Austrian Airlines: Noch ist nicht alles eitel Wonne

Eine Bilanz zur Bilanz 2016.

Foto: Austrian Airlines / Michael Dürr

Es gibt ja so etwas wie den ersten und den zweiten Blick. Auf den ersten Blick ist ein EBIT von 65 Millionen Euro für 2016 das beste Ergebnis der AUA seit über zehn Jahren. Der zweite Blick - auch der des AUA Managements - sieht das schon kritischer, differenzierter. Das Ergebnis konnte nur erreicht werden, weil es einen Einmaleffekt gegeben hat und weil Treibstoff günstig war wie schon lange nicht. "Im Kerngeschäft war unsere Leistung nicht so gut", gesteht AUA-Finanzvorstand Heinz Lachinger.  "Wir sind im Steigflug", sagt Austrian-Chef Kay Kratky bei der Bilanzpressekonferenz, er sieht aber Schönwetterwolken und meint "wir müssen die Anschnallzeichen einschalten".

Die Herausforderungen für die AUA sind vielfältig: Die Auslastung ist gesunken und nicht dort, wo sie sein soll. Die Durchschnittserlöse pro Ticket sinken seit Jahren, ein Ende ist nicht in Sicht. Die Treibstoffpreise steigen wieder. Die neuen Langstreckendestinationen laufen nicht wie erhofft. Die Kosten und die Stückkosten steigen, auch weil fast 500 neue Mitarbeiter eingestellt worden sind. Die Ergebnisse bleiben trotz der günstigsten Produktionskosten konzernweit weit hinter Lufthansa und Swiss zurück. Und die Investitionen in neue Flugzeuge, neue Sitze, Internet etc. sind hoch und werden weiter hoch bleiben. Das Ergebnis soll trotzdem steigen. Zumindest langfristig, denn 2017, so die Erwartung, wird es eher unter dem von 2016 liegen.

Dass die Auslastung 2016 auf 76,1 Prozent gesunken ist, sei auf den Einsatz größerer Flugzeuge zurückzuführen, erklärt Kay Kratky. Die neuen Embraer-Flugzeuge hätten 30% mehr Sitzplätze als die Fokker, das müsse noch besser vermarktet werden.

Die Langstrecke insgesamt fliege positiv, so Kratky. Die Einstellung von Delhi und Tokio und die Aufnahme von Shanghai, Hongkong und demnächst Los Angeles sei eine mutige Entscheidung gewesen, eine Neuausrichting in eine profitable Zukunft. "Wir sind bewusst ins Risiko gegangen." Auf einzelne Destinationen will sich Kratky nicht einlassen, dass Hongkong nicht so gut läuft, bestätigt er indirekt mit den Worten "da ist viel Potential zu heben". Aber: neue Strecken "brauchen zwei Jahre, um die angestrebten Ziele zu erreichen". Jedenfalls seien für alle Langstrecken Maßnahmenpakete verabschiedet worden. Was das im Detail bedeutet, sagt Kratky nicht.

Die vielen neuen Mitarbeiter kosten nichts, sagt Lachinger, "sie bringen etwas, sie sind eine Investition". Sie sollen unter anderem sicherstellen, dass es im heurigen Sommer nicht wieder zu Engpässen und Flugausfällen wie im Vorjahr kommt.

AUA-Chef Kay Kratky (links) und Finanzvorstand Heinz Lachinger (Foto: Michael Csoklich).

"Wir sind in der Kostenstruktur im Konzern die Benchmark", versichert Kratky. Warum sich das nicht im Ergebnis widerspiegelt, erklärt er damit, dass Wien eine andere Klientel und Struktur habe. "Wien ist touristischer, es gibt weniger Geschäftsreisende und viel mehr Wettbewerb durch Low-Cost-Fluglinien als in Frankfurt und Zürich."

Ein bis eineinhalb Jahre Zeit hat man noch mit der Entscheidung, welche Flugzeuge den alten 767 und 777 folgen sollen, sagt Kratky. Am Ende des Jahrzehnts müssen diese sukzessive ausgetauscht werden. Durch welche Flugzeuge - Airbus A330 oder A350 bzw. Boeing 777 oder 787, das sei noch nicht entschieden. "Darauf bekommen sie heute keine konkrete Antwort, schauen wir einmal", bleibt Kratky vage.

"Wir reden da von Investitionen in der Höhe von ein bis zwei Milliarden Euro", sagt Kratky, der Konzern schaue genau darauf, wo soviel Geld investiert werde. Er spielt damit auf die Diskussionen rund um den Standort Wien und dessen Kosten an. "Wir kritisieren hier nichts, wir fordern", sagt Kratky. Es müssten sich alle Beteiligten mit den Standortfragen und mit den Zusammenhängen beschäftigen, es sei die Verantwortung aller Beteiligten, den Standort attraktiver und günstiger zu machen. Ob Gebühren oder Bürokratie oder Arbeitszeitregelungen – alle seien gefordert, stellt Kratky klar. Die Halbierung der Ticketsteuer sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug.

Die AUA selbst mache ja auch ihre Hausaufgaben. Für Finanzvorstand Lachinger ist das Ergebnis von 65 Millionen Euro "nur ein Zwischenschritt". "Wir brauchen wesentlich bessere Ergebnisse, um nachhaltig profitabel sein zu können." Man sei nicht am Ende des Weges, "sparen sei nicht abgesagt". Dazu werde laufend mit allen Partnern über Kostensenkungen verhandelt. Ein Ergebnis von zumindest 100 Millionen Euro bleibe das Ziel. Wann es erreicht werden kann, will Lachinger nicht sagen, "das wäre Scharlatanerie". Er lässt sich nur soviel entlocken: "Auf Sicht".

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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