AUA-Charter-Chefin Grubhofer: "Wir halten uns gut im Markt"

Angelika Grubhofer, Leiterin der Charterabteilung von Austrian Airlines, die auch für Auftragsflüge der Lufthansa ab München und Frankfurt zuständig ist, im Aviation-Net-Interview.

Angelika Grubhofer (Foto: Austrian Airlines).

Das Kerngeschäft der heimischen Austrian Airlines ist das Liniengeschäft, doch besonders in der Sommersaison ist Charter ebenfalls ein wichtiges Standbein. In diesem Segment bestimmt der Auftraggeber, beispielsweise ein Reisebüro, wohin es geht und trägt das wirtschaftliche Risiko des Flugs. Selbstverständlich gibt es verschiedene Stufen: Teilcharter, Vollcharter, Blocked-Space und so weiter, doch wenn man Austrian Airlines oder Lufthansa chartern möchte, sucht das Kompetenzzentrum in Wien nach einer optimalen Lösung.

Die Aviation-Net-Redakteure René Steuer und Jan Gruber trafen sich anlässlich der Ferienmesse mit Angelika Grubhofer, die für Austrian Airlines den Charterbereich leitet. Weiters ist ihre Abteilung auch für Auftragsflüge der Lufthansa ab München und Frankfurt zuständig. Die Managerin gibt Aviation-Net-Lesern einen kleinen Einblick in die Welt des Charters und nennt auch ein Beispiel wie viel denn ein Sonderflug (return) eigentlich in etwa kostet.

Aviation Net: Austrian Airlines präsentierte sich, wie jedes Jahr, auch heuer wieder auf der Ferienmesse. Was sind denn die Charterhighlights, die Austrian Airlines dieses Jahr für diverse Reiseveranstalter bedienen wird?
Angelika Grubhofer: Wir haben unser klassisches Charterprodukt für den Sommer 2019 bereits voll im Verkauf. Unser Hauptstandbein ist wieder Griechenland, wo wir nicht nur die bekannten, großen Inseln anfliegen, sondern auch kleinere. Damit haben wir auch für Individualreisende etwas im Angebot. Unser Fokus liegt heuer außerdem weiterhin auf Italien. Diese Destination haben wir in den letzten Jahren stark ausgebaut. Und dann gibt es natürlich auch noch die altbekannten kleineren Ziele wie zum Beispiel Portugal, die wir in der selben Stärke anfliegen, wie in den vergangen Jahren. Wir bieten also ein wirklich umfangreiches Produktangebot. Mit den Veranstaltern haben wir bereits vor über einem Jahr die Angebotspalette unter Dach und Fach gebracht, und sie machen dann ihre eigenen Packages daraus.

Aviation Net: Jetzt hat sich im Chartermarkt generell sehr viel geändert: Vor etwas mehr als einem Jahr der Austritt der Air Berlin oder im Vorjahr ist die Small Planet, die sehr stark im Chartergeschäft unterwegs war, nebst vielen anderen Airlines aus dem Markt ausgetreten. Konnte die AUA davon in gewisser Weise profitieren und neue Kunden akquirieren? Wie sind diese Marktveränderungen bei der AUA angekommen?
Angelika Grubhofer: Die AUA hat ganz sicher einen guten Anteil abfangen können. Wir haben in den schwierigen Zeiten bei Air Berlin und als FlyNiki Ende 2017, über Weihnachten, den Betrieb eingestellt hat, viele Kunden nach Österreich bringen können: Für die Weihnachtsfeiertage nach Hause und auch zu ihren Weihnachtsurlauben – mit Flügen, die wir eingeschoben haben.

Grundsätzlich: Das Marktverhältnis hat sich im letzten Jahr stark geändert mit vielen neuen Airlines. Wir spüren das natürlich auf den touristischen Strecken. Betrachtet man den Charterbereich, so gab es viele Neuankömmlinge, die mit ihren touristischen Produkten in den Markt gekommen sind und manche sind mittlerweile schon nicht mehr da. Wir haben uns sehr gut gehalten und haben vergangenen Sommer, trotz starkem Mitbewerb, unser komplettes Produkt erfolgreich an den Mann gebracht, und auch heuer wieder mit den Veranstaltern sehr gute Vereinbarungen erzielen können. Unser Angebot ist gleichgeblieben und insofern, haben wir uns sehr gut etabliert und können mit diesen zusätzlichen Kapazitäten, die es nun am Markt gibt, trotzdem gut mithalten.


Airbus A321 in neuer Lackierung (Foto: Thomas Ramgraber).

Aviation Net: Sie haben zusätzliche Kapazitäten angesprochen: Konnte die AUA in diesem Jahr weitere Charteraufträge gegenüber dem Vorjahr akquirieren bzw. ist da ein Wachstum zu verzeichnen oder ist es eher konstant geblieben?
Angelika Grubhofer: Es ist konstant geblieben. Bedingt auch dadurch, dass wir im Liniensegment viele Kapazitäten aufgestockt haben. Dann ist irgendwann natürlich die Flotte ausgeplant.

Aviation Net: Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark in Richtung Low-Cost-Verkehr entwickelt. Gerade die sogenannten Low-Cost-Carrier, die auch klassische Ferien-Destinationen anfliegen, haben zu Veränderungen beigetragen, so dass sich viele Reisende für einen selbstzusammengestellten Urlaub anstatt einer Pauschalreise entscheiden. Unabhängig davon, ob der Veranstalter auf der Linie einbucht oder einen Vollcharter beauftragt: Was hören Sie denn so von den Veranstaltern? Spüren diese die Konkurrenz durch Lowcoster?
Angelika Grubhofer: Aus meiner Erfahrung beklagen sich die Veranstalter in den letzten Jahren nicht. Sie haben gerade aufgrund der Entwicklungen, die sich im letzten Jahr abgespielt haben, ganz gute und erfreuliche Erfolge erzielt. Bei Austrian Airlines hat der Anteil der Individualreisenden bereits in den letzten fünf Jahren spürbar zugenommen – auch auf unseren Premium-Carrier Urlaubsflügen. Es gibt viele Passagiere, die sich ihren Urlaub selbst individuell zusammenstellen und dafür aber unsere Flugangebote nutzen. Insofern ist das  ein erfolgreiches Geschäftsfeld, das wir abdecken und über das wir sehr froh sind.

Aviation Net: Sie haben gerade ein Wort gebraucht: „Premium-Carrier“ -  wie definieren sie das?
Angelika Grubhofer: Austrian Airlines ist für mich ganz klar ein Premium-Carrier. Wenn ich das auf das Chartergeschäftsfeld umlege, beginnt bei unseren Kunden der Urlaub schon am Flug. Bei uns ist bei den Chartertickets das Freigepäck bereits inkludiert, der Kunde bekommt bei uns Gratis-Check-In und kann auch seinen Koffer ohne Zusatzkosten am Airport aufgeben. Passagiere auf myAustrian Holiday Charterflügen erhalten gratis Getränke und bekommen bei Flügen bis 2 Stunden 19 Minuten ein Hot-Panini serviert. Ab 2 Stunden 19 Minuten, also beispielsweise bereits bei Flügen nach Antalya, gibt es bei uns eine Hot-Meal Choice. Unsere Kunden schätzen das speziell auf den Rückflügen und freuen sie sich dann meisten schon auf ihr Wiener Schnitzel, das wir unter anderem auch anbieten. Das alles zusammen macht in meinen Augen einen Premium-Carrier in diesem Geschäftsfeld aus.

Aviation Net: Zu Ihrem Aufgabengebiet: Ich bin ein Reisebüro, Reiseveranstalter oder Manager eines großen Bundesligavereins und möchte bei Austrian Airlines ein Flugzeug chartern, um von A nach B und wieder zurück zu fliegen. Wie ist der Ablauf wie funktioniert das ein Flugzeug zu chartern?
Angelika Grubhofer: Das ist eine spannende Frage. Es gibt unterschiedliche Prozesse, denn mit einem Reiseveranstalter sitzen wir bereits ein Jahr im Voraus zusammen und fixieren die Flüge, die er braucht und berücksichtigen das in unserer Flotteneinsatzplanung mit ein. Es gibt aber natürlich auch ein anderes Chartergeschäftsfeld, das wir ebenfalls bedienen: Adhoc-Charter, also Einzelcharterflüge, die teilweise auch sehr kurzfristig angefragt werden. In so einem Fall wendet sich der Kunde an die Charterabteilung, charter@austrian.com, schickt eine Anfrage per Mail oder ruft uns direkt an. Wir haben hierfür zwei Mitarbeiter, die in der Branche bekannt sind. Die beiden Kollegen prüfen dann alle im Haus notwendigen Prozesse, schicken dem Kunden ein Angebot und kümmern sich um die vertragliche Absicherung. Wir begleiten die Flüge dann aus dem Büro heraus.

Aviation Net: Jetzt nehmen wir an: Wir wollen einen kleinen Wochenendausflug machen, also mit vielen Freunden natürlich und wollen dazu einen Airbus chartern. Mit welchen Kosten müsste man so ungefähr rechnen bzw. was kostet so ein Charter ungefähr?
Angelika Grubhofer: Die Kosten für einen Charterflug hängen von vielen Faktoren ab, etwa von der Uhrzeit, oder auch davon, ob und wie viele Flüge hierfür gestrichen werden müssten. Lassen Sie mich aber ein konkretes Beispiel nennen: Wir hatten im letzten Sommer einen Charter nach Valencia, Hinflug am Freitag, Rückflug am Montag. Die Kosten haben in etwa 90.000 Euro ausgemacht. In diesem Fall mussten wir das Flugzeug natürlich für die weitere Wochenendoperation wieder nach Wien zurückholen, während die Kunden ein supersportliches Wochenende in Valencia und Umgebung verbracht haben.


Auch die Boeing 777 kann gechartert werden. Dafür entschied sich beispielsweise Audi vor einiger Zeit auf der Route Tegel-Wien (Foto: Daniel Egger).  

Aviation Net: Gerade besonders junge Leute wie Studenten oder Schüler haben ja meistens ein kleines Reisebudget. Wohin kann man mit Austrian Airlines für unter 100 Euro an den Strand hin und retour fliegen?
Angelika Grubhofer: Am Charter wird das schwierig, denn da haben wir einen Mindestpreis von 118 Euro Roundtrip, dafür inklusive Reisegepäck. Also wenn sie 18 Euro mehr auftreiben können, gibt es viele italienische Strecken, zum Beispiel Olbia oder Palermo , auf denen sich das ausgeht. Wir haben aber auch einige Flüge in unserem Linienangebot, auf denen Sie für 89 Euro hin und retour fliegen können. Das sind zum Beispiel Dubrovnik, Larnaca, Nizza oder Thessaloniki. Da sollte sich also in jedem Fall etwas finden lassen!

Aviation Net: Was sind Ihre persönlichen Pläne für die nächsten Jahre bei Austrian Airlines?
Angelika Grubhofer: Meine Pläne sind: Weiterhin erfolgreich das Chartergeschäftsfeld für die Austrian vorantreiben. Ich verantworte seit April letzten Jahres auch die Charterabteilung der Lufthansa. Das ist eine schöne Weiterentwicklung für das Geschäftsfeld, das wir bei Austrian sehr erfolgreich etabliert haben auch die Kompetenz in die Gruppe zu tragen. Und ich hoffe noch sehr viele Jahre weiter an dieser sehr spannenden Herausforderung teilhaben zu dürfen.

Aviation Net: Das heißt sie sind das Charterkompetenzzentrum der Lufthansa Group?
Angelika Grubhofer: So kann man das formulieren, wobei sich die Lufthansa Group, was sich dieses Geschäftsfeld anbelangt, auf die Hubs Frankfurt, München und Wien konzentriert.

Aviation Net: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Grubhofer.

Autor: René Steuer
Redakteur
René ist seit Oktober 2018 für Aviation Net tätig und bringt frischen Elan in die Redaktion.
    Autor: Jan Gruber
    Leitender Redakteur
    Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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