Besuch der alten Dame: Breitling DC-3 zu Gast in Wien

Der 77-jährige Oldtimer aus der Breiling-Kollektion legte auf ihrer World Tour einen Zwischenstopp in Schwechat ein.

Breitling DC-3 am Flughafen Wien (Fotos: Martin Metzenbauer).

Wer "Breitling" hört, denkt in erster Linie an eine (ziemlich exklusive) Uhrenmarke aus der Schweiz. Für Luftfahrtenthusiasten schlägt das Herz bei Nennung dieses Namens aber anderweitig höher: Breitling sponsert nämlich seit Jahren eine Reihe von - vornehmlich alten - Flugzeugen. So trägt beispielsweise eine Lockheed Super Constellation das markante "B" am Heck - oder auch zwei Boeing Stearman Doppeldecker, auf denen Wingwalker im Rahmen von Flugshows ihre beeindruckende Performance liefern. Neueren Datums sind die Flugzeuge der Breitling Jet und Racing Teams.

Das charakteristische Breitling-B an der Heckflosse der Maschine.

In die Kategorie "fliegende Oma" gehört hingegen ebenfalls die Douglas DC-3 mit dem Schweizer Kennzeichen HB-IRJ. Im Jahr 1940 wurde sie gebaut und an American Airlines ausgeliefert. Nach vielen Stationen - unter anderem bei der United States Army - fliegt sie nun als 77-jähriges Flugzeug in Breitling-Farben. Initiator des DC-3-Projekts ist der Schweizer Pilot Francisco Agullo, der von der Boeing 737 bis zur MD80 so ziemlich alles geflogen hat, was Flügel hat - darunter auch Klassiker wie die DC-4 oder Constellation.

DC-3-Chefpilot Francisco Agullo.

Vermutlich weniger als 100 von ursprünglich mehr als 16.000 (von Douglas selbst und in Lizenz) hergestellten DC-3 sind weltweit noch flugfähig - die Breitling-Maschine ist eine davon. Im Rahmen einer World Tour machte sie nun in Wien Station. Gäste - darunter Promis wie Miriam Höller, Alfons Haider oder Thomas Morgenstern - sowie einige Journalisten waren eingeladen, die "alte Dame" zu besuchen und auch eine Runde mit ihr zu fliegen. Austrian Aviation Net war dabei.

Promis wie Action-Model Miriam Höller (ganz rechts), Skispringer und Pilot Thomas Morgenstern (mit Kappe) sowie Schauspieler und Moderator Alfons Haider (Mitte) gaben der alten Dame die Ehre. Links im Bild Peter Kellner, Geschäftsführer von Breitling Österreich.

Der Flug in so einem Klassiker gestaltet sich grundlegend anders als in einem modernen Airliner. Das fängt schon einmal beim Einstieg an - dieser befindet sich statt vorne links nämlich hinten rechts. Wenn man die in die Türe eingebauten Stiegen einmal erklommen hat, geht es gleich weiter bergauf, da die DC-3 bekanntlich kein Bug- sondern ein Spornrad besitzt. Die Steigung in der Kabine ist am Boden durchaus beachtlich.

Eingang zur DC-3.

Die Kabine der Breitling DC-3 ist einer von zwei Bereichen, die ziemlich weit weg vom Original sind, wie Francisco Agullo erklärte: "Früher hat man einfach Sessel genommen und diese auf den Boden geschraubt." Das wäre heute aus Gründen des Komforts und der Sicherheit nicht mehr möglich. Normalerweise ist die HB-IRJ mit 30 Sitzen in einer 2-2-Konfiguration ausgestattet. Wegen der langen Überflüge auf der World Tour verfügt sie nun nur über 14 Plätze. Bei Bedarf werden nämlich Zusatztanks eingebaut, die am Kabinenboden montiert werden.

Geräumig-gemütliche Kabine der Breitling DC-3.

Der zweite Bereich, der gegenüber dem Original deutlich modifiziert wurde, ist das Cockpit. Da die Maschine für Passagiertransport und Instrumentenflug zugelassen ist, musste der Arbeitsplatz der Piloten verständlicherweise einige zusätzliche Geräte wie GPS aufnehmen. Trotzdem sind viele "alte" Teile gleich geblieben - darunter auch die massiven Schubhebel der DC-3.

Das Cockpit der DC-3 wurde so modifiziert, dass die Maschine IFR-tauglich ist und Passagiere befördern darf.

Der Engine Start dauert vor dem ersten Flug des Tages etwas länger, da hier einige zusätzliche Checks durchgeführt werden müssen - rund 10 zusätzliche Minuten muss man hier einplanen. Danach geht es etwas flotter. Ein Triebwerksstart der beiden Pratt & Whitney R1830 Sternmotoren mit ihren jeweils 1.200 PS ist jedenfalls für den Passagier eindrucksvoll - und natürlich auch deutlich lauter als bei den moderneren Flugzeuggenerationen. Wobei die DC-3 nach ihrem Erstflug 1935 ein hypermodernes Flugzeug war - im Vergleich zu den ersten Passagiermaschinen konnte man sich über deutlich weniger Lärm, Abgase und Turbulenzen freuen, wie Francisco Agullo erklärte.

DC-3 vor dem Boarding.

Rollen und Start laufen bei der DC-3 recht unspektakulär ab - gemütlich und langsam hebt die mit Beladung rund elf Tonnen schwere Maschine ab. Der Komfort in der Luft selbst hängt ganz von der Umgebung ab. Rund um Wien kann es ja bekanntlich windig sein - entsprechend "bumpy" war auch der Rundflug. Zum Leidwesen der Passagiere - darunter einige Aviatik-Fans - wurden die "Fasten Seat Belt"-Signs während des gesamten Fluges nicht abgeschaltet.

Kein alltäglicher Anblick: DC-3 am Holding Point, während sich eine moderne Boeing 737 am Short Final befindet.

Aber natürlich ist ein solcher Flug auch im Sitzen ein Genuss. Die großen rechteckigen Fenster erlauben schöne Blicke nach außen. Und so ist es kein Wunder, dass ein halbstündiger Rundflug so schnell vergeht wie ein paar Minuten. Genauso wie der Start ist auch die Landung sanft. Ein Genuss ist das Rollen zur Parkposition - aus etlichen Airbus- und Boeing-Cockpits werden anerkennende Blicke geworfen bzw. auch das eine oder andere Foto gemacht. Spotten einmal auf ungewohnte Art und Weise.

Einer der beiden 1.200 PS starken Motoren.

Rund 74.500 Flugstunden hat die HB-IRJ bereits auf dem Buckel. Wenn es nach Francisco Agullo geht, sollen es noch einige mehr werden. Vorteil der DC-3 ist, dass sie keine Druckkabine besitzt - daher fällt dieser Stress für die Struktur des Flugzeuges durch viele Zyklen weg. Ob das Flugzeug wirklich "für immer" fliegen wird, wie es sich der DC-3-Betreiber wünscht, sei dahingestellt. Einige Jahre oder auch Jahrzehnte könnten es aber noch werden. Dafür soll auch die intensive Wartung sorgen: Pro Flugstunde werden rund 100 Wartungs-, Techniker- und Restaurierungsstunden veranschlagt. Diese Zahl würde bei Airlinemanagern vermutlich Herzflattern hervorrufen.

Ungewohnter Start: Zuerst hebt sich das Heck, dann hebt die Maschine ab.

Einige zusätzliche Flugstunden hat die HB-IRJ in den letzten Monaten gesammelt: In bislang mehr als 60 Etappen ist die DC-3 einmal rund um die Welt geflogen. Von Europa über den Nahen und Mittleren Osten, Indien, Thailand, Malaysia, China, Japan via Nordamerika bis nach Europa zurück hat der Weg geführt. Demnächst geht es wieder zurück in die Schweiz, wo die World Tour im Rahmen der Sion Air Show ihren würdigen Abschluss findet.

DC-3 am Taxiway.

Mit an Bord sind übrigens 500 Exemplare der Breitling Navitimer, die demnächst an Uhrenliebhaber als Sonderedition verkauft werden. Der Wert der Uhren liegt bei rund vier Millionen Euro - daher sind sie an guter Stelle im Flugzeug versteckt und gesichert. Und auch für einen wohltätigen Zweck ist die DC-3 unterwegs: Pro geflogener Meile gehen zwei Schweizer Franken an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen - bei einer ausgedehnten Weltumrundung dürfte hier ein erklecklicher Betrag zusammenkommen.

Türe und Flugbegleitersitz.

Der Besuch der alten Dame - die eigentlich noch recht jugendlich wirkt - war eines der nettesten aviatischen Highlights heuer am Flughafen Wien. Man darf ihr noch "many happy landings" wünschen - und frei nach Neil Young "long may you run".

Weitere Impressionen:

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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