Anisec: "Lernen wie der Markt Österreich funktioniert"

Vueling-Kommunikationsdirektor Gabriele Cagliani: "Anpassungen sind weder für die Branche noch für Level eine Neuheit."

Boarding am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

Der heimische Level-Franchisenehmer Anisec musste nachfragebedingt zwei Drittel des ursprünglich geplanten Flugplans ausdünnen, denn im Vergleich mit Mitbewerbern im Wiener Lowcost-Segment machen sich saisonale Schwankungen überdurchschnittlich stark bemerkbar. Das Unternehmen bestätigt auf Anfrage, dass man derzeit nur fünf bis acht tägliche Abflüge ab Wien durchführt.

Dazu Gabriele Cagliani, Kommunikationsdirektor von Konzernschwester Vueling, die nun auch die Öffentlichkeitsarbeit von Anisec verantwortet: „Österreich ist für Level ein neuer Markt und wir lernen wie Nachfrage und Verkaufsströme reagieren. In diesem Zusammenhang passen wir unsere Frequenzen ständig an die saisonale Nachfrage an. Derzeit bieten wir täglich ab Wien fünf bis acht Flüge zu neun verschiedenen Zielen an. Die Frequenzen von mehr als einem Drittel der ursprünglichen Ziele blieb unverändert. Anpassungen sind weder für die Branche noch für Level eine Neuheit.“

Buchungen auch weiterhin nicht direkt über flylevel.com

Angesprochen auf die Tatsache, dass für Buchungen die Domain flylevel.com beworben wird, jedoch anschließend eine Weiterleitung auf vueling.com erfolgt, sagte Cagliani: „Derzeit nutzen wir konzernweit die besten Ressourcen zur Verkaufsunterstützung und für Kurzstrecken ist Vueling die beste Option. Etwaige Entwicklungen werden rechtzeitig bekannt gegeben.“ Das bedeutet auch, dass Flugscheine in absehbarer Zeit nicht direkt über flylevel.com gebucht werden können, sondern weiterhin lediglich über Vueling und/oder Reisebüros.


Airbus A321 (Foto: Jan Gruber).

In Werbeflyern, die unter anderem an Bord der vier A321, die von Anisec betrieben werden, ausliegen wird unter anderem für Umsteigeverbindungen via Barcelona und Paris geworben. Bei der französischen Hauptstad haben diese allerdings innerhalb des Level-Brands einen kleinen, aber komplizierten Haken, denn Anisec bedient den Flughafen Charles de Gaulle während Konzernschwester OpenSkies, ebenfalls unter der Level-Marke fliegend, den Airport Orly nutzt. Angesprochen auf diesem Umstand antwortete der Manager: „Umsteigeverbindungen sind etwas, das wir in einer weiteren Phase untersuchen. Österreich ist, wie gesagt, ein neuer Markt für uns und wir lernen, wie man den Markt bearbeitet.“ Auf die durchaus verwirrende Information in den Flyern ging sie jedoch nicht ein.

Der Sommerflugplan 2019 wurde laut Unternehmensangaben noch nicht vollständig veröffentlicht und zur Buchung freigegeben. Man habe jedoch „bereits einen relevanten Teil“ buchbar gemacht und werde „den Flugplan für Sommer 2019 in den nächsten Wochen weiterhin veröffentlichen“.

Anisec: Wien ist verspätungsanfällig

Wien erweist sich für Anisec allerdings auch aus anderen Gründen als durchaus kompliziertes Pflaster, denn Gabriele Cagliani deutete auch an, dass der Airport verspätungsanfällig ist und verwies auf eine Statistik der Eurocontrol, die dem größten heimischen Flughafen den unrühmlichen sechsten Platz im Ranking der unpünktlichsten Airports Europas ausweist. Bei der Statistik geht es um Verspätungen auf den Luftstraßen. Die Flughafen Wien AG betont auf Anfrage, dass die Problematik im Bereich der Routes liegt und damit im Verantwortungsbereich der Flugsicherung - Austro Control - und nicht beim Airport. Wien und einige andere Flughäfen im Anisec-Streckennetz führten gelegentlich zu Verspätungen, für die sich die Airline entschuldigt, jedoch kennen Reisende die Zusammenhänge wie Delays zustande kommen oftmals nicht. Gerade das Jahr 2018 hat gezeigt, dass nicht zwangsläufig trödelnde Passagiere oder Besatzungen die Schuld tragen, sondern auch äußere Umstände wie überlastete Airports, Flugsicherungen, Streiks oder schlechtes Wetter eine erhebliche Mitschuld tragen können.

„Wie auch Airlines4Europe kürzlich sagte: 2018 entwickelt sich zu einem der schlechtesten verzeichneten Jahre für Flugsicherungsverzögerungen und Flugannullierungen eines ganzen Jahrzehnts. Eurocontrol schätzt, dass die Gesamtverspätungsminuten für das gesamte Jahr aufgrund von Streiks und Kapazitätsengpässen um 53 Prozent steigen werden: 14,3 Millionen Minuten im Jahr 2018 gegenüber 9,3 Millionen Minuten im Jahr 2017“, so Cagliani. „In diesem Umfeld ist der Flughafen Wien laut der Eurocontrol-Statistik ebenfalls stark betroffen.“


(Grafik: Eurocontrol).

Angesprochen auf die bislang desaströse Öffentlichkeitsarbeit, die im direkten Vergleich mit anderen in Österreich tätigen Fluggesellschaften auch eine unterdurchschnittlich geringe Medienpräsenz zu Folge hat, verspricht Gabriele Cagliani Verbesserung: „Wir sind an einer Zusammenarbeit mit österreichischen Medien interessiert und werden sicherstellen, dass alle Anfragen der Medien in Zukunft so schnell wie möglich bearbeitet werden.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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