ bzw. „ausgesetzt.“

Der Airbus A340 ist ebenfalls bereits ein Auslaufmodell (Foto: Martin Metzenbauer).

Ich stelle hier nun eine - gar nicht so - gewagte These auf. Nach den neuen Air Force One (2 oder 3 Stück sollen ja in naher Zukunft gebaut werden) ist mit der Boeing 747 als Passagierflugzeug endgültig Schluss! Das war's dann. 

Es wäre ein würdiges Ende. 1969 war ja der Erstflug des „Jumbos“, das Jahr in dem der erste Mensch (angeblich ;-)) seinen dick besohlten Fuß auf den Mond setzte - so lange ist das nun schon her. Dank ihm erhöhte sich auch schlagartig die Zahl der verfügbaren Sitzplätze, und plötzlich konnte man sich „das Fliegen“ leisten. Nicht alle, aber doch schon wesentlich mehr. Schnee von Vorgestern. 

Auch der reichlich spät nachgeschobene Airbus Gegenentwurf, der nicht ganz so fesche A380, geht momentan nicht wie warmen Semmeln über die Budel. Eine Variante mit noch mehr Sitzen und riesigen Winglets solls richten. 

Emirates als sehr, sehr wichtiger Kunde will den Riesen mit neuen Triebwerke, die kommen aber nicht. „Wirtschaftlich nicht darstellbar“ tönt es aus Toulouse.

Droht dem A380 das L-1011 Schicksal? 

Zwei ist die Zukunft!
Über mangelndes Interesse sowie Bestellungen bei der kommenden Boeing 777X kann man sich in Seattle hingegen nicht beklagen. Auch die Zahlen des A350 erfreuen Airbus ungemein...alle Airlines setzen in Zukunft offenbar auf die dicken Twins! Effizienz über alles. Wirtschaftlichkeit als oberste Prämisse. No na ned! Trotzdem irgendwie schade. Werden wir jemals wieder mit Schönheiten wie einer 747-400 oder einem A340-600 (oder ganz keck: IL-96) fliegen oder war es das jetzt? Ist die Ära der vierstrahligen Verkehrsflugzeuge endgültig vorbei? Kommt da noch was? 

Vier gewinnt doch? Was meinen Sie?

Autor: Robert Hartinger
Autor
Robert wurde 1976 in Wien geboren und war über 15 Jahre lang Texter und Creative Director in einigen der größten Werbeagenturen Österreichs. Nach einem Jahr Auszeit in Australien war er nach einer Sprecherausbildung Radiomoderator und Host einer Morning-Show. Seit 2010 ist er Werbesprecher.

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