AUA-Chef: "Luftholen vor dem Sprint"

Alexis von Hoensbroech möchte die Rentabilität bei Austrian Airlines verdoppeln. Bis es so weit ist, wird es allerdings noch etwas dauern.

Alexis von Hoensbroech (rechts) und Wolfgang Jani präsentieren das Jahresergebnis 2018 (Foto: Thomas Ramgraber).

Auch wenn das abgelaufene Jahr 2018 etwas weniger Gewinn abgeworfen hat als 2017 - es brachte trotzdem das zweitbeste Ergebnis von Austrian Airlines überhaupt und das sechste Gewinnjahr in Folge: 83 Millionen Euro hat das für die Branche relevante Adjusted EBIT betragen - um rund 11 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

"Wir haben ein ganz passables Ergebnis hingelegt", meinte AUA-CEO Alexis von Hoensbroech im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Donnerstagvormittag. Die Gewinnmarge war allerdings gegenüber den Konzernschwestern Lufthansa Passage und Swiss deutlich niedriger. "Wir sind uns dessen bewusst, dass 3,8 Prozent im Vergleich zu den anderen Verbundairlines zu wenig ist", gab CFO Wolfgang Jani im Rahmen der  auch unumwunden zu. Ein kleiner Trost: Eurowings lag mit einem negativen EBIT von minus 231 Millionen Euro deutlich schlechter da.

Die AUA möchte also nicht dort bleiben, wo sie derzeit ist - trotz des in Wien gegenüber den anderen Hubs vielleicht schwierigeren Umfeldes. Stichworte dazu: Weniger Kaufkraft als beispielsweise in Zürich, ein niedrigerer Anteil an vielzahlenden Passagieren oder auch die zuletzt heftige Billigflieger-Invasion am Drehkreuz Schwechat. Letzteren sagt man übrigens ganz deutlich den Kampf an - unter anderem mit Frequenzaufstockungen und günstigeren Tickets. "Wenn jemand vorhat, in Wien zu wachsen, wird er nicht viel Spaß haben", machte Alexis von Hoensbroech eine starke Ansage in Richtung der Low Cost Carrier.

Dafür, dass die Gewinnmarge nach oben zeigt, soll das im Jänner vorgestellte Konzept DriveTo25 ganz wesentlich beitragen. Dabei geht es unter anderem um Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen. Aber auch um Themen wie die Flottenvereinheitlichung, stärkere Digitalisierung - aber letztlich natürlich auch um den Personalstand. Letzteren wird man sich im Laufe des Jahres laut Wolfgang Jani "ergebnisoffen" ansehen und dann entscheiden, ob hier nicht doch noch an der einen oder anderen Schraube gedreht wird - neben der natürlichen Fluktuation wird aber auch ein Personalabbau nicht ausgeschlossen.

Optimistischer CEO und CFO (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Rentabilität (Adjusted EBIT Marge) möchte man jedenfalls in ein paar Jahren statt bei aktuell rund vier lieber bei acht Prozent sehen. Dass es in diese Richtung geht, ist alleine schon wegen des anstehenden Rollover der Langstreckenflotte notwendig. Die AUA-Spitze hofft jedenfalls auf einen Teil der am Mittwoch getätigten Bestellung von je 20 Airbus A350-900 und Boeing 787-9. Rund zwei Jahre vor Erstauslieferung wird entschieden, welche der Lufthansa-Gruppen-Airlines hieraus Flugzeuge erhält - das wäre also bereits 2020.

"Wir werden da auch unsere Bewerbung abgeben - bei guter Rentabilität und Rahmenbedingungen haben wir vielleicht auch eine Chance", erklärte Alexis von Hoensbroech, fügte jedoch gleich hinzu: "Das wird aber sicher kein einfacher Weg." Hinsichtlich der laut dem AUA-Chef "etwas betagteren Muster" der aktuellen Interkont-Flotte habe man zwar "keine Rieseneile" - langfristig müsse man sie aber freilich austauschen. Kurzum: Nächstes Jahr wird sich herausstellen, ob Austrian Airlines in den nächsten Jahren neues Gerät erhält. Eine Alternative wären allerdings auch wieder andere - etwas jüngere - gebrauchte Flugzeuge.

So schnell wird sich der ambitionierte Gewinnsprung allerdings nicht einstellen - für heuer sieht von Hoensbroech auch "kein einfaches Jahr". DriveTo25 wird nicht ohne Anlaufverluste Fahrt aufnehmen, das weiterhin sehr kompetitive Umfeld in Wien oder auch die Treibstoffkosten werden ihr Übriges dazu tun, dass das Ergebnis heuer wahrscheinlich sogar etwas schwächer sein wird als 2018. Der Austrian-CEO sieht das Jahr 2019 allerdings auch sportlich als "Luftholen vor dem Sprint".

Spannend könnte es heuer auch produktseitig werden: Obwohl hier noch keine Entscheidungen getroffen worden sind, wird wohl das Catering-Konzept auf der Kurz- und Mittelstrecke adaptiert werden. Für günstigere Tarife könnte dies auch das "Aus" von kostenlosen Getränken und Snacks an Bord bedeuten. Mehr dazu wird man im Laufe des Jahres erfahren.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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