AUA: Brutale Wahrheit zum Geburtstagsfest

Lufthansa CEO Carsten Spohr ist heute in Wien. Denn es gilt, 60 Jahre AUA zu feiern. Da wird dann das Angenehme gleich mit dem Nützlichen verbunden. Denn Spohr nutzt den Besuch, um Verkehrsminister Norbert Hofer und Bundeskanzler Sebastian Kurz zu treffen. Und es gab einen Medientermin gemeinsam mit AUA CEO Kay Kratky. Michael Csoklich war dabei.

AUA-Chef Kratky und Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr (Foto: Michael Csoklich).

Es sind klare Botschaften, die Carsten Spohr heute bei seiner Wien-Reise im Gepäck hat. Botschaften an die AUA und an die Politik. „Nicht ob die AUA eine Zukunft hat ist heute die Frage, sondern wie diese aussieht“, sagte Spohr. Sie habe ihr Potential noch nicht voll entfaltet. Die Rendite betrage nur ein Drittel der von Lufthansa und Swiss, und die AUA betreibe zwar 10% der Flugzeuge des Konzerns, steuere aber nur 4% zum Ergebnis bei. Spohr: „Die brutale Wahrheit ist, dass die AUA im Superjahr 2017 von den Fluglinien in Europa nur den vorletzten Platz beim Wachstum belegt.“ Und er ergänzte: es gibt einen essentiellen Zusammenhang zwischen Kosten und Wachstum. Wenn im Konzern eine Fluglinie zu hohe Kosten hat, wird sie weniger Flugzeuge haben und weniger fliegen, andersherum, wenn die Kosten niedrig sind. 

Weniger klar ist, wie die AUA ihr Ergebnis verbessern kann. Besonders angesichts der starken Billigflugkonkurrenz in Wien. Kosten senken, Produktivität steigern, mehr Effizienz und beste Qualität - so das, nicht neue, Credo von Spohr und Kay Kratky. Kratky erklärte, die Struktur und die Destinationen der Langstrecke werden alle auf den Prüfstand gestellt. Lieber unrentable Strecken aufgeben und rentable öfter fliegen. Und es werde geprüft, ob die AUA wirklich alles selber machen muss oder ob das eine oder andere im Lufthansa-Verbund besser gemacht werden könne oder ganz ausgelagert wird. 

In diesem Zusammenhang betont Spohr, wie wichtig es sein, dass der Lufthansa-Konzern mit seinen 130.000 Mitarbeitern und 36 Mrd. € Umsatz seine Kräfte bündle und mit einer Stimme spreche. Denn die Konsolidierung in Europa sei noch lange nicht zu Ende. 

Weil Frankfurt beim Preis und der Qualität nicht den Vorstellungen der Lufthansa entspricht, will Spohr die anderen Drehkreuze des Konzerns wie Zürich, München und Wien forcieren. In München wurden ja die neuen A350 stationiert und 5 A380 von Frankfurt nach München verlegt. Die Swiss in Zürich bekommt 2 neue Boeing 777. Und womit wird Wien gestärkt, wird Spohr gefragt? Prompt kommt er wieder zu den Kosten am Drehkreuz Wien. Wer Verkehr haben will, braucht niedrige Kosten, sagt Spohr. 

Das viel diskutierte Thema Erneuerung der alten AUA-Langstreckenflugzeuge darf da nicht fehlen. Spohr ist da unmissverständlich: Momentan kann sich die AUA die Refinanzierung der Flugzeuge nicht leisten. Und diese müsse ja nicht nur in guten Jahren wie 2017 sondern auch in schlechten gewährleistet sein. Bestellt würden neue Flugzeuge daher erst, wenn „wir sicher sind, dass die AUA sich diese auch leisten kann. Die Entscheidung wird nicht heuer fallen“, sagt Spohr. 

Apropos Kosten und Kosten senken. Auf dem Terminplan Spohrs standen auch Treffen mit Verkehrsminister Norbert Hofer und Bundeskanzler Sebastian Kurz. Beiden legte Spohr eindringlich dar, dass Standorte, an denen die Fluglinie, die Flugsicherung, der Flughafen und die Politik gut zusammenspielen, am besten wachsen. Als Beispiele nannte Spohr München, Istanbul oder Panama. „Wo gut zusammengearbeitet wird, gibt es mehr Verkehr“, so Spohr. Verbunden sind damit auch (alte) Forderungen nach Gebührensenkung bei der Flugsicherung und beim Flughafen Wien sowie an die Politik nach Abschaffung der (restlichen) Ticketsteuer.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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