BMI plant Gründung einer Österreich-Tochter

Vorbereitung auf die möglichen Folgen des bevorstehenden Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU.

Embraer 145 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die britische Fluggesellschaft BMI Regional prüft derzeit die Gründung einer österreichischen Tochtergesellschaft mit eigenen Zertifikaten, um nach dem bevorstehenden Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union weiterhin innerhalb dieser fliegen zu können. Dies erklärte Chief Commercial Officer Jochen Schnadt gegenüber Routes Online.

Hintergrund ist, dass befürchtet wird, dass nach dem Brexit jene Carrier, die ihren Sitz im Vereinigten Königreich haben, nicht mehr innerhalb der EU fliegen dürfen. Eine vertragliche Regelung, die britische Carrier entsprechend schützen würde, wurde bislang nicht zwischen der EU-Kommission und der Regierung des Vereinigten Königreichs ausverhandelt. Daher trat Easyjet rief Easyjet bereits die österreichische Tochter Easyjet Europe ins Leben, während Wizzair, Ryanair und Norwegian britische Ableger an den Start brachten.

Jochen Schnadt erklärte noch während der ITB 2018 gegenüber Austrian Aviation Net, dass für den Ernstfall eine Partnerlösung mit einem EU-Carrier angestrebt wird, da die Kosten für die Gründung einer Tochter mit eigenen Zertifikaten möglicherweise zu hoch wären. Allerdings befindet sich die überwiegende Mehrheit des Geschäfts der BMI Regional außerhalb des Vereinigten Königreichs. 

Derzeit - so Schnadt gegenüber Routesonline - prüft man bei BMI Regional, ob das Geschäftsmodell auf Flüge ab bzw. innerhalb des Vereinigten Königreichs reduziert wird oder aber eine Tochter mit Sitz im österreichischen Wien gegründet wird, um außerhalb Großbritanniens weiterhin wachsen zu können.

Die Republik Österreich konnte sich in den letzten Jahren als äußerst attraktiver Standort für Luftfahrtunternehmen etablieren. So entschieden sich beispielsweise TNT Airways und ASL zur Registrierung großer Frachterflotten im heimischen Register. Lufthansa gründete ihre "Growing-Tochter" Eurowings Europe, die mit eigenen Zertifikaten ausgestattet ist und Easyjet zog mit Easyjet Europe ebenso nach. Die IAG befindet sich derzeit in einem Zulassungsprozess mit der Anisec Luftfahrt GmbH, die für Vueling und Level fliegen soll. Nicht zu vergessen ist, dass sich Ryanair bis zu 75 Prozent an der österreichischen Laudamotion sicherte und somit ebenfalls den Zugriff auf einen Luftfahrtrepublik mit Sitz in der Alpenrepublik im Konzern hat. Mit BMI Regional würde sich das Spektrum der Inhaber österreichischer Betriebsbewilligungen und AOCs abermals erweitern.

Offiziell sprach es bislang kein Luftfahrtunternehmen aus, jedoch ist wiederholt seitens jener Unternehmen, die sich in den letzten Jahren für die Gründung österreichischer Ableger oder aber für die Registrierung von Maschinen in der Alpenrepublik entschieden haben im "off the records" zu hören, dass die entsprechenden Prozesse in Österreich transparent, fair und äußerst kompetent gestaltet wären. Insbesondere loben internationale Airlinemanager wiederholt, dass es seitens des Bundesverkehrsministeriums und der Austro Control eine hohe Serviceorientierung und insbesondere Handschlagsqualität geben würde. Die Aufsicht und Kontrollen werden allerdings als streng beschrieben, wobei seitens der Manager stets hinzugefügt wurde: "Und das ist auch gut so. Vertrauen gut, Kontrolle besser, denn Sicherheit hat immer oberste Priorität und wir haben nichts zu verbergen, weshalb wir jede Überprüfung und Kontrolle gelassen begrüßen."

Derartige Gedanken von Mitbewerbern dürften offenbar auch BMI Regional vom Standort Österreich überzeugt haben. Allerdings sollte sich das Unternehmen rasch entscheiden, denn ein so genanntes Express-AOC gibt es nirgendwo in Europa. Die Voraussetzungen und Zulassungsverfahren für AOC und Betriebsbewilligung sind in der ganzen EU gleich. So BMI ab März 2019 mit österreichischen Zertifikaten innerhalb der um das Vereinigte Königreich geschrumpften EU abheben möchte, muss die Entscheidung rasch fallen, so dass planmäßig abgehoben werden kann. Allenfalls würden in Österreich neuerlich Arbeitsplätze entstehen, denn beispielsweise die Verwaltung des Ablegers, in der insbesondere der Accountable Manager und die Nominated Persons (vormals Postholder) ihren Dienst versehen, muss zwingend in Österreich sein und kann nicht vom Ausland aus erledigt werden.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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