Baby an Bord!

In der Schwangerschaft darf man meistens nur bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin fliegen. Nicht ohne Grund.

Die Crew des Fluges LH543 unterstützte die werdende Mutter bei der Geburt (Foto: Lufthansa).

Der Lufthansa-Flug LH543 von Bogotá nach Frankfurt verlief am 25. Juli 2017 etwas anders als geplant. Bei einer 38-jährigen schwangeren Frau setzten nämlich über dem Atlantik vorzeitige Wehen ein. Die Crew setzte einige Fluggäste in vordere Reihen um - der hintere Teil des Airbus A340 wurde zu einem provisorischen Kreissaal, abgetrennt durch einen Sichtschutz. Die Geburt verlief ohne Komplikationen - Kabinenmitarbeiter sowie drei Ärzte, die sich zufällig als Passagiere an Bord befanden, unterstützten die werdende Mutter. Die Piloten entschieden sich trotzdem für eine Zwischenlandung in Manchester, um Mama und Baby bestmöglich zu versorgen.

Solche Geburten über den Wolken sind insgesamt eher seltene Ereignisse. Bei Lufthansa war es seit 1965 erst die elfte Geburt. Bei Austrian Airlines schaffte es vor ein paar Jahren eine ungeplante Stratosphären-Niederkunft in die Medien, als ein Baby auf einem Indien-Flug die Landung außerhalb des Bauches seiner Mutter verfolgen wollte.

Bei vielen Airlines - darunter auch die Fluglinien der Lufthansa Group inklusive Austrian Airlines - sind Flugreisen bis zu vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin (also bis zur 36. Schwangerschaftswoche) erlaubt. Dabei ist es keine schlechte Idee, wenn jede (merkbar) schwangere Frau ein ärztliches Attest mitführt, in der bestätigt wird, dass sie grundsätzlich fliegen darf. Ein solches "Pregnancy Statement for Air Travel" bzw. eine "Fit-to-Fly"-Erklärung hilft sowohl der Bodencrew als auch dem fliegenden Personal zu beurteilen, ob eine Schwangere relativ risikolos mitgenommen werden kann. Bei manchen Fluglinien - wie beispielsweise Ryanair - ist diese ab einer bestimmten Schwangerschaftsdauer ohnehin verpflichtend mitzuführen.

Die 36-Wochen-Frist gilt nur für unkomplizierte Schwangerschaftsverläufe. Bei Mehrlingen beispielsweise ist das Fliegen bei der Lufthansa-Gruppe nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche erlaubt. Bei Risikoschwangerschaften sollte auf Flugreisen generell verzichtet werden. Darunter fallen beispielsweise Probleme mit der Versorgung des Kindes über den Mutterkuchen, die (zumindest theoretisch) durch den niedrigeren Kabinendruck und Sauerstoffgehalt noch weiter verschlechtert werden können. Und natürlich darf man bei bestehendem Frühgeburtsrisiko kein Flugzeug betreten.

Besonderes Augenmerk muss bei schwangeren Passagieren auch auf das Thema Thrombose gelegt werden. Die Schwangerschaft an sich erhöht das Risiko für ein Blutgerinnsel - längere Flugreisen bekanntermaßen ebenso. Daher wird generell geraten, Stützstrümpfe zu tragen, sich immer wieder zu bewegen und ausreichend Flüssigkeit zu trinken. In besonderen Risikosituationen wird der Arzt auch die Gabe einer sogenannten Thrombosespritze (beispielsweise Lovenox oder Fragmin) empfehlen.

Nach der Geburt darf man bei vielen Airlines bereits nach sieben Tagen wieder fliegen. Für Säuglinge gibt es dabei spezielle Baby-Baskets an Bord, die in den jeweils ersten Reihen eines Kabinenabschnittes eingehängt werden können. Nähere Informationen zu den Themen "Fliegen in der Schwangerschaft" bzw. "Fliegen mit Säuglingen" findet man auf den jeweiligen Websites der Fluglinien. Vor Abflug bzw. Buchung sollte man sich hier unbedingt informieren.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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