Bratislava: Kleiner Nachbar mit starken Zuwächsen

Der nur knapp 60 Kilometer vom Flughafen Wien entfernte Bratislava M. R. Stefanik Airport durfte sich zuletzt über besonders hohe Passagierzuwächse freuen. Ryanair, Wizzair & Co. sorgen für einen neuen Höhenflug des slowakischen Hauptstadt-Flughafens.

Das Terminal des Flughafens Bratislava ist für bis zu fünf Millionen Passagiere ausgelegt (Foto: Martin Dichler).

Der Flughafen Bratislava hat eigentlich alles was man für einen erfolgreichen Betrieb benötigt. Einen neuen lichtdurchfluteten Terminal mit einer Kapazität von fünf Millionen Passagieren, zwei Landebahnen und eine Genehmigung für täglichen 24-Stunden-Flugbetrieb. Geplant wurde die Einrichtung zu einer Zeit, als die seinerzeit stark expandierende Fluggesellschaft SkyEurope Airlines die Zahl der abfliegenden Passagiere innerhalb eines Jahres beinahe verdoppelte.

Inzwischen ist es acht Jahre her, dass die österreichisch-slowakische Fluglinie mit lautem Getöse ihre Insolvenz anmelden musste und zahlreiche Passagiere und Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen blieben. Für den kleinen Flughafen Bratislava bedeutete der Wegfall seines bislang aufkommensstärksten Homecarriers nichts Gutes. Konnten im Jahr 2008 noch 2.218.545 Passagiere gezählt werden, sank diese Zahl innerhalb eines Jahres um 25 Prozent auf 1.717.018 Fluggäste. Als Retter in der Not sprang Ryanair-Chef Michael O` Leary ein. Heute ist Ryanair mit einem Streckennetz von 20 Destinationen und einem Aufkommen von mehr als 1,1 Millionen Passagieren, für gut zwei Drittel des gesamten Passagieraufkommens (2016: 1.756.808 Fluggäste) verantwortlich.

Ryanair ist der Platzhirsch in Bratislava (Foto: Martin Metzenbauer).

Nach einer langen Durststrecke, die im Jahr 2013 mit nur noch 1.373.078 abgefertigten Passagieren ihren Tiefpunkt fand, herrscht nicht zuletzt aufgrund der nun wieder stärker vertretenen Low Cost Airlines seit Monaten wieder Jubelstimmung. Neben der irischen Ryanair, die bereits seit dem Jahr 2005 den Flughafen bedient und im Sommer 2017 den bereits zehnmillionsten Fluggast in Bratislava begrüßte, fliegt seit März 2016 die ungarische Wizzair neu nach Bratislava. Laut Auskunft der Fluggesellschaft konnten in den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres bereits mehr als 50.000 Passagiere in Bratislava begrüßt werden. Startete Wizzair ihren Flugbetrieb mit zunächst nur zwei Destinationen (Tuzla und Skopje), bedient der Billiganbieter inzwischen bis zu viermal wöchentlich Flüge nach Kiev, Cluj, Warschau und Sofia. Allesamt Destination, die auch für den preissensitiven österreichischen Passagier von Interesse sind und den Druck auf Fluglinien wie LOT, UIA oder Austrian im nahen Wien erhöhen. Dem nicht genug startet Ryanair ab dem Sommerflugplan 2018 ab Bratislava mit neuen Verbindungen nach Malta, Burgas und ins zypriotische Paphos.

Die Nähe zur Millionenstadt Wien, aber auch der stärker werdende lokale slowakische Markt, haben inzwischen weitere Low Cost Airlines dazu bewogen, Bratislava in ihr Streckennetz aufzunehmen. So fliegt die Aeroflot-Low-Cost-Tochter Pobeda offenbar erfolgreich eine fünfmal wöchentlich bediente Verbindung nach Moskau- Vnukovo. Die in den Vereinigten Emiraten angesiedelte Flydubai startet bereits seit dem Dezember 2014 bis zu viermal wöchentlich von Dubai nach Bratislava.

Das moderne Terminal des Flughafens (Foto: Martin Dichler).

Dieser Low-Cost-Boom wirkt sich natürlich auch positiv auf die Passagierzahlen aus. So konnte im Juli der stärkste Monat in der 66-jährigen Geschichte des Flughafen Bratislava mit 304.388 abgefertigten Passagieren gefeiert werden. Auch im darauf folgenden August erlebte man mit 296.920 abgefertigten Passagieren Werte, die jene aus der Blütezeit einer SkyEurope bereits übertreffen! 

Für Veronica Sevcikova (Pressesprecherin des Flughafen Bratislava) liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht nur im neuen Angebot der Low Cost Airlines, sondern auch in der wieder erstarkten Nachfrage im Charterflugsegment. Nachdem man bereits im ersten Halbjahr einen Passagierzuwachs von sieben Prozent verzeichnen konnte, hofft man bis zum Ende des Jahres an die 1,9 Millionen Passagiere abfertigen zu können. Österreichische Fluggäste sollen dazu beitragen, an alte Rekorde anzuschließen.

Viel Platz und Licht im neuen Terminal (Foto: Martin Dichler).

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler ist Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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