Airlines for Europe: 2017 muss die EU liefern

Im täglichen Geschäft stehen sie voll im Wettbewerb, in Brüssel saßen sie friedlich vereint am gemeinsamen Tisch. Michael O’Leary (Ryanair), Carolyn McCall (Easyjet), Jean-Marc Janaillac (Air France-KLM), Carsten Spohr (Lufthansa Group) und Willie Walsh (IAG). Es sind die Ziele, die sie vereinen, um sie durchzusetzen, haben sie sich im vor einem Jahr gegründeten Verband A4E - Airlines for Europe - zusammengeschlossen. Das Treffen zum ersten Jahrestag nahmen die Airline Chefs zum Anlass, um die EU in die Pflicht zu nehmen. Diese müsse endlich handeln und den Luftverkehr entlasten.

Foto: Michael Csoklich

Ein Dorn im Auge sind den Fluglinien diverse - in ihren Augen ungerechtfertigte - Steuern. 5,6 Milliarden Euro wurden im Vorjahr an den Fiskus abgeliefert. Den Löwenanteil mit 3,6 Milliarden kassierte Großbritannien, Deutschland mit 1,1 Milliarden, Italien mit 600 Millionen. Dahinter Frankreich und Österreich. Wobei Österreich ja die Ticketsteuer ab 2018 halbieren will. Michael O’Leary: "Überall, wo solche Steuern eingeführt worden sind, ist die Zahl der Passagiere zurückgegangen. Wo sie wieder abgeschafft wurden, hat sich der Luftverkehr besser entwickelt als zuvor."

Nächster Kritikpunkt: Die vielen Streiks bei der Luftraumüberwachung. Alleine 2016 gab es 46 Streiktage, seit 2010 in Summe 217 Streiks mit 35.000 gestrichenen Flügen. Das ist den Airline-Chefs einfach zu viel. Sie verlangen von der EU, dass auch während der Streiks eine Grundversorgung sichergestellt wird. Denn die Streiks treffen nicht nur die Fluglinien, sie beeinträchtigen vor allem den Tourismus. Und sie fordern, dass die EU eine neue Flughafen-Richtlinie erstellt, damit die Flughäfen ihre Gebühren nicht unbegrenzt erhöhen können. In den vergangenen zehn Jahren nämlich, so die Fluglinien, seien die Ticketpreise um durchschnittlich 20 Prozent gesunken. Die Gebühren der größten europäischen Flughäfen aber um mehr als 80 Prozent gestiegen.

2017 müsse das Jahr werden, in dem die EU endlich handelt und nicht nur geredet, verlangen die  Fluglinien-Chefs. Willie Walsh: "Die Forderung nach einem einheitlichen europäischem Luftraum ist älter als ich“, sagte der 55-jährige CEO von IAG. 

Etwas ratlos scheinen die Airliner zu sein, wenn die Rede auf die jüngsten politischen Ereignisse kommt, wie Brexit oder die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. "Wir wissen nicht genau, was passieren wird", sagte Carolyn McCall von Easyjet zum Brexit. Easyjet sucht derzeit außerhalb Großbritanniens ein Land, in dem es um eine Betriebslizenz (AOC) ansuchen wird. Das könnte notwendig sein, um auch nach dem Brexit in den Genuss europäischer Verkehrsrechte zu kommen. Ob Wien eine Überlegung sei? "Kein Kommentar", sagte McCall zu Austrian Aviation Net. Bis wann die Entscheidung fallen wird? "In wenigen Wochen", versicherte die EasyJet-Chefin.

Wie weit der neue US-Präsident Trump und seine nationalistischen Ansätze den Flugverkehr beeinflussen werden, wagt derzeit niemand abzuschätzen. Klar ist, dass die Branche wie kaum eine andere global agiert. "Die Fluglinien sind die Guten in der Globalisierung, wir verbinden Menschen und Länder", sagte Lufthansa CEO Carsten Spohr. Was auch immer kommen wird: "Die Airline-Industrie hat es gelernt, auf Veränderungen sehr rasch zu reagieren", strahlte Spohr Zuversicht aus. Er ist ab jetzt ein Jahr lang der Vorsitzende des A4E-Verbands und folgt Caroly McCall nach.

A4E hat derzeit 14 Mitglieder und vertritt 25 Fluglinien mit 700 Millionen Passagieren, 2700 Flugzeugen und 100 Milliarden Euro Umsatz. A4E hat vor einem Jahr einerseits den europäischen Luftfahrtverband AEA abgelöst aber auch den Verband der Billigfluglinien, ELFAA. Beide versanken zuletzt in der Bedeutungslosigkeit. Jetzt sind alle wichtigen Fluglinien in A4E vereint und der neue Verband versucht, in der EU seine Interessen gemeinsam zu vertreten.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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