China Airlines: Walter T. Negri im Gespräch

Ab 10. Jänner 2017 kommt der Airbus A350 auf der Wien-Taipei-Strecke zum Einsatz. Dabei ändert sich nicht nur für die Passagiere, sondern auch für die Airline so einiges, wie China Airlines Sales Manager Austrian and CEE, Walter T. Negri im Interview mit Austrian Aviation Net erklärt.

Walter T. Negri, China Airlines (Foto: Martin Dichler).

Die größte taiwanesische Fluglinie China Airlines ist bereits seit vielen Jahren ein treuer Kunde am Flughafen Wien. Derzeit pendelt der Carrier dreimal pro Woche zwischen Wien und Taipei - ab Jänner 2017 sogar mit dem neuen Flaggschiff, dem Airbus A350. Aus diesen Anlass heraus führte Austrian Aviation Net ein Gespräch mit Walter T. Negri, seines Zeichens Sales Manager Austria and CEE Countries.

Austrian Aviation Net: Im neuen Jahr kommt mit dem Airbus A350 das neue Flaggschiff von China Airlines nach Wien. Was ändert sich dabei für die Passagiere?

Walter T. Negri: Wir fliegen ab dem 10. Jänner 2017 mit dem Airbus A350 – für die Fluggäste wird sich dabei sehr viel ändern. So wird die komplette Kabine anders aussehen als bisher – wir teilen sie dann in Premium Business, Premium Economy und Economy Class auf.

Bei der Premium Business Class bieten wir nun endlich auch Lie-Flat-Sitze an, die deutlich mehr Komfort bieten als das aktuelle Produkt. Dahinter wird es die Premium Economy Class geben, die für China Airlines etwas ganz Neues ist. Da haben wir einen Sitzabstand von 99 Zentimetern und 43 Zentimeter Sitzbreite. Das ist eine Zwischenklasse, bei der die Leute das bekommen, was sie oft wollen: Sie möchten bequem sitzen, vom Service und vom Essen her ist ihnen aber das Economy-Produkt ausreichend. Ab Wien gibt es bei uns in allen Klassen Menüs von Do & Co.

Neben den Leuten die sich von der Economy hinauf in die Premium Economy setzen, wird es aber auch Firmenkunden geben, die aufgrund ihrer jeweiligen Company Policy einfach nicht mehr in der Business Class fliegen dürfen. Wenn das Wort „Business Class“ wegfällt, dürften auch einige Passagiere aus diesem Segment in die Premium Economy umsteigen.

In der Economy Class gibt es ebenfalls eine Besonderheit: Hier bieten wir die Family Couch an – dabei werden die Fußstützen von drei Sitzen hochgeklappt, sodass hier zwei bis maximal drei Leute liegen können. Wir haben dieses Angebot bereits bei der Boeing 777 – und es kommt sehr gut an.

Ab 10. Jänner 2017 in Wien zu sehen: Airbus A350 von China Airlines (Foto: Martin Metzenbauer).

Austrian Aviation Net: Wieviel kostet das?

Walter T. Negri: Das Set kostet für zwei Leute 300 Euro, für eine Person 600 Euro und für drei Passagiere 120 Euro Aufzahlung oneway.

Austrian Aviation Net: Welche Veränderungen bringt der A350 aus Sicht der Fluglinie?

Walter T. Negri: Für uns ist einiges neu –beispielsweise im Verkauf. Wir müssen uns auf echte Qualität umstellen, die in unseren alten Flugzeugen noch nicht so ausgeprägt war, wie sie jetzt am A350 zu finden ist. Damit ist der Verkauf mehr auf diesen Aspekt ausgerechnet. Neu ist auch, dass wir unsere Preise neu gestalten.

Austrian Aviation Net: Sie werden also teurer?

Walter T. Negri: Nein, wir werden insgesamt günstiger werden, da wir die Fuel Tax ab 1. Jänner 2017 nicht mehr verrechnen.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit der Kapazität im Vergleich zum derzeit eingesetzten Airbus A340-300 aus?

Walter T. Negri: Wir haben künftig 40 Plätze mehr.

Austrian Aviation Net: Wird es auch WLAN an Bord geben?

Walter T. Negri: Ja, die Passagiere können sich WLAN für eine, drei oder 24 Stunden kaufen – zu Preisen, die durchaus moderat sind.

Eine neue Komfort-Dimension bietet die Business Class (Foto: Martin Metzenbauer).

Austrian Aviation Net: Wie wichtig ist eigentlich der Markt Österreich für China Airlines?

Walter T. Negri: Prinzipiell ist der österreichische Markt schon wichtig. Zum einen ist Österreich eine touristisch interessante Destination – wir bemerken das am großen Interesse der Taiwanesen. Zweitens ist Österreich auch die Drehscheibe nach Osten – wir sehen immer noch, dass wir hier in Wien gebraucht werden, um die taiwanesischen Gruppen zu verteilen, beispielsweise nach Ungarn, Tschechien, Slowenien oder Kroatien. Auch dafür ist dieser Kurs ausgezeichnet geeignet.

Austrian Aviation Net: Wie sieht der Passagiermix aus?

Walter T. Negri: Rund 75 Prozent ist Incoming, etwa 25 Prozent kommen von uns. Wir haben einen relativ kleinen Anteil an Business-Class-Passagieren, da wir nur dreimal pro Woche fliegen. Wir hoffen aber, dass wir nächstes Jahr eine vierte Rotation dazubekommen. Der große Teil ist derzeit daher ganz klar Leisure, der kleinere Anteil kommt aus dem Geschäftsreisesegment – der hauptsächlich von kleineren Firmen bedient wird, die offenbar flexibler sind als große Unternehmen. Ein dritter Bereich ist der ethnische Verkehr nach Taiwan oder weiter nach Vietnam oder auf die Philippinen.  

Austrian Aviation Net: Wie viele Taiwanesen leben in Österreich?

Walter T. Negri: Das sind rund 2.500.

Austrian Aviation Net: Welche Umsteigeziele sind denn vor allem für Österreicher interessant, die mit China Airlines via Taipei fliegen?

Walter T. Negri: Das sind in erster Linie Hongkong, Bali, Vietnam, Australien und Neuseeland. Wer mit uns nach Australien fliegt, bekommt Neuseeland dazugeschenkt!

Austrian Aviation Net: Wie das?

Walter T. Negri: Wenn jemand beispielsweise nach Sydney fliegt, gibt es Auckland oder Christchurch kostenlos dazu. Das ist in der Tarifkonstruktion so kalkuliert.

Austrian Aviation Net: Wie viele Passagiere fliegen mit Ihnen jährlich zwischen Österreich und Taiwan?

Walter T. Negri: Auf der Strecke sind pro Jahr rund 75.000 Fluggäste unterwegs. Unsere Auslastung liegt bei rund 80 Prozent.

Die komfortable Premium Economy Class (Foto: Martin Metzenbauer).

Austrian Aviation Net: Worauf legen Sie in Wien im Umgang mit Ihren Kunden besonderen Wert?

Walter T. Negri: Wir sind bei China Airlines in Wien noch immer Menschen. Immer mehr und mehr Fluglinien gehen zu diesen Call Centers über – Sie sprechen dann mit jemandem in Krakau oder Kapstadt. Ich bin überzeugt, dass diese menschliche Verbindung zwischen dem Reisebüro und uns wichtig ist. Der Agent kennt uns – und umgekehrt. Damit kann man ganz anders Fragen behandeln – das scheint mir für uns sehr wichtig.

Austrian Aviation Net: Apropos Reise: Wir haben dazu erst vor kurzem einen Beitrag auf unserem Partnerportal ReiseInsider über Taiwan als Urlaubsdestination gebracht. Wie sieht es Ihrer Meinung nach damit aus?

Walter T. Negri: Taiwan als Urlaubsziel ist natürlich erst am Anfang. Viele Leute können mit Taiwan noch nicht wirklich viel anfangen. Wir sehen aber gerade heuer, wo recht viel über Taiwan berichtet wurde, dass doch schön langsam eine gewisse Nachfrage entsteht. Taiwan ist jedenfalls einen Besuch wert! Sehr angenehm ist auch, dass man als Österreicher kein Visum für Taiwan braucht – man benötigt allerdings einen noch mindestens sechs Monate gültigen Pass. Als Reisezeit bieten sich vom Klima her vor allem die Monate September und Oktober sowie April bis Juni an.

Austrian Aviation Net: Hier in Wien haben Sie mit EVA Air einen Mitbewerber auf der Strecke. Wie grenzen Sie sich hier ab?

Walter T. Negri: Durch die vor kurzem eingeführte Boeing 777 ist das Produkt bei EVA Air wirklich sehr gut geworden. Einer der Unterschiede zu uns ist, dass sich EVA Air, die ja die Strecke Taipei-Wien via Bangkok fliegt, zum weitaus größten Teil um Thailand kümmert. Das was an Sitzen noch übrig ist, wird halt für den Wien-Taipei-Verkehr angeboten. Viele Taiwanesen wissen, dass es vielfach angenehmer und schneller ist, die Strecke nonstop zu fliegen. Wir sind um rund drei Stunden schneller als EVA Air.

Auch die Economy Class ist im Airbus A350 von China Airlines recht komfortabel und beispielsweise mit verhältnismäßig großen Monitoren ausgestattet  (Foto: Martin Metzenbauer).

Austrian Aviation Net: Wie sieht es eigentlich am Flughafen Taipei für die Umsteiger aus?

Walter T. Negri: Unser China Airlines Terminal 1 wurde vor kurzem renoviert und umgebaut – und sieht jetzt „up to the standards“ aus. Es ist ein Terminal, wo man sich leicht zurechtfindet und auch der Transfer sehr schnell geht – analog zu Wien ein Flughafen der kurzen Wege.

Austrian Aviation Net: Bei China Airlines tut sich ja gerade hinsichtlich der Flotte einiges. Wie sieht es hier genau aus?

Walter T. Negri: Nachdem wir die Boeing 777 erhalten haben um die 747 zu ersetzen, bekommen wir insgesamt 14 Airbus A350, die letztlich alle verbleibenden fünf A340 und zum Teil die A330 ersetzen werden. Damit wird die Flotte jung gemacht.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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