Brexit könnte UK-Carrier ausschließen

Mögliche Retourkutsche der britischen Regierung könnte folgen.

Easyjet gründete eine Tochter in Wien, um sich vor möglichen Brexit-Folgen absichern zu können (Foto: Andy Graf).

Der umgangssprachlich als "Brexit" bezeichnete geplante Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU wird nach aktuellem Informationsstand fatale Folgen für UK-Carrier haben, denn diese sollen sämtliche Verkehrsrechte innerhalb des EU-Gebiets - ohne das Vereinigte Königreich - verlieren. Dies berichtet die Financial Times unter Berufung auf entsprechende Dokumente der EU-Kommission.

Momentan soll dies lediglich UK-Carrier treffen, wobei noch völlig offen ist, in welcher Form auch Mehrheitsbeteiligungen britischer Gesellschaften betroffen sein könnten. Für letztere könnten durchaus auch Stiftungslösungen gefunden werden, so dass die Mehrheit - zumindest auf dem Papier - in den Händen von EU-Mehrheitseigentümern liegt.

Die Folgen für britische Fluggesellschaften sind zwar auf den ersten Blick fatal, jedoch bei genauerer Betrachtung sind jedoch nur sehr wenige Airlines tatsächlich betroffen, da diese schon längst über EU-Töchter verfügen oder aber am Beispiel EasyJet genau aus diesem Grund eine entsprechende EU-Tochter aufbauen. Die zuletzt genannte Airline verfügt über eine Tochtergesellschaft mit Sitz in der Wagramer Straße in Wien, die nach und nach die EU-Operations gänzlich übernehmen wird.

Besonders betroffen sein dürfte die Regionalfluggesellschaft BMI Regional, jedoch nicht deren Flüge zwischen UK und anderen EU-Ländern oder aber innerhalb des Vereinigten Königreichs. Wackeln könnte jedoch das Flugangebot auf dem EU-Festland, beispielsweise zwischen München und Brno. Insbesondere die innerdeutschen Flüge könnten auf der Kippe stehen.

Fraglich ist, ob es britischen Verhandlern gelingt eine Art "Bestandsschutz" für jene Airlines bzw. Routen, die bereits heute bedient werden, zu erreichen oder aber, ob die betroffenen Carrier eventuell Sondergenehmigungen erteilt bekommen könnten. Jedenfalls zeigt das Beispiel Easyjet den Ernst der Lage, denn die Flotte der Muttergesellschaft wird auf die für den Flugbetrieb ab UK benötigte Größe schrumpfen, während die Töchter in der Schweiz, aber insbesondere in Österreich stark wachsen werden.

Dennoch ist die Meldung insofern mit Vorsicht zu genießen, da die Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und der britischen Regierung noch lange nicht abgeschlossen sind. Das heißt, dass es zu Änderungen in alle Richtungen kommen kann. Auch ist vorstellbar, dass das Vereinigte Königreich quasi als Retourkutsche EU-Carrier ausschließen könnte. Dies würde insbesondere die irische Ryanair hart treffen, da diese im Extremfall nur noch zwischen Irland und UK, nicht jedoch beispielsweise zwischen Deutschland un UK fliegen dürfte.

Dass die Sorge zumindest nicht ganz unberechtigt ist, zeigt Wizzair deutlich, denn die Ungarn riefen erst kürzlich eine Tochtergesellschaft mit Zertifikaten des Vereinigten Königreichs ins Leben. Auch Norwegian Air Shuttle verhält sich ähnlich.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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