Check-In-Gebühr: Lauda erneut vor Gericht abgeblitzt

Die Ryanair-Tochter Lauda verrechnet bei ihrem Standard-Tarif 55 Euro für den Flughafen-Check-in. Dagegen ging der Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums gerichtlich vor. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien erklärte diese Gebühr nun für unzulässig. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig - Lauda erhebt Einspruch.

Foto: Jan Gruber

Bei einigen Lauda-Tarifen, beispielsweise dem Standard-Tarif, ist ein kostenloser Check-In am Flughafen nicht im Preis enthalten. Zwar ist der Online-Check-In zwischen zwei Tagen und zwei Stunden vor jedem Flug kostenlos möglich, für den Flughafen-Check-In jedoch sieht eine Gebührentabelle in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vor, dass die Kunden ein Entgelt in Höhe von 55 Euro zu entrichten haben.

"Während des gesamten Buchungsvorganges wird die Höhe des Tarifs für den Flughafen-Check-In aber nicht automatisch angezeigt. Kunden müssen vielmehr durch aktives Anklicken der Tarifinformation die Höhe der Gebühr selbständig erfragen", bemängelt der Verein für Konsumenteninformation die Geschäftsgebarung von Lauda. Versäumen Kunden das Zeitfenster für den Online-Check-In oder mangelt es ihnen an den technischen Voraussetzungen, dieses Zeitfenster zu nutzen, sind sie gezwungen, den Flughafen‑Check‑In in Anspruch zu nehmen, wenn sie ihren Flug antreten wollen.

Das OLG Wien beurteilte diese Kosten als ungewöhnlich und für den Kunden überraschend. Kunden müssten mit einer solch hohen Gebühr nicht rechnen, auch deshalb, weil zahlreiche Fluglinien dafür auch bei günstigen oder bei Angebotstarifen nichts zusätzlich verrechnen. Selbst wenn ein Kunde im Rahmen des Buchungsvorganges auf die Pflicht, für einen Check-In am Flughafen zahlen zu müssen, aufmerksam wird, komme eine Gebühr von 55 Euro überraschend. Dies gelte auch bei Billigfluglinien, die häufig für besondere Leistungen gesondertes Entgelt verlangen. Bereits Anfang des Jahres hat das Landesgericht Kornbeuburg ähnlich entschieden.

Anders sieht diese Entscheidung des OLG naturgemäß die Airline: Lauda CEO Andreas Gruber erklärte gegenüber AviationNetOnline: "Wir haben unsere Anwälte angewiesen, umgehend gegen diese Entscheidung Revision beim Obersten Gerichtshof einzulegen. Alle Lauda-Kunden werden mehrmals per E-Mail, SMS und während der Buchung darauf hingewiesen, vorab online einzuchecken."

Andreas Gruber erhebt Einspruch gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts (Foto: Jan Gruber).

Lauda-Kunden würden bei der Flugbuchung ausdrücklich auf eine Gebühr des Flughafen Check-ins hingewiesen. Wer bei der Buchung kostenpflichtig einen Sitzplatz mitreserviere, könne den Online-Check-in bereits 60 Tage vor dem Hin- und Rückflug erledigen, heißt es in einem Statement der Airline. Ohne Sitzplatzreservierung sei der Check-in 48 Stunden vor jedem Abflug möglich. Es sei auch leicht während des Buchungsprozesses erkennbar, dass der Flughafen Check-in bei gewissen Tarifen nicht inkludiert sei, erklärte eine Lauda-Sprecherin gegenüber AviationNetOnline.

Vom OLG Wien wurde ein weiterer Passus der AGB als gesetzwidrig eingestuft, nach der irische Gerichte bei Streitigkeiten zwischen der Laudamotion GmbH und Kunden zuständig seien. Die zugrundeliegende Klausel enthielt nach Ansicht des Gerichts mehrere unbestimmte Begriffe, die für den Durchschnittsverbraucher nicht klar verständlich sind. Ebenso wurde eine Klausel als unzulässig beurteilt, nach der irisches Recht für die Verträge zwischen Laudamotion und ihren Kunden hätte gelten sollen, falls einschlägige Gesetze nichts anderes vorschreiben.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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