Banken und Chinesen übernehmen Thomas-Cook-Fluggesellschaften

Konzern vor tiefgehenden Umstrukturierungen.

Boeing 757 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Bei der Thomas Cook Group ist es zu einer Wende im Bereich des geplanten Verkaufs der Fluggesellschaften gekommen, denn dieser ist aufgeschoben. Hintergrund ist, dass mit dem Großaktionär Fosun Verhandlungen über einen Zuschuss in der Höhe von 750 Millionen Pfund laufen, teilte der Konzern mit.

Betroffen ist indirekt auch die deutsche Condor, denn diese soll vorläufig nicht verkauft werden. Allerdings wird nicht ausgeschlossen, dass sämtliche Airlines zu einem späteren Zeitpunkt vermarktet werden könnten. Fosun wird allerdings Minderheitsbeteiligungen an allen Fluggesellschaften der Firmengruppe übernehmen, sofern die Verhandlungen zu einem positiven Abschluss führen. Eine vollständige Übernahme der operativen Airlines ist nicht zuletzt aufgrund gesetzlicher Vorschriften derzeit nicht möglich.

Die Folge ist, dass Fosun die Mehrheit am Veranstaltergeschäft kaufen möchte und lediglich Minderheiten an den einzelnen Fluggesellschaften. Der Deal soll ausreichend Geld in die klammen Thomas-Cook-Kassen spülen, um den Konzern zu stabilisieren. Weiters bestätigte die TC Group im Gespräch mit AviationNetOnline, dass die Mehrheit der Fluggesellschaften in die Hände der finanzierenden Banken gehen soll. Das bedeutet, vereinfacht gesagt, dass eine Trennung von Airlines und Tour Operator vollzogen wird. Die chinesische Fosun wird die Mehrheit am Reiseveranstalter halten, während Banken bei den Airlines das Sagen haben werden. Fosun wird bei den Fluggesellschaften eine Minderheit halten.

Thomas Cook wird daher bei einem möglichen Verkauf der einzelnen Fluggesellschaften nicht mehr direkt involviert sein, denn diesen sollen die kreditgebenden Banken, zu einem späteren Zeitpunkt selbst in die Wege leiten. Nicht kommentiert wurde im Zusammenhang mit dieser Umstrukturierung, ob es für diese Vorgehensweise Druck von den Banken gab oder ob durch diese mehrheitliche Übereignung quasi Kredite getilgt werden. Jedenfalls will Großaktionär Fosun – wie erwähnt – zusätzliches Kapital einschießen.

Der Deal ist allerdings noch nicht unter Dach und Fach, denn die Gremien der Thomas Cook Gruppe und bei Fosun müssen ihre Zustimmung noch erteilen. Weiters sind kartellrechtliche Freigaben notwendig, so dass zu erwarten ist, dass sich ein mögliches Closing noch einige Monate hinziehen wird. Diese Zeit würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auf für die notwendige Entflechtung benötigt werden, da in den letzten Jahren innerhalb des TC-Konzerns die einzelnen operativen Töchter sehr eng verzahnt wurden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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