AUA stockt im Winterflugplan auf

Konkurrenz mit Wizzair auf Osteuropa-Stecken, doch die Geschäftsmodelle und Kundengruppen unterscheiden sich enorm.

Airbus A321 (Foto: Maros Marko).

Im Winterflugplan 2018/19 wird Austrian Airlines moderate Aufstockungen im Europastreckennetz vornehmen. So sollen ab Ende Oktober diesen Jahres zu 14 Destinationen insgesamt 40 zusätzliche Flüge pro Woche angeboten werden. Unter diesen finden sich Deutschland-Strecken, aber auch Kopenhagen, Kiew, Athen und Krakau. Laut AUA habe man die Effizienz im Netz gesteigert und könne so ohne zusätzliches Fluggerät mehr Verbindungen anbieten.

"Neben den Europaflügen erhöhen wir auch die Frequenzen nach Nordamerika", erklärt Austrian Airlines CCO Andreas Otto, der im aktuellen Austrian-Aviation-Net-Interview auch weitere Einblicke in die aktuellen Entwicklungen bei der Lufthansa-Tochter gibt. "Damit stärken wir Wien als Drehkreuz für unsere Flüge."

Ab Ende Oktober 2018 fliegt Austrian Airlines bis zu 48 Mal nach Berlin-Tegel und bis zu 36 Mal nach Düsseldorf. Das sind jeweils sieben wöchentliche Flüge mehr als noch im Winter 2017/18. Hamburg ist mit bis zu 29 wöchentlichen Verbindungen und damit 3 zusätzlichen Flügen im kommenden Winterprogramm vertreten. Insgesamt stockt Österreichs Homecarrier mit kommendem Winter das Deutschland-Angebot um bis zu 17 Flüge pro Woche auf und bietet damit insgesamt bis zu 238 wöchentliche Verbindungen von Wien nach Deutschland an. Dänemarks Hauptstadt ist ebenfalls Teil der europäischen Streckenaufstockung. Ab Ende Oktober fliegt Austrian Airlines bis zu 30 Mal pro Woche nach Kopenhagen. Das sind vier Flüge mehr als im letzten Winterflugplan. Ab Ende Oktober 2018 werden die Flüge nach Athen um vier auf insgesamt 10 wöchentliche Verbindungen erhöht. Thessaloniki wird täglich und damit dreimal öfter angeflogen als im Winterflugplan 2017/18.

Konkurrenz mit Wizzair auf Osteuropa-Strecken

Osteuropa-Routen sind für Austrian Airlines traditionell sehr wichtig, wenngleich über die letzten Jahrzehnte das ab Wien angebotene Streckennetz zunehmend schrumpft. Dies hängt auch damit zusammen, dass manche Destinationen von Tyrolean mit kleinem Fluggerät angesteuert wurden und sich diese irgendwann nicht mehr rechneten. Ohne Grund stand die AUA vor einigen Jahren nicht kurz vor der Pleite. Besonders mit Wizzair, tut sich neue Konkurrenz für Austrian Airlines auf. Während jedoch der Lowcoster auf wenige Frequenzen im Point-to-Point-Verkehr setzt, ist bei der AUA das Hub-and-Spoke-Prinzip wichtiger, weshalb die meisten Ziele in Osteuropa mindestens einmal täglich angeflogen werden.

Einen interessanten Vergleich bietet die Route Wien-Varna v.v., die von Austrian Airlines im Regelfall mindestens mit einer täglichen Rotation bedient wird. Laut Fraport befinden sich in diesen Maschinen überwiegend Umsteiger, die entweder in Wien umsteigen und dort mit Star-Alliance-Carriern weiterreisen oder eben dort umgestiegen sind und ihr Endziel die bulgarische Küstenstadt ist. Wizzair hingegen hat ausschließlich Point-to-Point-Reisende an Bord, die entweder im touristisch oder im etnischen Verkehr unterwegs sind. Auch hier gibt es wieder kleine Unterschiede, denn Touristen, die einen Urlaub am Goldstrand über einen Reiseveranstalter gebucht haben, sitzen eher in AUA-Maschinen, da Wizzair ähnlich wie Ryanair auf den Direktvertrieb über Internet und Telefon setzt, während bei der ungarischen Airline eher Individualreisende, die sich ihren Urlaub oder ihren Wien-Besuch selbst zusammengesetellt haben, an Bord sind.

Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass Austrian Airlines hier zwar eine Konkurrenzsituation hat und mit Sicherheit in geringem Umfang auch Passagiere an Wizzair verlieren wird, jedoch ist der Anteil jener Reisender an Bord der ungarischen Billigfluggesellschaft, die sich für Varna entschieden haben, weil es beispielsweise billige Tickets gab, sehr hoch. Andernfalls wäre diese Kundengruppe womöglich gar nicht geflogen. Kurz gesagt: Es wird zusätzliches Kundenpotential vor dem Ofen hergelockt und eine "ernsthafte" oder "gefährliche" Konkurrenz für die AUA würde erst dann entstehen, wenn Wizzair Wien-Varna v.v. hochfrequent anfliegen würde, wobei es hier jedoch fraglich erscheint, ob ein so großes Point-to-Point-Aufkommen generiert werden kann, so dass die Route dann hochfrequent für Wizzair profitabel wäre.

Osteuropa bleibt weiterhin ein wichtiger Markt für Austrian Airlines. Kiew wird im kommenden Winterflugplan bis zu 16 Mal angeflogen. Das sind fünf Verbindungen mehr als im letzten Winterprogramm. Insgesamt bietet Austrian Airlines ab Ende Oktober 2018 bis zu 30 wöchentliche Verbindungen zu Destinationen in die Ukraine an. Dazu gehören, neben der Hauptstadt Kiew, auch Dnipro, Lemberg und Odessa. Die Destinationen Košice, Budapest, Belgrad, Sarajevo erhalten jeweils eine zusätzliche Verbindung und werden in Summe bis zu 63 Mal pro Woche angeflogen. In Polen bietet Austrian Airlines die Destinationen Warschau und Krakau an, wobei die Flüge nach Krakau um zwei auf insgesamt bis zu 13 wöchentliche Flüge aufgestockt werden. Warschau wird wöchentlich bis zu 18 Mal angeflogen. Rumänien ist mit 3 Destinationen im Austrian Airlines Winterflugplan 2018/19 vertreten. Bukarest, Iasi und Sibiu werden in Summe bis zu 41 Mal pro Woche angeflogen. Bulgarien ist mit zwei Destinationen weiterhin fixer Bestandteil des Austrian Airlines Flugplans. Ab Ende Oktober 2018 wird die Hauptstadt Sofia bis zu 29 Mal pro Woche angeflogen. In die Küstenstadt Varna bietet Austrian Airlines eine tägliche Verbindung an. Damit starten ab kommenden Winter insgesamt bis zu 36 wöchentliche Austrian Airlines Flüge Richtung Bulgarien.

Anpassungen im Langstreckennetz

Neben der Aufnahme der klassischen Urlaubsdestination Kapstadt stockt Austrian Airlines zum Start des Winterflugplans 2018/19 auch die Langstreckenflüge nach Nordamerika auf. So geht es ab Ende Oktober 2018 bis zu 13 Mal pro Woche nach New York. Das sind sechs wöchentliche Flüge mehr als im letzten Winterflugplan. Zudem fliegt Austrian Airlines täglich nach Chicago. Das sind 2 wöchentliche Verbindungen mehr als im letzten Winterflugplan 2017/18. Toronto erhält eine zusätzliche Verbindung und wird somit fünf Mal pro Woche angeflogen.

Insgesamt fliegt Österreichs Homecarrier im kommenden Winterflugplan 2018/19 bis zu 30 Mal zu Destinationen in Nordamerika. Ergänzend zur Aufstockung der Nordamerika-Verbindungen werden auch die Frequenzen nach Tel Aviv erhöht. Passagiere, die über den Hub Wien zwischen Nordamerika und Israel reisen wollen, haben Ende Oktober 2018 mit bis zu 21 wöchentlichen Verbindungen nach Tel Aviv mehr als doppelt so viele Austrian Airlines Flüge zur Auswahl als noch im letzten Winterflugplan.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

    Special Visitors

    Alitalia / EI-EJO
    KlasJet / LY-VTA
    Rhein Mosel Flug / D-FEPG
    Flybe / G-FBEJ
    CENTURION CARGO / N986AR
    ProAir / Global Reach Aviation / D-ANSK
    SCOOT / 9V-OFI

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller