Austrian Airlines: Business Class revisited

Im Jahr 2013 hat die AUA ihre damals nagelneuen Business Class in ihre Langstreckenflugzeuge eingebaut. Was hat sich seit damals geändert? Und hält die Premium-Klasse der österreichischen Airline noch immer, was sie verspricht? AviationNetOnline hat sich das Produkt auf mehreren Flügen angesehen.

Kulinarik hat in der AUA Business Class einen hohen Stellenwert (Foto: Martin Metzenbauer).

Im Winterflugplan 2012/13 wurden die Kabinen der Austrian-Airlines-Langstreckenflugzeuge komplett umgebaut: Neben einer überarbeiteten Economy Class erhielten die Maschinen auch eine völlig neue und zeitgemäße Business Class. Statt einer 2-3-2-Bestuhlung in der Boeing 777 und einer 2-2-2-Sitzandordnung in der 767 (wie man sie in der Review von Sam Chui aus dem Jahr 2006 sieht) durften sich die Passagiere nunmehr über Lie-Flat-Sitze in einer jeweils versetzten 1(2)-2-1(2)-Konfiguration in der 777 und einer 1-2-1-Bestuhlung in der 767 freuen. Mittlerweile sind mehr als sechs Jahre vergangen - also ein guter Zeitpunkt, um sich die Premium-Klasse an Bord der AUA-Flieger wieder einmal kritisch auf mehreren Flügen anzusehen.

Grundsätzlich hat sich seit 2013 an der Hardware nicht wahnsinnig viel geändert - mit der Ausnahme, dass die Business Class zu Gunsten der im Jahr 2018 neu eingeführten Premium Economy Class geschrumpft wurde. Mittlerweile gibt es in der Boeing 767 einheitlich 26 Business Class Plätze, in der 777 sind es 38. Im Zuge der Überarbeitung des AUA-Designs wurden ein paar Adaptierungen vorgenommen - so sind die Trennwände nun nicht mehr in Babyblau sondern in einem grauen Muster gehalten.

Vor Abflug gibt es am Drehkreuz Wien zwei Neuigkeiten für Business Class Passagiere: Zum einen wurde 2017 eine abgetrennte Premium Check In Zone eröffnet - hier kann man sich recht gut dem Geraffel rund um die normalen Schalter entziehen. Zum anderen wurden 2018 die Business Class und Senator Lounges umgebaut und präsentieren sich nun in neuem Design.

Eine der neu gestalteten Senator Lounges am Flughafen Wien (Foto: Austrian Airlines).

Ansonsten hat sich seit der Einführung der neuen Business Class nichts Wesentliches geändert - und das ist wahrscheinlich auch gut so. Das Produkt hat sich ja durchaus bewährt - und die oft charmant-lässigen Austrian-Crews sind Teil des Erlebnisses.

Ein echtes Highlight und vielleicht sogar weltweites Alleinstellungsmerkmal ist ohne Zweifel das spezielle Essen an Bord. Der Do&Co-Koch zaubert gemeinsam mit der Kabinenbesatzung kulinarische Leckereien. Die Vorspeise und das Dessert kann man sich auf vielen Flügen vom Servierwagen individuell zusammenstellen lassen - gleichermaßen kann man aus verschiedenen Hauptspeisen wählen, die auf dem Teller (und nicht auf einem Tray wie anderorts) serviert werden. Suppe und Käse runden das Angebot ab - und natürlich auch die Wiener Kaffeehauskarte.

Dass es hier zu einer Änderung kommt, war übrigens vor ein paar Monaten zu befürchten - Austrian Airlines hat das Catering neu ausgeschrieben. Nicht wenige Premium-Fluggäste haben hier vermutlich aufgeatmet, dass Do&Co hier wieder den Zuschlag bekommen hat. Zu wichtig scheint dieser Teil des AUA-Business-Class-Produkts zu sein, als dass man diesen USP verändern würde - davon zeugen nicht zuletzt Auszeichnungen wie beispielsweise der Skytrax-Award für "Best Business Class Onboard Catering".

Gegen Aufpreis kann man in der Boeing 777 auch einen "Thron" reservieren (Foto: Martin Metzenbauer).

Die Sitze sind auch sechs Jahre nach ihrer Einführung noch zeitgemäß und durchaus bequem. Auffallend war, dass das Entertainment-System bzw. die Monitore gelegentlich nicht ganz optimal funktioniert haben - Neustarts konnten die Probleme allerdings meistens lösen. Die Privatsphäre ist auch durchaus in Ordnung - auch wenn Wände und Türen wie bei manch nagelneuen Business-Class-Produkten bei Austrian Airlines fehlen. Wer auf besonders viel Platz und Privacy Wert legt, kann seit einigen Monaten (gegen Aufpreis, wenn man nicht gerade Senator oder HON ist) in der Boeing 777 einen "Thron" reservieren.

Was es bei Austrian Airlines auf der Langstreckenflotte nicht gibt, ist Internet an Bord. Dies wird sich vermutlich bei den durchwegs älteren Flugzeugen - die ja langsam auf ihre Ablöse warten - nicht mehr ändern. Dieses "Manko" kann man allerdings auch als Vorteil sehen - oder ist es nicht angenehm, sich einmal auf einem Transatlantikflug zu de-connecten, zu entspannen und den Flug zu genießen? Alternativ kann man auch das Entertainmentsystem nutzen. Hier ist man bei der AUA zwar weit weg von einem ICE-System wie bei Emirates - trotzdem wird einem dank einer respektablen (und gut kuratierten) Auswahl an Filmen und eines ansprechenden Musikprogramms wohl nicht langweilig (wenn man nicht gerade zehnmal pro Monat auf der Langstrecke fliegt).

Hat sich in den Jahren seit Einführung des neuen Business-Class-Produkts nicht extrem viel verändert, könnte sich in (mehr oder weniger naher) Zukunft auch Hardware-seitig wieder etwas tun: Die AUA-Mutter Lufthansa wird demnächst eine neue Business Class einführen - die anderen Konzern-Airlines könnten dann zwecks Einheitlichkeit folgen. Dies dürfte allerdings wohl erst dann der Fall sein, wenn Austrian Airlines ihre Langstreckenflotte erneuert - und wann das geschehen wird, steht momentan noch in den Sternen.

Desertwagen in der AUA-Business-Class (Foto: Martin Metzenbauer).

Bis dahin wird die AUA mit ihrem 2013 eingeführten Produkt weiterfliegen. Man sollte aber einerseits darauf schauen, dass die technische Infrastruktur wie die Monitore auch noch nach sechs Jahren klaglos funktionieren. Wenn die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter den AUA-Servicegedanken weiterhin leben und das kulinarische Angebot nicht zum Schlechteren verändert wird, sollte die Austrian Premium-Klasse auch in den kommenden Jahren erfolgreich unterwegs sein.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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