Darum wird die Übernahme von Condor für Lufthansa schwierig

Kann die Nummer 1 in Frankfurt am Main die Nummer 2 schlucken?

Airbus A320 (Foto: Michael Penner).

Würde Lufthansa die Konkurrentin Condor schlucken, bedeutet dies für den deutschen Luftverkehrsmarkt weniger Wettbewerb. Zwar ist der Anteil am Gesamtmarkt der Thomas-Cook-Tochter mit vier Prozent eher gering, doch bietet die Airline aktuell ab Deutschland fast doppelt so viele wöchentliche Flüge wie beispielsweise Lauda an. Gerade am größten deutschen Flughafen in Frankfurt würde dies heißen, dass die unangefochtene Nummer eins (Lufthansa mit 60,6 Prozent Marktanteil) die dortige Nummer zwei (Condor mit 5,1 Prozent) übernehmen würde. 

Dies hätte erheblichen Einfluss auf beispielsweise das Langstreckengeschäft am Main. Denn in diesem Sommer ist Condor die einzige Airline, die neben Lufthansa Verbindungen zu Zielen auf allen fünf Kontinenten anbietet. Damit wird noch einmal deutlich, dass Condor mit ihrem interkontinentalen Ansatz hauptsächlich das touristische Geschäft im Fokus hat. 

Und genau das will der Kranich an seinem Heimatflughafen am Main ausbauen. In der Vergangenheit wurden die bei Urlaubern beliebten Reisen vor allem an die Billigtochter Eurowings gebündelt. Aus dem Konzernumfeld ist zu hören, dass dies unter dem Projektnamen “Ocean” weiter forciert wird. 

Eurowings soll nach Frankfurt kommen 

Die Langstrecke von Eurowings soll im Winter auch nach Frankfurt kommen soll. Bislang konzentriert sich das interkontinentale Angebot des Low-Costers auf Düsseldorf und München. Vom Main aus bietet Eurowings aktuell nicht einmal Flüge der Kurz- oder Mittelstrecke an.

Das liegt offenbar vor allem am Airport. Denn bislang weigert sich dieser beharrlich, jene Rabatte für neue Routen, die Ryanair eingeräumt bekam, auch Eurowings zu zu gestehen. Immerhin ist die Airline im Hause der Hauptkundin beheimatet. Wie tief die Gräben sind, die der Streit geschaffen hat, zeigt sich, wenn der Kranich fast schon regelmäßig ankündigt, modernere Flugzeuge zu seinem zweiten Heimat-Hub nach München abzuziehen. 

Darum will Thomas Cook seine Airlines verkaufen 

Thomas Cook hatte Anfang Februar überraschend angekündigt, seine Airline-Sparte aus dem Konzern heraustrennen zu wollen. Denn der Reiseveranstalter braucht Geld, um die Digitalisierung seines Hauptgeschäfts anzutreiben. In erster Linie wolle man die Airlines im Komplettpaket verkaufen, allerdings sei man auch bereit, andere Optionen zu diskutieren, heißt es. 

Will sagen: Condor kann auch einzeln verkauft werden. Dafür spricht, dass sich mit Easyjet, IAG und Ryanair Medienberichten zufolge lediglich Interessenten gefunden haben, die die Marken umgehend zerschlagen und in ihre eigenen Flugbetriebe integrieren wollen. Condor will dies auf Nachfrage nicht kommentieren. 

Ganz anders Lufthansa: Man wolle Condor im Ganzen übernehmen und die Marke erst einmal fortführen, heißt es vom Konzern. Eine Lehre aus der Vergangenheit. Denn die Übernahme von Teilen der Air Berlin belastete im vergangenen Jahr nicht nur das Finanzergebnis mit Sondereffekten, sondern sorgte auch für Probleme in der Operations. Weitere Zukäufe mit anschließendem Integrationsaufwand will das Management um CEO Thorsten Dirks erst einmal vermeiden.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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