Brigitte Zypries: "Wir wollten Air Berlin nie retten"

Ehemalige deutsche Wirtschaftsministerin sprach Klartext gegenüber einem Bürger.

Airbus A321 (Foto: Air Berlin PLC & Co Luftverkehrs-KG).

Die ehemalige deutsche Wirtschaftsministerin, Brigitte Zypries (SPD), äußerte sich im Rahmen einer Bürgerkommunikation bezüglich Air Berlin unmissverständlich über die wahren Absichten des mit Bürgschaft der Bundesrepublik Deutschland durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau gewährten 150-Millionen-Euro-Kredits.

Unmittelbar nach der Insolvenz der Air Berlin wurde seitens führender Politiker suggeriert, dass mit diesem Notdarlehen die Fortführung des Flugbetriebs und die vollständige Übernahme des Unternehmens durch einen Investor, sichergestellt werde. Hierbei wurde von Anfang an kein Hehl daraus gemacht, dass Lufthansa der absolute Topfavorit des Kabinetts Merkel III ist. So man die ursprünglichen Äußerungen und Medienmitteilungen betrachtet, so war anzunehmen, dass es um eine Übernahme und damit Fortführung des Unternehmens gehen wird. Durch einen möglichen Betriebsübergang, beispielsweise auf Eurowings, Easyjet oder einen anderen Käufer, wären die Arbeitsplätze erhalten geblieben und auch das bestehende Lohnniveau und sämtliche Betriebsvereinbarungen wären gesichert geblieben.

Eingetreten ist allerdings ein gänzlich anderer Fall, denn Air Berlin als Unternehmen wurde nicht verkauft, sondern die Lufthansa Group sicherte sich lediglich einen erheblichen Teil der Flotten von Air Berlin und Niki, sowie erwarb die Tochter Luftfahrtgesellschaft Walter. Weitere Assets wie die Air Berlin Aviation GmbH (vormals Air Berlin Aeronautics GmbH) gingen an Thomas Cook bzw. der Technikbetrieb an Nayak/Zeitfracht. Die Fracht-Broker-Tochter Leisure Cargo ging ebenfalls an Zeitfracht. Ein kleinerer Teil der Air-Berlin-Flotte ging übrigens ans Easyjet.

Die wahre Absicht der deutschen Bundesregierung war - im Gegensatz zu den öffentlichen Äußerungen - definitiv nicht die Fortführung bzw. der vollständige Verkauf der Air Berlin Group als komplettes Unternehmen. Dazu schrieb die Wirtschaftsministerin im Kabinett Merkel III einem empörten Bürger auf eine Anfrage:

"Wir haben nicht investiert damit AirBerlin überlebt, sondern damit Air Berlin sachgerecht abgewickelt werden kann. Damit haben wir sowohl Air Berlinern als auch den Flug Passagieren (sic!) geholfen. Ihren Ton sollten Sie mäßigen!"


(Screenshot: ZVG).

Die Politikerin schrieb diese Erklärung bereits am 22. Dezember 2017. Pikanterweise scheiterte nur wenige Tage zuvor der erste Anlauf im langwierigen und von juristischen Formalfehlern, wie der Anmeldung der Insolvenz bei einem unzuständigen Gericht, geplagten Niki-Verkauf.

Der 150-Millionen-Euro-Kredit wird nach aktuellem Informationsstand nicht vollständig an die Kreditanstalt für Wiederaufbau rückgeführt werden können. Endgültige Klarheit wird darüber jedoch erst mit der Beendigung des Konkursverfahrens herrschen. Dies könnte noch über 10 Jahre dauern, wie ein Sprecher des Air-Berlin-Insolvenzverwalters vor ein paar Tagen gegenüber Austrian Aviation Net erklärte.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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