Anisec streicht erneut zwei Kurspaare

Betroffene Reisende wurden auf Vueling umgebucht.

Airbus A321-200 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Anisec Luftfahrt GmbH streicht in jüngerer Vergangenheit wiederholt kurzfristig Flüge. Betroffen sind am heutigen Mittwochnachmittag beispielsweise das Kurspaar VK4000/VK4001 (Wien-Palma-Wien) und Paris-Umlauf (VK2000/VK2001). Ein Betriebsangehöriger äußerte gegenüber Austrian Aviation Net, dass man "sehr schwach ausgelastete Rotationen gelegentlich ausdünne, insbesondere dann wenn es Parallelverkehre von Vueling gibt".

Ursache des Ausfalls der beiden Kurspaare war am Mittwoch allerdings nicht mangelnde Auslastung, sondern ein technischer Defekt am Airbus A321 mit der Registrierung OE-LCR, wie ein Sprecher gegenüber Austrian Aviation Net bestätigte. Die Maschine konnte am Vorfeld repariert werden. Aufgrund des Technicals sind die eingangs genannten Kurspaare gestrichen worden.

Dem Vernehmen nach wurden die betroffenen Fluggäste auf die jeweiligen Maschinen von Konzernschwester Vueling von/nach Paris-Charles de Gaulle und Palma de Mallorca umgebucht. Drei von vier Anisec-Flugzeugen in Level-Lackierung wurden am Mittwoch eingesetzt. Die OE-LCR befindet sich zur Stunde ungenutzt auf dem Flughafen Wien-Schwechat.

Das Beispiel des Markteintritts von Anisec in Wien zeigt auch deutlich, dass das Umfeld äußerst wettbewerbsintensiv ist und sich Anlaufphasen durchaus länger hinziehen können. Die Aufgabe der Mailand-Route verdeutlicht dies, denn die Geduld des Managements ist offensichtlich nicht unendlich. Da helfen auch Social-Media-Fanboys, die jede Kritik an dieser Fluggesellschaft anfeinden, nichts. Eher würden diese "Fanboys" mit dem Erwerb von vielen Flugtickets helfen... Unabhängig davon wird der Sommerflugplan 2019 für sämtliche Anbieter in Wien sehr spannend, denn nahezu alle Player, insbesondere im Lowcost-Segment, wollen weiter expandieren und werden sich noch weiter gegenseitig in die Quere kommen. Profitieren werden davon die Kunden, denn das Preisniveau wird auf wettbewerbsintensiven Routen niedrig sein. Abzuwarten bleibt jedoch welche "Streckenjustierungen" von den einzelnen Anbietern dann vorgenommen werden müssen.

Weiters verlegte die Anisec Luftfahrt GmbH mit Einmeldedatum vom 11. September 2018 ihren offiziellen Firmensitz vom 22. Wiener Gemeindebezirk in den Office Park I des Wiener Flughafens. Dadurch änderte sich auch die Gerichtszuständigkeit, denn der Airport befindet sich nicht im Sprengel des Handelsgericht Wien, sondern in jenem des Landesgericht Korneuburg.

Trigema-Chef berichtet über sein Leiden mit Eurowings

Kurzfristige Streichungen aufgrund schwacher Buchungszahlen sind definitiv kein Anisec-spezifisches Problem. Insbesondere die Lufthansa Group steht in Deutschland im Kreuzfeuer der Kritik, denn die Tochtergesellschaft Eurowings bietet auf vielen Routen, beispielsweise Stuttgart-Berlin, hochfrequente Verkehre an. Fast schon systematisch werden am Abflugtag auffällig häufig einzelne Kurse gestrichen und die betroffenen Fluggäste auf spätere Maschinen umgebucht. Dies bringt gelegentlich Geschäftsreisende regelrecht auf die Palme, wobei Trigema-Eigentümer Wolfgang Grupp mittlerweile einen öffentlichen Privatstreit mit Carsten Spohr führt. Der Unternehmer veröffentlicht regelmäßig in offenen Briefen seine Leidensgeschichten mit Lufthansa und Eurowings. Von Nichtbeförderung wegen überbuchten Flugzeugen, über systematische Zusammenlegung schwach ausgelasteter Flüge bis hin zu Gepäck, das nie am Zielort angekommen ist, ist eigentlich so ziemlich alles dabei. Eurowings erscheint als Extremfall, doch ist es gängige Praxis - auch bei Lufthansa und Austrian Airlines - dass besonders schwach gebuchte Kurse kurzfristig gestrichen werden. Sofern die Annullierung nicht auf Umständen der höheren Gewalt (beispielsweise schwere Unwetter, die das Starten am Ursprungsflughafen oder das Landen am Zielflughafen unmöglich machen) basieren, stehen Reisenden je nach Streckenlänge zwischen 250 und 600 Euro an Entschädigungsleistung zu. Diese müssen jedoch von den Passagieren aktiv eingefordert werden, denn proaktiv zahlt diese leider keine Airline aus.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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