Airlines for Europe: Lobbying mit langem Atem

Thomas Reynaert, Chef des europäischen Airlineverbandes, im Interview.

Thomas Reynaert (links) im Gespräch mit dem Autor (Foto: Michael Csoklich).

Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es einen neuen Verband europäischer Fluglinien. Airlines for Europe (A4E) betreibt in der EU Lobbying für Anliegen der Fluglinien. Hauptziele sind es, Fluglotsenstreiks zu verhindern bzw. abzumildern, Luftfahrtsteuern zu reduzieren und zu verhindern sowie Flughafengebühren zu senken. Mit 14 Mitgliedern und 25 Marken deckt A4E 75 Prozent der Passagiere in Europa ab. Michael Csoklich hat in Cancun anläßlicher der IATA-Jahrestagung mit Thomas Reynaert, dem Managing Director von Airlines for Europe, gesprochen.

Herr Reynaert, warum sind denn den Fluglinien die Fluglotsenstreiks so ein Dorn im Auge?

Weil sie einen großen finanziellen Schaden anrichten, alleine zwischen 2010 und 2016 gingen durch diese Streiks 12 Milliarden Euro an europäischem Bruttonationalprodukt verloren.

Es gibt ja schon viele Vorschläge der EU Kommission in Bezug auf Fluglotsenstreiks, aber sie sind von vielen Ländern nicht umgesetzt. Welche Länder sind das?

Mehr als die Hälfte aller Streiks finden in Frankreich statt. Das aber wirkt sich nicht nur in Frankreich aus, sondern beeinträchtigt auch 80 Prozent der Nord-Süd-Überflüge. Damit wird ein französisches Problem zu einem europäischen, zu einem internationalen. In den vergangenen Jahren hat es im Schnitt alle neun Tage eine Störung gegeben. Die meisten davon in Frankreich, gefolgt von Italien, Griechenland, Spanien und Belgien.

Wie kann man das verbessern?

60 Prozent der Fluglotsenstreiks in Frankreich haben mit Problemen der Luftraumüberwachung nichts zu tun. Es sind Streiks aus Solidarität für andere Anliegen und sie sind damit ein politisches Problem Frankreichs. Ein Erfolg von A4E ist es da, dass die größte Gewerkschaft in Frankreich mit uns über eine Lösung sprechen will. Sie weiß, dass diese Streiks, vor allem vieler kleiner Gewerkschaften, ihrer Reputation schaden.

Die EU Kommission soll diese Woche neue Vorschläge zum Wettbewerb in der Luftfahrt und zur Eigentümerstruktur veröffentlichen - aber auch zu Fragen, wie bei Streiks der Fluglotsen vorzugehen ist. Was erwarten Sie sich davon?

Einiges! Wichtig ist, dass es nicht darum geht, Streiks zu verbieten. Wir würden uns freuen, wenn die EU-Kommission Vorschläge von uns aufgreifen würde, wodurch Streiks verträglicher, planbarer würden. Zum Beispiel indem die Streiks früher angekündigt werden, oder sie nicht in Spitzenzeiten stattfinden.

Sind sie optimistisch, dass die neuen Vorschläge der Kommission etwas bringen werden, oder sind sie einfach ein Papier mehr?

Gute Frage! Wir werden weiter lobbyieren, damit die EU Kommission ihre Vorschläge in allen Mitgliedsländern und auch den Medien bekanntmacht. Denn die Vorschläge sind ja nur eine Empfehlung, keine Verpflichtung. Also muss dafür geworben werden.

Da brauchen Sie Geduld, einen langen Atem.

Ja, aber wir arbeiten daran.

Wie viel Zeit geben Sie sich?

Ich möchte mich da nicht festlegen. Es wird jetzt schneller gehen, auch weil die EU Kommission auf unserer Seite ist. Aber es wird mindestens noch ein Jahr dauern.

Wäre der seit Jahrzehnten angekündigte Single European Sky, der einheitliche europäische Luftraum, nicht hilfreich?

Natürlich! Hätten wir schon eine Luftraumüberwachung für alle 28 Staaten, würden Streiks uns kaum noch betreffen, weil Lufträume flexibler, länderübergreifend kontrolliert werden könnten.

Wann kommt denn der einheitliche Luftraum endlich?

Das ist ein Langzeitprojekt. Vielleicht ist es ja auch sinnvoll, mit kleineren Einheiten zu beginnen. Dass sich ein paar Länder zusammenschließen zu größeren Einheiten und der einheitliche Lufraum für ganz Europa dann darauf aufgebaut werden kann.

Ein wichtiges Thema von A4E ist die Senkung der Flughafengebühren. Was stört Sie daran?

Dass sie zu hoch sind! Viele Flughäfen haben eine Monopolstellung, mißbrauchen ihre Marktmacht und können verlangen, was sie wollen. Das führt dazu, dass bis zu 20 Prozent des Ticketpreises Flughafengebühren sind. Klar muss die Benutzung der Flughäfen bezahlt werden, aber über den Preis müssen wir reden. Und wir werden Ende Juni dazu eine umfassende Studie vorstellen.

Hinter ihren Zielen steckt ja nicht nur der Wunsch nach mehr Effizienz, es geht auch um Kostensenkung. Wird der Passagier davon profitieren durch günstigere Preise?

Ja natürlich, denn der Wettbewerb ist groß, so dass die Einsparungen von den Fluglinien auch weitergegeben werden sollten. Wie hoch die Ersparnis sein kann, kann ich aber nicht sagen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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