Der Flug-Schreiber: "Alles so schön bunt hier"

Frei nach Nina Hagen - ein Kommentar von Robert H. Hartinger

Foto: Lufthansa

Offenbar erhitzt die Gemüter des gemeinen Flugzeugfreundes nichts  mehr, als wenn das Objekt seiner Begierde einen neuen Anstrich verpasst bekommt. Die Wogen gehen zur Zeit auch ganz schön hoch. Lufthansa neu (endlich!), Austrian Airlines neu (schon wieder??) – alles neu macht der Mai.

Werfen wir zuerst einen Blick zu unseren Lieblings-Nachbarn: Die gute, alte Lufthansa verpasste sich soeben nach gefühlten 150 Jahren ein neues Farbenkleid. Farben...ja mei, doch dazu später mehr.  

Und es war wirklich allerhöchste Eisenbahn, der aktuelle Lufthansa-Look stammt aus den 1980ern  (Schulterpolster-Ära, 3 Wetter-Taft...) und war damit eindeutig angegraut und angezählt. Statt einer sanften, behutsamen Überarbeitung (Werbefuzzideutsch: Der Relaunch)  war man überraschend mutig und setzte ein Zeichen, und ein mächtiger Manager offenbar eine kräftige Duftmarke. 

Radikal anders präsentiert sich ab nun die neue Bemalung (Flugzeugfuzzideutsch: Die Livery).  

Das freundliche Gelb (Das Spiegelei) flog raus und ein elegantes, sehr dunkles, wie sich später herausstellen sollte, zu dunkles Dunkelblau zog ein- bzw. auf die Heckflosse. Die Schrift/Typo wurde indes behutsam modernisiert, der Unterschied zur Alten fällt kaum auf, der Kranich (Artenschutz!) hat überlebt. Foto anbei.

Das wirkt neu, frisch, seriös aber eben auch sehr kühl, distanziert und etwas charmebefreit. Böse Zungen könnten nun behaupten: Typisch deutsch eben.

Ich habe aber keine böse Zunge und zudem ist das alles natürlich sehr geschmäcklerisch und sehr subjektiv. Apropos subjektiv: Ich persönlich finde die neue LH Bemalung gar nicht mal so schlecht aber das Gelb hätte man behalten sollen bzw. müssen. Das ist Markenkern, das ist gelernt, das ist Lufthansa. Das bringt Emotion und Herzlichkeit und Wärme ins Design – all das geht jetzt etwas ab.

Ein ambitionierter Hobbydesigner hat die neue, seriöse Livery mit dem wärmenden Gelb von einst gekreuzt und für mich damit voll ins Schwarze getroffen!  

Apropos: Das dunkle Blau entpuppte sich auf einer 747/8 unter realen Bedingungen als zu dunkel, als fast schon Schwarz, und so musste die neue Farbe gleich nochmal neu angemischt werden – ein (superteurer) Supergau. Völlig unverständlich dass so etwas passieren konnte. Der Lufthansa! Ich wäre gerne in den Meetings mit der Marketingabteilung dabei gewesen – bestimmt äußerst amüsant.

Foto: Bundesheer/Fischer

Hierzulande natürlich alles etwas kleiner und harmloser. Auch die AUA verpasst sich einen neuen Auftritt. Halt, warte! Da war doch vor kurzem was. Vor nicht allzu langer Zeit sollten die blauen Bäuchlein verschwinden und die Flieger in Zukunft in reduziertem Rot-Weiß abheben. Das war sozusagen die Rückbesinnung auf alte Werte; Weil: so ähnlich sahen AUA Flugzeuge eigentlich immer aus. Dann aber dieses „my“! Ich mochte es nie, weil temporäre Werbekampagnen nichts auf Flugzeugrümpfen verloren haben und weil ich es einfach seltsam fand - eines Flagshipcarriers unwürdig. Eh Geschichte! Nachdem noch nicht alle Blaubäuchlinge auf die„neue“ jetzt schon wieder alte Livery umgespritzt werden konnten – kommt etwas Neues. Größere Schrift, klarer, schöner, moderner - stärkeres Branding.

Das „my“ ist weg, das „Servus“ am Bauch bleibt - gut so! Einzige Frage: warum nicht gleich? 

Zum Abschluss die Frage, wie wichtig eine hübsche Flugzeugbemalung eigentlich ist? Für die Marke, ihr Image immens wichtig - Stichwort: Wiedererkennung! 

Eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Flugzeugbemalungen und dem Buchungsverhalten flugwilliger Kunden erörtert, würde mich dennoch brennend interessieren. 

Ich wollte ja in meiner unsäglichen Hello-Kitty Phase unbedingt EVA Air fliegen. Der A330 mit Hello Kitty Livery verursachte bei mir Schnappatmung. Leider flog das Ding damals nur in Asien durch die Gegend. Soweit wollte ich dann doch nicht gehen...

Gerüchteweise waren die Flugbegleiterinnen auch als Kätzchen verkleidet, und zum Essen gab es Hello Kitty Sushi. Herrlich absurd. Ich habe mich wieder zu Starwars rückbesonnen, da müsste ich jetzt ANA fliegen...die R2-D2 Boeing 787 macht Gusto! 

Aber abseits der Sonderlackierungen spielt der Look der Flieger für Otto Normalflieger vermutlich nur eine eher untergeordnete Rolle - vermute ich. 

Na da steig ich sicher nicht ein, viel zu viel Magenta!!!“ oder „Grünes Flugzeug, sind sie wahnsinnig, ich buche um!“ hört man ja auch eher selten. Oder? 

Was meinen Sie? 

PS: Das beste Beispiel einer perfekten Bemalung ist für mich die der Qantas. Immer zum rechten Zeitpunkt harmonisch weitergedacht. Evolution statt Revolution. Qantas Flieger erkennt man immer – obwohl sich die Livery stets verändert hat - in kleinen Trippelschritten. So machen das fast alle erfolgreichen Firmen. Man lege einfach das VW Logo der 1960er neben das aktuelle...

Foto: Qantas

Autor: Robert Hartinger
Autor
Robert wurde 1976 in Wien geboren und war über 15 Jahre lang Texter und Creative Director in einigen der größten Werbeagenturen Österreichs. Nach einem Jahr Auszeit in Australien war er nach einer Sprecherausbildung Radiomoderator und Host einer Morning-Show. Seit 2010 ist er Werbesprecher.

    Special Visitors

    CSA Czech Airlines / OK-NFU
    Emirates / A6-EEU
    Blue Panorama Airlines / EI-FVA
    Montenegro Airlines (Air X Charter) / 9H-OME
    TRANSAVIA / PH-HSI
    COBREX TRANS / YR-CBK
    Austrian / OE-LPF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller