Anisec-Flotte erhält Kabinen-Refreshment

Konzerntochter ist auch Versuchsträger für neues Franchisemodell, das anderen Airlines schmackhaft gemacht werden soll.

Airbus A321-200 am Flughafen Wien (Foto: Thomas Ramgraber).

Im Rahmen einer Kapitalmarktkonferenz äußerte sich die International Airlines Group näher zu ihren Plänen betreffend der Konzerntochter Anisec Luftfahrt GmbH, insbesondere jedoch zur zukünftigen Positionierung des Level-Brands, das man künftig weltweit als Franchisemarke anderen Fluggesellschaften zur Nutzung verkaufen möchte.

Anisec Luftfahrt spielt dabei eine Pionierrolle, denn im Gegensatz zur Konzernschwester OpenSkies, die ebenfalls unter dem Level-Brand aktiv ist, bezeichnet man "Level Austria" als Franchisenehmer und nicht - wie beispielsweise Level France - als "direkte Konzerntochter". Das bedeutet in weiterer Folge auch, dass Anisec als Versuchsträger für das beabsichtigte Franchisemodell, das die IAG an andere Fluggesellschaften verkaufen möchte, dient.

Hierzu ist auch festzustellen, dass die Marke British Airways in der Vergangenheit wiederholt auch im Rahmen von Franchise-Verträgen zur Nutzung lizenziert wurde und wird. Ein durchaus bekannter Lizenznehmer ist Sun Air of Scandinavia. Das dänische Unternehmen fliegt beispielsweise ab Friedrichshafen nach Hamburg und Düsseldorf unter Nutzung der Marke und Flugnummern von British Airways.

Zu den Gründen warum sich die IAG mit der Anisec Luftfahrt GmbH zur Errichtung einer eigenen Tochtergesellschaft in Wien entschieden hat, schreibt der Konzern: "Das Fehlen von wirklich kostengünstigen Angeboten in Wien bot der IAG die Möglichkeit sich mit einem Kurzstrecken-LCC-Betrieb in Wien zu etablieren. Weiters nutzt Anisec die Gruppeninfrastruktur - und fähigkeiten, was zu geringen Betriebskosten in Wien führt. Opportunistisch kann dadurch die Marke Level im Rahmen der Pan-European-Vision auf weitere Kurzstrecken ausgeweitet werden. Durch die Nutzung bestehender IAG-Markenprodukte entstehen niedrige Kosten."

Kabinenumbau der Anisec-Flotte im Winter 2018/19

Das Franchisemodell, das die IAG bei Anisec Luftfahrt GmbH erstmals zur Anwendung gebracht hat, sieht laut Präsentation vor, dass die Marke, die Technologie und das kommerzielle Geschäftsmodell an einen Operator (Franchisenehmer) lizenziert werden, der damit auf eigene Rechnung operieren kann. Wie erwähnt ist Anisec - obwohl eine IAG-Konzerntochter - der erste Franchisenehmer.

Kernzielgruppe der Level-Austria-Operation ist die DACH-Region. Dies deutet zumindest darauf hin, dass möglicherweise auch eine Expansion in Richtung Deutschland und Schweiz angedacht ist. Weiters soll die momentan aus vier Airbus A321-200 bestehende Flotte bis Sommer 2019 auf insgesamt sieben Flugzeuge ausgebaut werden. Im Winter 2018 werden an der Bestandsflotte Umbauarbeiten vorgenommen, denn die Kabine soll vollständig auf ein neues Level-Design, das an jenem der Langstreckenoperation orientiert ist, umgerüstet werden.


Das von Anisec bediente Level-Streckennetz ab Wien (Grafik: IAG).

Dies soll auch der Grund dafür sein, dass auf einigen Routen ab Wien die Frequenzen zurückgefahren wurden und manche Destinationen auch gar nicht im Winterflugplan 2018/19 bedient werden. Die IAG erklärt, dass man ab Wien in der laufenden Periode zwischen 84 und 98 wöchentliche Flüge zu acht bis zehn Destinationen anbieten würde. Zum Vergleich: Laut Konzernangaben bediente man im Sommerflugplan 14 Städte mit bis zu 168 wöchentlichen Flügen.

Positionierung als "besserer Lowcoster"

Während die Marke Vueling weiter als eine Art "Ultralowcoster" positioniert bleiben soll, will man Level auf der Kurzstrecke eher als eine Art "Premium-Low-Coster" positionieren. Angesprochen werden sollen insbesondere Kunden, denen es nicht nur um den billigsten Flugpreis geht, sondern die auch bereit sind die eine oder andere Zusatzleistung zu erwerben. Dies führt auch dazu, dass einige Routen, die momentan unter dem Vueling-Brand bedient werden, nach und nach auf Level umgestellt werden könnten. Wien wurde durch eine aggressive Preisstrategie rund um den Markteintritt jedoch zunächst als Ultralowcost positioniert, entwickelt sich jedoch zum von IAG als Sparte "Frugal Fun", also "Premium-Lowcost" weiter. Vueling hingegen ist als "Frugal First", sprich Ultralowcoster positioniert.


Grafik: IAG.

Hinsichtlich der Flottenplanung, die die komplette Level-Operation der IAG betrifft, teilte die IAG mit, dass eine Expansion auf 14 Maschinen in 2019 bevorsteht. Davon werden drei Jets nach Wien kommen und je einer nach Barcelona und Paris-Orly. Bis 2023 könnten 28 weitere Flugzeuge unter Level operieren, so dass die Gesamtflotte auf 42 Jets anwachsen könnte. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Planungen eventuelle unabhängige Franchisenehmer, die möglicherweise an Land gezogen werden könnten.

Während in Paris-Orly und Barcelona auf der Langstrecke expandiert wird, ist diese für Wien derzeit kein Thema mehr, denn zumindest sind in den strategischen Plänen, die präsentiert wurden, keinerlei Ankündigungen für Long-Haul-Operations ab Wien enthalten. Der österreichische Hauptstadtflughafen ist explizit als "Short-Haul-Base" deklariert. Dies schließt jedoch nichts aus, denn in der Branche ändern sich Pläne häufig. Auch sind weitere Städte für die Marke Level auf der Kurzstrecke angedacht, wobei diese teilweise durch Übergabe der Route von Vueling an Level ins Netz kommen und gleichzeitig auch zusätzliche Bases geprüft werden. Nähere Einzelheiten dazu wurden jedoch nicht veröffentlicht. 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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