Boardinghaus für LGW-"Fehlstationierung" in der Diskussion

Neue Wet-Lease-Verträge machen die einstige Air-Berlin-Tochter bei der Crewplanung kreativ. 

DHC Dash 8-400 (Foto: Jan Gruber).

Bei LGW ist eine Lösung für den Personalüberhang an den Flughäfen Berlin-Tegel und Nürnberg in Sicht. Nach Informationen von AviationNetOnline aus Mitarbeiterkreisen steht aktuell zur Diskussion, ein sogenanntes Boardinghaus in Düsseldorf einzurichten. Fliegendes Personal der LGW, das nicht dauerhaft am Rhein stationiert ist, könnte so eine vorübergehende Übernachtungsmöglichkeit in der NRW-Landeshauptstadt geboten werden, ohne dass die Crews dauerhaft ihren Wohnort verlassen müssten. 

Es geht um rund 100 fliegende Mitarbeiter, rechnet die Kabinenvertretung UFO vor. Denn: LGW fliegt aktuell für Eurowings - der bis mindestens zum Herbst 2021 geschlossene Wet-Lease-Vertrag konzentriert sich aktuell vor allem auf Düsseldorf und Stuttgart.

Hauptsächlich die beiden bisherigen LGW-Standorte Berlin-Tegel und Nürnberg sind durch unter anderem die Verlagerung jener Strecke auf die Schiene und eine rapide Flottenreduktion noch unter Eigentümerin Lufthansa kaum gefragt. Intern spricht man von einer "Fehlstationierung", die pro Mitarbeiter und Tag weit über 100 Euro kosten soll. 

Umzugsidee nicht attraktiv 

Daher hofft LGW, dass die Mitarbeiter freiwillig umziehen. Da diese allerdings ihren Lebensmittelpunkt in den vergangenen Jahren in den besagten Städten angesiedelt haben, sind wohl nur wenige zum dauerhaften Wechsel bereit. 

Und da greift die Idee des Boardinghauses: LGW stellt in Düsseldorf Wohnungen zur Verfügung, die tageweise von Crews aus beispielsweise Berlin genutzt werden können. 

LGW-Spitze findet Modell wohl gut

Das Personal der LGW muss flexibel sein. Denn neben Eurowings ist auch mit Sky Express ein Mietvertrag geschlossen. So fliegt die LGW-Schwester WDL zudem unter anderem für Easyjet und Flybe. Das Standbein soll im Zeitfracht-Konzern weiter ausgebaut werden. Ein solches Geschäftsmodell macht die langfristige Standortplanung allerdings nahezu unmöglich.

Ein Sprecher der Luftfahrtgesellschaft Walter erklärt, dass dies eine Option sei, die geprüft werde. Eine Entscheidung ist nicht gefallen. "Die LGW beabsichtigt auch in Zukunft nicht Tarifverhandlungen über die Öffentlichkeit zu führen", so der Medienreferent gegenüber AviationNetOnline.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF
    easyJet Europe / OE-IVA
    Belgian Air Force (Hi Fly) / CS-TRJ
    Air X Charter / 9H-AHA
    Vueling / EC-MYC

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller