Anisec-Chef Frank Glander: "Wir haben keine Bestrebungen Wien zu verlassen"

Die beiden Geschäftsführer des österreichischen Level-Franchisenehmers weisen es zurück, dass ein Abbau oder gar die Schließung der Basis Wien verkündet worden wäre und stellen klar, dass man "bestrebt ist in Wien und Amsterdam weiter auszubauen". Weiters stellt Frank Glander einige Maßnahmen vor, mit denen die Auslastung unter Nutzung von Synergien innerhalb der IAG verbessert werden soll. Co-Chef Krassimir Tanev verweist auf einen einen 60-prozentigen Kapazitätsausbau.

Airbus A321 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die jüngsten Streckennetzanpassungen bei der österreichischen Fluggesellschaft Anisec, die der IAG angehört, sind laut Geschäftsführer Frank Glander kein Zeichen für einen geplanten Rückzug aus Wien. Auch hätte es gegenüber den Mitarbeitern keine derartigen Ankündigungen gegeben. „Wir sind bestrebt unsere bestehenden Bases Wien und Amsterdam weiter auszubauen“, so Glander.

"Wir suchen nach den besten Möglichkeiten, um unser Geschäft an unseren beiden Standorten - Wien und Amsterdam - weiterzuentwickeln. Wir sind weiterhin fest entschlossen, auf beiden Märkten langfristig zu wachsen", fügt Co-Geschäftsführer Krassimir Tanev gegenüber AviationNetOnline hinzu.

Mit der OE-LVS und der OE-LVT wird die Flotte um zwei weitere Airbus A320 ausgebaut. Diese sollen in Wien stationiert werden. „Unser zweiter A320 wird im Juni 2019 kommen und unser dritter Mitte August 2019. Die beiden Maschinen werden in Wien stationiert, während zwei Airbus A321 zu unserer Basis Amsterdam wechseln werden“, erklärt Frank Glander im Gespräch mit AviationNetOnline die kurzfristigen Flottenpläne.

IAG-interne Codeshares sollen die Auslastung verbessern und neue Verbindungen bringen

Angesprochen auf die geplante dritte Basis sagte der Anisec-Geschäftsführer: „Die wird definitiv kommen, aber wann und wo kann ich noch nicht sagen. Mit Stand heute gibt es noch nichts belastbares, das wir ankündigen könnten, denn die finalen Entscheidungen sind nicht getroffen worden.“ Auch auf einen Zeitrahmen wollte sich Glander nicht festlegen.

Anisec gilt unter den in Wien tätigen Lowcostern als jener mit der schwächsten Auslastung. Konfrontiert damit und sagte Frank Glander gegenüber AviationNetOnline auf die Frage, ob ein Vertriebsproblem vorliegt: „Ein Vertriebsproblem haben wir nicht. Ich denke, dass wir da ganz gut aufgestellt sind. In den letzten Wochen und Monaten konnten wir einen erheblichen Anstieg der Buchungszahlen und der Auslastung verzeichnen.“ Die jüngsten Reduktionen und die Streichung von Kopenhagen sollen jedenfalls nicht im Zusammenhang mit der Auslastung oder gar kolportierten Rückzugsplänen, die es laut Frank Glander „definitiv nicht gibt“, stehen.

„Fluggesellschaften müssen ihr Streckennetz regelmäßig justieren. Das führt dazu, dass man beispielsweise von einer Route Frequenzen wegnimmt, um auf einer anderen Route aufstocken zu können. Genau das haben wir gemacht“, so Frank Glander.

"Wir hatten zusätzliche Puffer in unserer Sommerkapazität in Wien, die wir effizienter einsetzen wollten, was zu Anpassungen unserer Sommerkapazität geführt hat, wenn dies aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Trotzdem steigern wir unser Sommerprogramm in Wien um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr", ergänzt Krassimir Tanev.

Auch erwartet sich Frank Glander zusätzliche Passagiere und damit eine steigende Auslastung durch Codeshare-Abkommen mit anderen Fluggesellschaften. „Da sind wir intensiv dran“, kündigt der Geschäftsführer des österreichischen Level-Franchisenehmers an. „Zunächst werden Codeshares innerhalb der International Airlines Group kommen. Das bedeutet, dass wir zusätzliche Verbindungen mit den Konzernairlines anbieten können und diese umgekehrt zusätzliche Verbindungen mit unseren Flügen anbieten können. In Kürze wird es soweit sein.“


Ab Mitte August 2019 sollen in Wien drei A320 und ein A321 stationiert sein. In Amsterdam setzt man auf drei A321 (Foto: Thomas Ramgraber).

Anisec ist eine Tochtergesellschaft der International Airlines Group, der unter anderem British Airways, Iberia, OpenSkies, Vueling und Aer Lingus angehören. Mit der spanischen Billigschwester Vueling besteht bereits eine intensive Zusammenarbeit, denn die Flüge der Österreicher können nicht nur über die Homepage der Spanier gebucht werden, sondern auch im Rahmen von Umsteigeverbindungen miteinander kombiniert werden. Die von Glander angekündigten konzerninternen Codeshares könnten dann auch dazu führen, dass beispielsweise ab Barcelona Anschlüsse mit Iberia (inklusive Level, operated by Iberia) zur Verfügung stehen. Selbiges gilt auch für London-Gatwick und British Airways. Umgekehrt können die Partner dann unter ihrem Code auch Anschlüsse auf „operated by Anisec“-Verbindungen verkaufen.

IAG plant paneuropäisch, in Wien läuft ein Verdrängungswettbewerb

Wohin die Reise langfristig gehen soll, deutete Konzernchef Willie Walsh rund um die Präsentation der Level-Basis Amsterdam, die von Anisec betrieben wird, bereits an: In Europa sollen zahlreiche Level-Short-Haul-Bases eröffnet werden und diese sollen auch mit dem Langstreckenprodukt ab Barcelona und Paris-Orly vernetzt werden. Auch ist bereits bekannt, dass primär außerspanische Vueling-Bases an Anisec übergeben werden sollen und anschließend als Level weiterbetrieben werden sollen. Dieser Schritt ist bei den spanischen Gewerkschaften allerdings höchst umstritten, denn diese sprechen von der Umgehung von Tarifverträgen und gezielter Ausflottung. Aus österreichischer Sicht ist die Situation ein bisschen anders, denn die IAG plant mit Anisec einen paneuropäischen Kurz- und Mittelstreckencarrier, der die Marke Level betreiben soll. Von diesem Ziel ist man mit einem A320 und vier A321 sowie zwei weiteren A320, die heuer noch ausgeliefert werden sollen, noch weit entfernt. Allerdings nannten weder Walsh noch ein anderer IAG-Manager jemals einen Zeitplan oder hätten gar gesagt, dass die Expansion schnell erfolgen soll.


Wien ist derzeit ein wettbewerbsintensiver "Spielplatz" der europäischen Billigflieger (Foto: Thomas Ramgraber).

Dass der Markt in Wien hart umkämpft ist und das Preisumfeld daher äußerst günstig ist, musste nicht nur Frank Glanders Chef Willie Walsh bereits feststellen, sondern auch die Mitbewerber. Momentan stehen bei Wizzair, die kommenden Dienstag weitere Wachstumsschritte für Wien ankündigen will und Lauda, die schon eine erhebliche Expansion für Herbst kommuniziert hat, auf weiteren Ausbau und damit auch auf Konkurrenzkampf. Davon profitieren Passagiere durch günstige Ticketpreise, allerdings sind sich Experten und einige Airlinechefs einig, dass dieser Trend nicht dauerhaft anhalten kann, da es sich um einen reinen Verdrängungswettbewerb handelt. Anisec wird an diesem auch weiterhin teilnehmen, allerdings tüftelt man offensichtlich sowohl am Streckennetz als auch an zusätzlichen Vertriebs- und damit Einnahmemöglichkeiten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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