Austrian Airlines trennt sich von Turboprops

In den nächsten 2-3 Jahren sollen zehn Flugzeuge der Airbus A320-Familie zur AUA stoßen.

Foto: Martin Metzenbauer

Austrian Airlines treibt die Flottenvereinheitlichung weiter voran: Die derzeit 18 Bombardier Q400 Turboprops werden bis 2021 ausgeflottet. In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen stattdessen zehn Maschinen der Airbus-A320-Familie zur AUA stoßen. Dies erklärte Austrian-CEO Alexis von Hoensbroech im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Die Kosten für die (gebrauchten) Flugzeuge werden jenseits von 200 Millionen Euro liegen. Die Bombardier-Turboprops gehören der AUA - nach Käufern wird derzeit gesucht.

Das sind allerdings nicht die einzigen Neuigkeiten, die verlautbart wurden: So sollen in den nächsten Jahren die Crewbasen in den Bundesländern sowie in Altenrhein geschlossen und dort stationierte Flugzeuge künftig ex Wien fliegen. Dies betrifft rund 200 Mitarbeiter und sechs Flugzeuge. Den AUA-Angestellten wird angeboten, nach Schwechat zu wechseln.

Die Flüge zwischen den Bundesländerairports und den Zielen in Deutschland (Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart) sollen künftig von den Konzernschwestern Lufthansa und Eurowings übernommen werden. Auch an Wetlease-Partner wird laut von Hoensbroech gedacht. Ob diese Umstellung auch Auswirkungen auf den Bundesländerverkehr ab Wien haben wird, wird sich zeigen.

Hinsichtlich des Rollovers der Langstreckenflotte gibt es weiterhin keine Entscheidung. Mittelfristig wird es laut dem AUA-CEO vermutlich nur noch eine Type geben. In einem ersten Schritt soll jedenfalls die (ältere) Boeing-767-Teilfotte ausgetauscht werden. Apropos Langstrecke: Die Seychellen-Flüge werden nicht fortgeführt.

Austrian Airlines hat diese Themen in ein 10-Punkte-Progamm namens #DriveTo25 (wobei das 25 für das Jahr 2025 steht) integriert:

  1. Operational Excellence: 2019 will die AUA ihre Prozesse verbessern und mithilfe der Digitalisierung und einer engen Zusammenarbeit mit dem Flughafen Wien die Operation wieder auf ein besseres Niveau als im Vorjahr bringen (siehe den Bericht auf Aviation Net).
  2. Austrian Airlines möchte außerdem ihre Prozesse in der Verwaltung und der Operation auf den Prüfstand stellen und durch Vereinfachung, Digitalisierung und die Vermeidung von Doppelgleisigkeiten 20-30 Millionen Euro einsparen. "Am Kunden soll nicht gespart werden", heißt es von Austrian.
  3. Unter dem Titel New Premium soll der Kunde und seine Bedürfnisse stärker in den Mittelpunkt aller Anstrengungen gestellt werden. Personalisierte Produktverbesserungen sollen die AUA als Carrier der ersten Wahl positionieren. Diese Lufthansa Group-weite Produktstrategie wird übrigens von Wien aus koordiniert.
  4. Mit einem Einzugsgebiet von 11 Millionen Einwohnern und einer Transferleistung von etwa 50 Prozent ist Austrian Airlines ein Hub-Carrier und der Flughafen Wien dessen Drehkreuz. Diese Funktion soll zukünftig über eine stärkere Ausrichtung des Verkehrsnetzes auf Wien gestärkt werden. Im Umkehrschluss wird der dezentrale Verkehr innerhalb des Konzerns neu geordnet. Dezentrale Strecken sind beispielsweise Innsbruck-Frankfurt oder Linz-Düsseldorf. Diese Routen erfreuen sich zwar guter Nachfrage, produzieren gleichzeitig aber eine hohe Komplexität, weil die Flugzeuge aufgrund der Umläufe für die Crews, aber auch durch die technische Wartung nicht produktiv eingesetzt werden können.
  5. Um komplizierte Crew-Umläufe zu vermeiden, werden die derzeit noch in Altenrhein, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz oder Salzburg bestehenden dezentralen Crew-Basen nach Wien verlegt werden.
  6. Technik: Bei der technischen Wartung will Austrian Airlines der Wartung der eigenen Flugzeuge zukünftig noch stärkeren Vorrang geben. Derzeit ist die Fluglinie auch stark im Drittgeschäft aktiv, das im Gegenzug reduziert wird.
  7. Kontinental-Flotte: Austrian Airlines will ihre Turboprop-Maschinen früher als geplant bis 2021 ausflotten und gleichzeitig ihre Airbus-Mittelstrecke auf 46 Flugzeuge aufrüsten. Dieser Schritt soll auch Komplexität aus der Flottenstruktur nehmen, da man sich den Betrieb und die Wartung eines Flugzeugmusters sparen wird. Ein genauer Zeitplan, wann welche Turboprop-Flugzeuge abgegeben und wann welche A320 angeschafft werden, wird noch erarbeitet.
  8. Interkontinental-Flotte: Austrian Airlines hat zum Winterflugplan 2018/19 ihr Interkontinental-Netz neu ausgerichtet. Unwirtschaftliche Strecken wie Havanna, Colombo oder Hong Kong wurden nach einer Probezeit wieder gestrichen und das Angebot nach Nordamerika im gleichen Ausmaß aufgestockt. Bestehende Strecken, wie beispielsweise New York oder Chicago, wurden auf ein tägliches Angebot verdichtet. Austrian Airlines wird im Übrigen nach der Wintersaison auch die Seychellen aus ihrem Flugprogramm nehmen und mit Ende April 2019 einstellen. Mauritius und Malediven bleiben hingegen im Flugprogramm. Ziel ist es, dadurch die Profitabilität zu steigern, um im nächsten Schritt die Langstrecken-Flotte zu modernisieren.
  9. Stakeholder Roadmap: Gemeinsam mit seinen Partnern will Austrian Airlines den Luftfahrt-Standort Wien stärken. Dazu gehört zum Beispiel das vom Verkehrsministerium kürzlich gestartete Programm ZOVI (Zukunftsoffensive Verkehr & Infrastruktur - Aviation Net berichtete).
  10. Letztendlich will Austrian Airlines nicht nur ihre Flugzeuge sondern auch sich selbst, ihre Arbeitsplätze und Arbeitsgeräte, digitalisieren und modernisieren. So wurde zum Beispiel das gesamte Kabinenpersonal mit Tablets ausgestattet, und noch 2019 wird die AUA-Verkehrsleitzentrale am Flughafen Wien erneuert werden.
Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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