Boeing 737-Max: Problemanhäufung

Die Schwierigkeiten für den US-Flugzeughersteller Boeing scheinen kein Ende zu nehmen. Zum einen zeichnet es sich ab, dass die 737 Max nicht vor Weihnachten wieder abheben wird, zum anderen dürften jetzt in dem Modell auch fehlerhafte Teile verbaut worden sein. Michael Csoklich von der Jahrestagung des Weltluftfahrtverbands IATA in Seoul.

Boeing 737-Max (Foto: Jan Gruber).

360 Maschinen des Typs 737 Max stehen seit März weltweit am Boden. Sie dürfen nicht fliegen, weil ein Computerproblem zu Abstürzen des Flugzeugs in Indonesien und Äthiopien mit 346 Toten geführt hat. Das Computerproblem, so scheint es, hat Boeing mittlerweile in Griff bekommen und ein Update der Software für das Steuerungssystem entwickelt. Es wurde im Simulator sowie auf mehr als 200 Testflügen ausgiebig erprobt. Boeing ist überzeugt, dass die aktualisierte Software nun allen Anforderungen entspricht. Die 737 MAX werde mit dem Software-Update des Steuerungssystems "eines der sichersten Flugzeuge sein, das jemals geflogen ist", sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg, er musste aber auch Fehler seines Unternehmens einräumen.

Vorbei sind die Probleme aber noch nicht. Jetzt geht es um die Zulassung der neuen Software und die Flugfreigabe für die 737 Max durch die Flugaufsichtsbehörden. Die Fluglinien fordern da ein einheitliches Vorgehen der Behörden, um das Vertrauen der Passagiere nicht weiter zu schädigen. Von dieser Einigkeit ist man derzeit aber weit entfernt. China zum Beispiel, wo ein Viertel der 737 Max am Boden stehen, sieht die mögliche Wiederzulassung als Druckmittel im Handelsstreit mit den USA. Die Zustimmung der chinesischen Behörden ist aber unbedingt notwendig. EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc sagte in Seoul, dass sich die EU das Recht auf eine eigene Entscheidung vorbehalte.

Die IATA spricht von einer schwierigen Situation und will vermitteln, um die bewährte Praxis der gegenseitigen Anerkennung von Lizenzen und Genehmigungen von Aufsichtsbehörden nicht zu gefährden. Zu einer konkreten Stellungnahme ist keiner der Verantwortlichen bereit. Der Verband wolle die laufenden Untersuchungen abwarten, man habe volles Vertrauen in Boeing.

IATA Generaldirektor Alexandre de Juniac ging bis vor kurzem davon aus, dass das Flugverbot für die 737 Max mindestens noch bis August dauern werde. Das war offenbar zu optimistisch. Der Chef der Fluglinie Emirates, Tim Clark, sagte in Seoul, er wäre überrascht, könnte die 737 Max noch vor Weihnachten wieder abheben. Ähnlich auch Boeing Chef Dennis Muilenburg. Das Grounding werde wohl erst gegen Jahresende wieder aufgehoben, so der Boeing Chef. 

Damit werden wohl die Entschädigungsforderungen der betroffenen Fluglinien deutlich ansteigen. Wie viel das Problem der 737 Max Boeing kosten wird, ist nicht genau bekannt, die Rede ist von Milliarden US$. Und die Kosten könnten noch weiter steigen. Denn Boeing hat soeben gegenüber der US-Flugaufsichtsbehörde eingeräumt, in über 300 Boeing-Flugzeugen möglicherweise fehlerhafte Teile verbaut zu haben. Bei diesen Teilen handelt es sich um bewegliche, vom Piloten zu steuernde Teile an den Tragflächen, die sogenannten leading edge slats. Sie werden etwa bei der Landung benutzt, um Geschwindigkeit zu reduzieren. Betroffen sind Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max sowie des Typs Boeing 737 Next Generation. Zu einem Absturz könne ein Ausfall der Teile nicht führen, so Boeing. Die FAA wies Boeing an, die fraglichen Teile innerhalb von zehn Tagen auszutauschen. 

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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