Brüssel prüft Lufthansa-Ticketpreise

Kommissarin Vestager hat Bedenken.

Boeing 747-8 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Dem Lufthansa-Konzern könnten die nach dem Grounding der Air Berlin zum Teil exorbitant gestiegenen Ticketpreise nun wie ein Boomerang auf den Kopf fallen, denn die EU-Kommission wurde diesbezüglich bereits hellhörig und will genau prüfen, ob die Kranich-Gruppe ihre Marktmacht zu Lasten von Konsumenten ausnützt oder nicht. 

Im Gegensatz zur deutschen Bundesregierung, die vom ersten Tag der Air-Berlin-Insolvenz an eindeutig und unmissverständlich für Lufthansa Partei ergreift, sieht die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager die Situation komplett anders. So sagte sie im Interview mit der deutschen Bildzeitung: "Wir haben von Beginn an die Gefahr gesehen, dass die Preise steigen könnten, deshalb schauen wir da genau hin."

Lufthansa schiebt den "schwarzen Peter" für die hohen Flugticketpreise allerdings indirekt der EU-Kommission in die Schuhe, denn aufgrund der hohen Nachfrage wären die Flugscheine schlichtweg schneller ausverkauft. Man habe an den 17 Buchungsklassen nichts verändert und das System würde automatisiert arbeiten. Weiters würde man ja - sobald Brüssel grünes Licht für die Übernahmen von LGW, Niki und Maschinen der Air Berlin gibt - rund 1.000 zusätzliche Flüge pro Woche anbieten. Dies würde sich preismindernd auswirken. Und genau an diesem "Versprechen" scheint die EU-Kommission massive Zweifel zu haben.

Die hohen Flugticketpreise seit dem Air-Berlin-Grounding könnten dazu führen, dass es vor Weihnachten eben kein grünes Licht gibt, denn unbestätigten Gerüchten nach sollen die Zugeständnisse bezüglich Niki, die seitens Lufthansa angeboten wurden, nicht ausreichend sein. Hintergrund ist, dass der Kranich-Konzern über andere Konzernairlines erst recht wieder zu zahlreichen Niki-Slots kommen könnte.

Ryanair fordert Slots

Mitbewerber Ryanair wurde - ebenso wie viele andere europäische Fluggesellschaften - zu einer Stellungnahme an die EU-Kommission aufgefordert. Die Iren fordern dabei, dass ihnen entsprechende Slots aus Air-Berlin-Beständen zugeteilt werden. Gegenüber Reuters sagte Vorstandsmitglied David O'Brien, dass die Wettbewerbsbehörden sicherstellen müssen, dass Ryanair entsprechende Start- und Landerechte angeboten werden.

Konkret geht es um Slots in Frankfurt am Main, München, Berlin-Tegel und Düsseldorf. Entsprechende Anträge habe Ryanair eigenen Angaben nach bereits beim Coordinator eingereicht. Aufgrund der Entwicklungen in den letzten Wochen und insbesondere einschlägiger Äußerungen von führenden deutschen Politikern ist anzunehmen, dass das "offizielle Deutschland" einen Preiskampf zwischen Lufthansa und Ryanair weitgehend vermeiden möchte. Doch genau diese Einstellung könnte den Iren vorteilhaft in die Karten spielen.

Niki-Übernahme hängt weiterhin in der Luft

Insbesondere die geplante Niki-Übernahme durch Lufthansa könnte seitens der EU-Kommission gekippt werden. Bei den Österreichern ist schon jetzt das Chaos ausgebrochen, denn Niki streicht seit Sonntag fortlaufend eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Flügen. Die Ursachen können verschieden sein, jedoch aufgrund der hohen Menge, kann man durchaus spekulieren, dass bei den betroffenen Flügen die Auslastung nicht ausreichend ist und aus finanziellen Gründen die betroffenen Rotationen nicht durchgeführt werden könnten.

Doch eigentlich braucht Lufthansa den Niki-Flugbetrieb gar nicht, denn laut unbestätigten Meldungen soll sich der Kranich die Flotte ohnehin bereits unter die Flügel genommen haben, was - sofern die Information stimmt - dazu führen könnte, dass im Falle eines Niki-Groundings die Jets rasch mit Personal von Eurowings Europe oder anderen Lufthansa-Konzernairlines weiterbetrieben werden könnten. Unter der Annahme, dass dies als "organisches Wachstum" gilt, erscheint auch die Äußerung des Carsten Spohr, dass man die Niki-Übernahme nicht überbewerten solle, in einem anderen Licht.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Jet2.Holidays / G-JZHM
    Laudamotion / OE-LOB
    Private Wings Aviation / D-CITO
    Hainan AL / B2739
    VIETNAM AL. / VN-A868
    AlbaStar / EC-NAB
    Armée de l'Air / F-RADA

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller