AUA-Bordpersonal: Der neue Kollektivvertrag

Flugstundenzahl soll erhöht werden. Scope Clause könnte auf 145 Sitze erweitert werden.

Letztes Update: 23.01.2012 um 12:20 Uhr.

Dass die AUA erneut den Sparstift ansetzen muss, hat CEO Jaan Albrecht vor kurzem im Rahmen einer Pressekonferenz angekündigt. Dabei soll auch die "heilige Kuh" Kollektivvertrag angetastet werden. Austrian Aviation Net konnte sich den vorläufigen Entwurf der Geschäftsführung für das fliegende Personal ansehen.

Einer der wichtigsten Punkte dürfte eine deutliche Anhebung der möglichen Flugstunden (Blockstunden) sein. Diese sollen auf 100 Stunden pro Monat (bzw. 300 Stunden pro Quartal und 900 Stunden pro Jahr) erhöht werden können. Bislang waren es monatlich 90 Stunden, die AUA-Piloten laut Kollektivvertrag maximal unterwegs sein durften (die gesamte Arbeitszeit mit Flugvorbereitungen etc. ist natürlich länger). Ab etwa 70 Stunden wurde bislang mehr bezahlt - das könnte mit dem neuen Entwurf wegfallen.

Ob angesichts der Flottenreduzierung die 900 Stunden pro Jahr wirklich ausgereizt werden, ist mehr als fraglich. Eine höhere Arbeitsbelastung in den "starken" Sommermonaten ist dabei allerdings wahrscheinlich.

Was die Dienstplangestaltung betrifft, soll es auch einige Änderungen geben: So können laut dem KV-Vorschlag die Dienstpläne statt bisher am 20. des Vormonats erst am 25. ausgegeben werden. Auch kann der Dienstplan bis 10 Tage im Voraus komplett und ohne Einschränkungen geändert werden. Danach sind aber auch kleinere Dienstplanänderungen - wie etwa eine Vorverlegung von Check-In um maximal zwei Stunden - zulässig.

Eine andere Änderung, die vor allem für Tyrolean Folgen haben kann: Die sogenannte Scope Clause soll auf 145 Sitzplätze erhöht werden. Konkret bedeutet das, dass die AUA künftig Flugzeuge ab 145 Sitzen betreiben wird, alles was darunter ist, wird von Austrian arrows geflogen. Damit dürfte auch die Forderung der Tyrolean-Piloten erfüllt sein, die bisher nur Flugzeuge bis zu 110 Sitzen operieren durfte. Wichtig ist dieser Punkt in Bezug auf das Fokker-Nachfolgemuster, welches wohl in dieser Größenordnung liegen wird.

Ein Stein des Anstoßes könnte die im KV-Entwurf enthaltene "Krisenregelung" sein. Eine solche liegt zum Beispiel bei höherer Gewalt oder einer "wesentlichen wirtschaftlichen Bedrohung" der Austrian Airlines vor. In diesen Fällen können die Gehaltstabellenwerte um 10 Prozentpunkte auf 90% reduziert.

Kritik zu diesem Punkt ist zu erwarten. Die "wirtschaftliche Bedrohung" ist recht großzügig definiert: Entweder wenn die Eigenmittelquote ≤ 15 Prozent beträgt, die liquiden Mittel in drei aufeinanderfolgenden Kalendermonaten jeweils ≤ 50 Millionen Euro betragen oder wenn die ASKs innerhalb einer Flugplanperiode um ≥ 5 Prozent zur Budget-Planung reduziert werden.

Aber auch Themen wie automatische Inflationsanpassung und automatische Gehaltserhöhungen, Sonderregelungen für Abfertigungen und Pension und verschiedene Zulagen werden in dem Papier angesprochen.

Bei der AUA selbst will man sich im Detail gegenüber den Medien nicht äußern. Austrian Airlines-Sprecher Michael Braun zu Austrian Aviation Net: "Was wir sagen können ist, dass wir die Kollektivverträge modernisieren müssen. Sonderregelungen, die vor 50 Jahren geschaffen wurden, können heute in der Luftfahrtindustrie einfach nicht mehr verdient werden. Wir müssen daher jene historischen Regelungen, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind, an das Marktniveau anpassen."

Das Paket wird nun mit den den Belegschaftsvertretern verhandelt. Es soll laut Braun keinen Mitarbeiterabbau und keine Kürzung der Ist-Gehälter geben.

Autor: Martin Metzenbauer
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