Austrian Airlines verstärkt Nordamerika-Schwerpunkt

Nach dem Start der Montréal-Flüge will die AUA im Kanada- und USA-Verkehr heuer rund 780.000 Passagiere befördern - um 10 Prozent mehr als 2018.

Montréal bei Nacht: Die Stadt in Quebéc ist sowohl wirtschaftlich als auch touristisch ein interessantes Ziel (Foto: Martin Metzenbauer).

Das Revival für die wiederaufgenommene Verbindung von Wien nach Montréal hätte für die AUA nicht besser beginnen können: Der Erstflug war bereits ausgebucht – die Boeing 767 hob Anfang der Woche mit mehr als 200 Passagieren in Business, Premium Eco und Economy Class von Wien in Richtung Québec ab. Bis 2005 war Austrian Airlines bereits auf der Strecke unterwegs – die von der AUA lange Jahre bediente Route nach Toronto wurde ja von Air Canada „übernommen“.

Auf der Montreal-Strecke, die jetzt im Sommer siebenmal und ab dem Winterflugplan fünfmal wöchentlich geflogen wird, erwartet Austrian Airlines 2019 rund 75.000 Passagiere – was einer rund 80-prozentigen Auslastung entspricht. In Richtung Toronto waren es im gesamten Jahr 2018 knapp über 100.000. 

Beide neuen Strecken – also Austrian nach Montreal und Air Canada nach Toronto – werden im transatlantischen Joint Venture A++ der Lufthansa Gruppe, Air Canada und United geflogen. Das bedeutet, dass die Einnahmen aller teilnehmenden Airlines gepoolt und über einen bestimmten Schlüssel an die Partner aufgeteilt werden. Wenn also die Air-Canada-Flüge gut laufen, freut sich auch die AUA – genauso wie die Kanadier über hohe Einnahmen aus den Austrian-Flügen. Aus diesem Grund wird auch bei der Vermarktung zusammengearbeitet.

Austrian CEO Wolfgang Jani (links) und Air Canada Vice President Global Sales & Alliances John Macleod.

Nordamerika steht auf jeden Fall wieder stark im Fokus von Austrian Airlines: Bis Ende des Jahres will die AUA auf den Flügen von und aus dieser Region rund 780.000 Passagiere begrüßen – das wären um zehn Prozent mehr als 2018, wie AUA-Chief Financial Officer Wolfgang Jani vor Journalisten in Montréal erklärte. Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Umsteigepassagiere in Wien: Im Winter 2018/19 konnte die Zahl der Transferfluggäste aus Nordamerika um fast 40 Prozent gesteigert werden – knapp 90.000 Passagiere haben in diesem Zeitraum in Schwechat auf andere AUA-Flüge gewechselt.

Zwischen Wien und Montréal erwartet die AUA nur rund ein Viertel Point-to-Point-Verkehr mit etwa 55 Prozent Transfergästen in Wien. In Montreal rechnet man mit ca. 20 Prozent Umsteigern – in erster Linie auf Flüge des Partners Air Canada. Dieser betreibt ein gut ausgebautes Streckennetz in Nordamerika zu 64 Zielen in Kanada und 60 in den Vereinigten Staaten.

Flüge zu US-Zielen über Kanada sind übrigens nicht zuletzt deswegen beliebt, weil die Einreiseformalitäten in die Vereinigten Staaten recht zügig bereits auf den kanadischen Flughäfen wie Toronto oder eben Montreal erledigt werden können. Ein kleines Manko gibt es dabei: Die Electronic Travel Authorization (eTA) für Kanada muss auch bei weiterführenden Flügen in die USA gelöst werden – dies geht aber einfach (ist also nicht mit dem US-Pendant ESTA zu vergleichen) und ist mit sieben kanadischen Dollars auch preislich überschaubar.

Die neue Montreal-Verbindung ist für eine ganze Reihe von Zielgruppen interessant: Zum einen natürlich für den touristischen Verkehr – Montréal, Québec und Kanada im Generellen oder eben auch die USA stehen auf der Beliebtheitsskala als Reiseländer weit oben. Dann gibt es in Kanada als Auswanderungsland natürlich auch einen starken ethischen Verkehr in Richtung Europa.

FACC assembliert in Montréal Kabinenausstattungen für Bombardier Challenger 350 und Global 7500.

Was man aber ebenfalls nicht außer Acht lassen darf, sind die durchaus intensiven wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Kanada und Österreich. Jeweils rund eine halbe Milliarde Euro werden pro Jahr von Kanada nach Österreich importiert bzw. exportiert. Und in Montréal mit seinem starken Luftfahrtcluster sind beispielsweise FACC oder F/List mit respektablen Niederlassungen und Produktionen vertreten.

Die neue Verbindung nach Montréal wird sich wohl gut ins Nordamerika-Konzept der AUA einfügen. Derzeit fliegt die heimische Airline nebst der kanadischen Destination nach New York JFK, Newark, Chicago, Washington sowie saisonal nach Miami und Los Angeles. Wobei letztere Destination auf dem Prüfstand steht, wie Wolfgang Jani in Montréal erklärte.

Eines ist angesichts der aktuellen Situation und des ruinösen Preiskampfes im Europaverkehr klar: Die Bedeutung der Langstrecke wird einnahmenseitig zunehmend wichtiger. Nicht zuletzt deswegen, weil die Ticketpreise in diesem Segment laut Wolfgang Jani zuletzt im Gegensatz zum europäischen Lokalverkehr nach oben gegangen sind. Der Erfolgsdruck auf das Interkont-Konzept wird also vor diesem herausfordernden wirtschaftlichen Hintergrund – siehe Q1-Ergebnis von Austrian Airlines – wohl noch um einiges stärker.

 

Anmerkung im Sinne der Medientransparenz: Austrian Airlines hat die Pressreise nach Montréal – an der AviationNetOnline teilgenommen hat – organisiert und die Kosten übernommen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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