Darwin Airline ist ein Fall für den Staatsanwalt

136 Millionen Schweizer Franken an Passiva.

Foto: Jan Gruber.

In Sachen der Insolvenz der ehemaligen Etihad-Airways-Beteiligung Darwin Airline ermittelt nun auch die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft des Kantons Tessin. Diese leitete am 20. Dezember 2017 ein Ermittlungsverfahren ein, das vorerst gegen "Unbekannt" geführt wird. Dem Vernehmen nach soll geprüft werden, ob im Zuge des Konkurses der ehemaligen Regionalfluggesellschaft strafbare Handlungen vorliegen - es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Ablauf der Ereignisse ist durchaus spannend, denn Darwin Airline existiere über viele Jahre hinweg als kleiner Regio, der von größeren Mitbewerbern kaum wahrgenommen wurde. Dies änderte sich schlagartig mit der Bekanntgabe des Einstiegs von Etihad Airways. Der Carrier expandierte massiv, musste diesen Schritt jedoch bereits wenige Wochen wieder rückgängig machen, da man gegenüber dem Bazl nicht nachweisen konnte, dass der Flugplan ohne Gelder von Etihad Airways aufrechterhalten werden kann.

Als Etihad Regional hatte man ein Nischendasein. Nach dem Alitalia und die Air Berlin Group regelrecht wie ein Kartenhaus kollabierten, wurde Darwin Airline offenbar "notverkauft". Die alten Aktionäre, aber auch zahlreiche Spitzenmanager, darunter der langjährige Geschäftsführer Maurizio Merlo, der nun den Flughafen Lugano leitet, waren weg. Adria Airways beziehungsweise Investor 4K sollten Darwin Airline übernehmen und wieder expandieren lassen, doch bereits wenige Tage nach dem Einstieg kamen erste Gerüchte über eine angeblich desaströse finanzielle Lage auf. Diese wurden durch das Management noch dementiert und die geplante Einstellung zahlreicher Linien wurde mit der Neuausrichtung als ACMI-Anbieter begründet.

136 Millionen Franken an Passiva

In einer Betriebsversammlung - ein vollständiger Tonmitschnitt liegt Austrian Aviation Net vor - wurden die Mitarbeiter noch dahingehend informiert, dass Adria Airways und 4K Invest erhebliche Investitionen planen würden. Von einer großen Zukunft sprach Firmenchef Klaus Platzer, doch offenbar kamen die angekündigten Gelder niemals im Tessin an.

Böse Zungen behaupten, - es gilt die Unschuldsvermutung - dass es sich beim Verkauf von Darwin Airline um einen Notverkauf zur Firmenbestattung gehandelt habe, so dass einst handelnde Personen und Aktionäre wie Maurizio Merlo erhobenen Hauptes und ohne Verlust ihres Rufs das Unternehmen verlassen können. Unabhängig davon: Ein Tessiner Gericht erklärte Darwin Airline am 19. Dezember 2017 für bankrott, so dass sich das Unternehmen in Abwicklung bzw. in Verwertung im Sinne der Gläubiger befindet.

Der ehemalige Firmenchef Maurizio Merlo dürfte jedoch einiges an Erklärungsbedarf haben, denn laut kantonalem Insolvenzverwalter hat Darwin Airline Passiva in der Höhe von 136 Millionen Schweizer Franken. Diese Höhe dürfte auch dazu geführt haben, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat, denn auch wenn man das Aktienkapital (minus 30 Millionen Franken), die Partizipationsscheine (minus 10 Millionen Franken) und möglicherweise buchhalterisch unbereinigte Etihad-Darlehen (minus 50 Millionen Franken) abzieht, wären noch rund 46 Millionen Schweizer Franken an Schulden da. Die Staatsanwaltschaft dürfte daher besonders interessieren, ob Darwin Airline - es gilt die Unschuldsvermutung - bereits lange vor dem eigentlichen Insolvenzantrag zahlungsunfähig war, was natürlich die Behauptungen - es gilt die Unschuldsvermutung - betreffend einer Firmenbestattung nährt. Dazu kommt, dass Maurizio Merlo vor laufenden TV-Kameras erklärte, dass er ein gesundes und gut finanziertes Unternehmen hinterlassen habe. Allerdings ist unklar wie die hohen Schulden entstanden sind und - es gilt die Unschuldsvermutung - natürlich könnten diese auch erst nach dem Verkauf entstanden sein. Es gibt dazu natürlich enorm viele Möglichkeiten, doch dies aufzudecken ist Sache von Insolvenzverwalter und Staatsanwalt. 

Käufer für Saab-2000-Flotte wird gesucht

Darwin Airline nutzte allerdings nicht nur Leasingflugzeuge, sondern hatte einige Saab 2000 im Eigentum. Dies ist natürlich ein wertvolles Asset, das sich in der Vergangenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit äußerst positiv auf die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auswirkte. Eigentum bleibt Eigentum und Leasing ist eben Leasing.

Dennoch: Darwin Airline hat laut lokalen Medienberichten Schulden in einer Höhe, die Guthaben und Assets um umgerechnet zirka 85 Millionen Euro übersteigen. Dieser Umstand dürfte dazu beigetragen haben, dass der zuständige Richter das Unternehmen für insolvent erklärte. Die Höhe der Verbindlichkeiten in der Höhe von 136 Millionen Schweizer Franken, rund 115,4 Millionen Euro, gilt indes als bestätigt.

Der zuständige Verwalter versucht nun für die Flugzeuge mit den Kennungen HB-IZH, HB-IZJ, HB-IYI, HB-IZP, HB-IZZ und HB-IYD Käufer zu finden. Dem Vernehmen nach wurde diese Saab-2000-Flotte mit 25 Millionen Schweizer Franken bewertet. Ob die Maschinen tatsächlich diesen Wert haben bzw. auf dem Markt zu diesem Preis verwertet werden können, wird die Zukunft zeigen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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