AUA-Chef von Hoensbroech will Inlandsstrecken aufgeben

Wettbewerb mit Billigfliegern "drückt" stark auf das Ergebnis der Lufthansa-Tochter.

Alexis von Hoensbroech (Foto: Austrian Airlines AG).

Austrian-Airlines-Generaldirektor Alexis von Hoensbroech hätte nichts dagegen, wenn andere österreichische Fluggesellschaften den AUA-Kollektivvertrag übernehmen würden. „Wir sind stolz auf unseren KV“, so der Manager im Gespräch mit dem ORF. Einen Branchen-KV hält er allerdings nicht für die richtige Lösung und verweist darauf, dass dies international auch absolut unüblich wäre, da sich die einzelnen Luftfahrtunternehmen zu stark unterscheiden würden.

Austrian Airlines sieht der AUA-Generaldirektor „auf dem richtigen Weg“ und verweist auf das Anfang des Jahres veröffentlichte Strategieprogramm, das unter anderem die Ausflottung der DHC Dash 8-400-Flotte vorsieht. Im Gegenzug werden weitere Mittelstreckenjets des Typs A320 eingeflottet. Laut von Hoensbroech soll diese Maßnahme Austrian Airlines gegenüber den Billigfliegern „wettbewerbsfähiger machen und damit fühlen wir uns erstmal wohl“. Bereits vor rund zwei Monaten äußerte sich der AUA-Chef dazu umfangreich gegenüber AviationNetOnline im Interview.

„Dieses Jahr haben wir eine Spezialsituation, denn es gibt fünf Billigfluggesellschaften, die sich um das recht magere Erbe von Air Berlin und Niki streiten. Das führt im Augenblick zu einem gewaltigen Preiskampf. Der Flughafen Wien hat dieses Jahr bisher 25 Prozent mehr Passagiere. In der Vergangenheit ist Wien um ein Zehntel pro Jahr gewachsen. Für den Augenblick führt das dazu, dass die Preise unter Druck sind, bei den Billigfliegern wahrscheinlich noch mehr als bei und das ist natürlich im Augenblick etwas, das auf unser Ergebnis drückt. Das ist aber nichts, das langfristig Bestand haben wird, davon gehen wir aus. Man muss ja nur eine Zeitung aufschlagen welche Schwierigkeiten diese Billigflieger teilweise haben und insofern warten wir mal ab wie sich das weiterentwickelt“, so Alexis von Hoensbroech gegenüber dem ORF. Lufthansa bekenne sich jedoch klar und deutlich zum Standort Wien. Eine Frage des Moderators, ob der Kranich „die AUA“ zusperren könnte, verneinte der AIrlinechef und verwies darauf, dass auch österreichische Eigentümer gewisse Gewinnvorgaben geben würde.

Inlandsflüge sollen aufgegeben werden

„Es ist in der Tat so, dass wir kurze Flüge nicht besonders gerne haben und wenn es die Möglichkeit gibt, dass eine Bodeninfrastruktur gut genug ist, um sie zu ersetzen, dann tun wir das gerne. Beispielsweise haben wir Linz eingestellt“, so von Hoensbroech, der auch die Aufgabe der Verbindung Wien-Graz prüfen will, selbiges gilt auch für Salzburg. Einen Zeitrahmen wollte der Manager allerdings nicht nennen, da noch keine finale Entscheidung gefallen ist. „Wien-Salzburg ist eine Strecke, die man in einigen Jahren hoffentlich nicht mehr fliegen wird.“ Von einem Verbot von Kurzstreckenflügen durch die EU hält der AUA-Chef allerdings nicht und verweist darauf, dass die Luftfahrt ein globales Geschäft ist. Das Streckennetz innerhalb Österreichs stehe ohnehin auf dem Prüfstand.

Im Gespräch mit dem ORF lehnt Alexis von Hoensbroech eine mögliche Besteuerung von Kerosin auf internationalen Flügen ab und verweist darauf, dass aufgrund des Abkommens von 1944 „Tanktourismus vermieden werden soll“ und die Branche „ihre Infrastrukturkosten komplett selbst tragen muss“. Kritik äußerte der Manager allerdings an Flügen für 19,99 Euro nach Palma de Mallorca und stellte die Frage in den Raum, ob das wirklich sein müsse.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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