Bundesländer: AUA-Betriebsrat klagt Sozialplan ein

Bord-Betriebsratsvorsitzender wirft vor, dass die Lufthansa-Tochter ihre 209 betroffenen Beschäftigten im Regen stehen lassen würde.

Dash 8-Q400 (Foto: Martin Metzenbauer).

AUA-Bordbetriebsratsvorsitzender Rainer Stratberger übt heftige Kritik an der Vorgehensweise der Austrian Airlines im Zusammenhang mit den Schließungen der Crew-Bases in Linz, Salzburg, Innsbruck, Altenrhein, Klagenfurt und Graz. 209 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden auf eine Zukunftsperspektive und „annehmbare Lösungen“ warten.

„Seit Wochen führt die AUA diesbezüglich Scheinverhandlungen mit uns. Das Unternehmen hat auf Zeit gespielt und uns wichtige Daten für ein Vorwärtskommen bei den Verhandlungen nicht zur Verfügung gestellt. Nun bleibt uns nur mehr der Weg einer gerichtlichen Schlichtung“, erklärt Rainer Stratberger in einer Aussendung. 

Laut dem Betriebsratsvorsitzenden wäre geplant gewesen, dass der Job auch weiterhin ohne Umzug ausgeübt werden kann oder aber ein Sozialpaket für jene, die das Unternehmen verlassen wollen, angeboten wird. Das soll jedoch nicht in die Tat umgesetzt worden sein, wie Stratberger weiters erläutert: „Wir haben viele Stunden damit verbracht, diese Rahmenbedingungen zu erarbeiten und versucht, diese mit dem Unternehmen auszuverhandeln. Rückblickend müssen wir aber feststellen, dass das Unternehmen wohl nie ein Interesse an einem ernsthaften Ergebnis hatte.“ 

Angebote der Geschäftsführung wären „unmoralisch“

Jene Angebote, die seitens der Austrian-Airlines-Führung den betroffenen Mitarbeitern gemacht wurden, bezeichnet der Arbeitnehmervertreter als „unmoralisch“. Der Darstellung des Betriebsratsvorsitzenden nach soll es so ablaufen: „Die MitarbeiterInnen müssten auf ihren aktuellen Dienstort verzichten, wenn sie sich für einen Job in Wien bewerben. In einem persönlichen Schreiben des Managements an die Beschäftigten wurde nun ein zeitlich eng befristetes Angebot nachgelegt, das den Druck und die Verunsicherung bei den Beschäftigten zusätzlich erhöht.“

Weiters soll die AUA-Führung laut Medienerklärung des Betriebsrats zunehmend zeitlichen Druck auf das Personal ausüben. Als Beispiel führt man an, dass eine Flugbegleiterin, die im Süden der Steiermark wohnt, 5.000 Euro erhalten soll, wenn sie auf ihre Rechte verzichtet und den Dienstort nach Wien verlegen lässt. „Das Unternehmen versucht, Beschäftigte aus ihrem Sozial- und Familienumfeld herauszureißen. Das Angebot ist eigentlich nur annehmbar, wenn man seinen Wohnort in die Nähe des Flughafens verlegt. Vor und nach einem Flugdienst, der bis zu 14 Stunden dauern kann, ist es einfach nicht zumutbar, dass diese Flugbegleiterin noch einen An- und Abreiseweg von über zwei Stunden auf sich nimmt“, so Vida-Fachbereichsvorsitzender Daniel Liebhart. Die AUA würde verlangen, dass bis zum 10. Mai 2019 eine Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Angebots bekanntgegeben wird.

Sozialplan soll eingeklagt werden

„Die MitarbeiterInnen in so einer kurzen Zeit vor eine derartige Entscheidung zu stellen, ist höchst unmoralisch. Schlussendlich müsste man ja zum Beispiel als Mutter oder Vater auch mit in Betracht ziehen, ob ein Schulortwechsel für schulpflichtige Kinder überhaupt zumutbar ist. Solche Entscheidungen bricht man nicht übers Knie und ein Unternehmen sollte seine MitarbeiterInnen dazu auch nicht drängen, indem man sie sonst im Ungewissen über ihre Existenzgrundlage lässt. Austrian betont ein familienfreundliches Unternehmen zu sein, handelt aber nicht danach“, betont Liebhart.

 „Statt sich um einen fairen Sozialplan zu kümmern, schafft das Unternehmen hier Fakten und zwingt die Beschäftigten auf ihre Rechte zu verzichten. Der Betriebsrat wird daher in den betroffenen Bundesländern eine Schlichtung des Sozialplans vor Gericht beantragen“, unterstreicht Rainer Stratberger. Unterstützung dafür kommt von der Gewerkschaft Vida: „Der Abbau von über 200 regionalen hochqualifizierten Arbeitsplätzen war ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Bordbeschäftigten. Es geht hier um Existenzen und Familien. Die KollegInnen haben sich bestmögliche Lösungen verdient und das rasch. Es ist traurig, dass nun der Weg über eine gerichtliche Schlichtung gegangen werden muss“, so Liebhart.

Autor: René Steuer
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René ist seit Oktober 2018 für Aviation Net tätig und bringt frischen Elan in die Redaktion.

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