Alles easy?

EasyJet macht mehr als 100 Flugzeuge „österreichisch“. Doch was bringt das für den Standort?

Der erste easyJet-Airbus OE-IVA (alle Fotos: Martin Metzenbauer).

Letzten Donnerstag herrschte am Flughafen Wien gröbste Feierlaune: Von Verkehrsminister Jörg Leichtfried über EasyJet-CEO Caroline McCall bis hin zu Austro-Control-Chef Heinz Sommerbauer war die Freude darüber groß, dass der britische Low Cost Carrier seine Brexit-Zelte in Österreich aufschlägt. Rund 110 Airbus-Flugzeuge werden künftig mit einem „OE“ am Heck unterwegs sein - die erste Maschine mit schönem „Austria“-Schriftzug am Rumpf und der Kennung OE-IVA machte den Anfang.

Die scheidende EasyJet-Chefin Carolyn McCall mit Austro-Control-Vortand Heinz Sommerbauer.

Doch was bedeutet dieses Engagement in Österreich für den hiesigen Standort? Primär einmal erstaunlich wenig. Zwar überschlugen sich die freudigen Kommentare - von Bundeskanzler Christian Kern abwärts - über den Zuschlag für Österreich. Dadurch, dass bis auf weiteres keines dieser Flugzeuge hierzulande stationiert wird und auch das fliegende Personal nicht zwingend hier angestellt und steuerpflichtig wird, ist der direkt zu messende Standorteffekt überschaubar. Immerhin wird das Headquarter der neuen Airline namens EasyJet Europe GmbH mit ein paar Handvoll Mitarbeitern in Wien angesiedelt - und wohl auch bei Austro Control werden durch die zusätzliche (und nicht zu unterschätzende) Registrierungstätigkeit der EasyJet-Flugzeuge einige Arbeitsplätze geschaffen.

Die Politik hat das EasyJet-Engagement in Österreich stark unterstützt - unter anderem durch Bundeskanzler Christian Kern und Verkehrsminister Jörg Leichtfried (Foto).

Etwas enttäuschend mag für einige aber auch die Tatsache sein, dass der zweitgrößte europäische Low Cost Carrier zumindest vorläufig keine eigene Basis in Wien eröffnen und hier Flugzeuge stationieren wird. Wobei die Airline in den letzten Jahren in der Alpenrepublik unglaubliche Wachstumszahlen vorweisen konnte. So wurden heuer bereits mehr als eine Million Passagiere von und nach Österreich geflogen, im Vorjahr betrug das Wachstum hierzulande 60 Prozent. Vor dem Hintergrund dieser doch beeindruckenden Zahlen und dem nunmehr österreichischen AOC für künftig etwa ein Drittel der Flotte ist es aber für die Zukunft nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Airline mit ihren zuletzt mehr als 70 Millionen Passagieren auch hierzulande eine Basis eröffnet. Derzeit hat EasyJet auf 19 Flughäfen ihre mehr als 300 Maschinen stationiert.

Auch der in Österreich gut vernetzte Ex-AUA-Vorstand und jetzige EasyJet-Aufsichtsrat Andreas Bierwirth soll dem Vernehmen nach geholfen haben, den Deal einzufädeln.

Das EasyJet-Engagement darf man aber nicht nur am unmittelbaren Effekt bewerten. Wenn sich die nach Passagieren gemessen fünftgrößte europäische Airline entschließt, einen ganz beträchtlichen Teil ihres Flugbetriebes offiziell über Österreich laufen zu lassen, ist das nicht nur ein massiver Prestigegewinn für den Standort und auch den hiesigen Regulator Austro Control. Künftig könnten weitere Unternehmen folgen und den Luftfahrtstandort Österreich - in welcher Art auch immer - nutzen.

Derzeit ist also trotz der Übersiedelung von mehr als 100 Flugzeugen nach Österreich noch nicht gleich alles „easy“. Interessante Perspektiven für die Zukunft bietet dieser Schritt des Brexit-Flüchtlings EasyJet aber allemal.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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