Airbus steigt bei CSeries ein

Der europäische Luftfahrtkonzern übernimmt 51,01 Prozent am C Series Aircraft Limited Partnership.

Cockpit der Bombardier CSeries (Fotos: Martin Metzenbauer).

Konsolidierungstendenzen gibt es nicht nur bei Airlines, sondern gelegentlich auch bei Flugzeugherstellern. Der jüngste Deal betrifft den kanadischen Produzenten Bombardier: Airbus wird knapp mehr als die Hälfte (50,01 Prozent) an der Tochtergesellschaft C Series Aircraft Limited Partnership (CSALP) übernehmen. In deren Bereich fällt so ziemlich alles, was mit der Produktion und Vermarktung des neuesten und modernsten Bombardier-Musters CSeries zu tun hat.

Für diesen Deal bezahlt Airbus - auf den ersten Blick erstaunlicherweise - nichts. Der europäische Produzent wird sich dafür unter anderem um Vermarktung und Verkauf des technologisch fortgeschrittenen, aber im Verkauf suboptimal performenden, Musters kümmern. In der Tat wurde der letzte Deal vor rund eineinhalb Jahren abgeschlossen. Insgesamt wurden bislang immerhin 360 Flugzeuge der beiden Typen CS 100 und 300 bestellt, erst 15 davon aber ausgeliefert. Die gesamten Projektkosten dürften bei rund sechs Milliarden US-Dollar gelegen sein.

In den letzten Jahren geriet das Programm aufgrund der hohen Kosten und wohl auch wegen der (üblichen) Verzögerungen bei der Entwicklung eines neuen Flugzeugmusters finanziell ins Straucheln. Der Staat Québec investierte 2015 über Investissement Québec (IQ) eine Milliarde kanadische Dollar und hält dafür heute rund 38 Prozent an CSALP. Bombardier besitzt derzeit demnach noch rund 62 Prozent. Künftig wird der Anteil des kanadischen Konzerns auf 31 und der von IQ auf 19 Prozent sinken.

Swiss ist Erstbetreiberin der CSeries.

Ein wichtiger Negativ-Faktor für die CSeries war auch die Entscheidung des amerikanischen Department of Commerce von Anfang Oktober 2017, wonach bei Export in die USA ein Aufschlag von rund 300 Prozent (!) zu bezahlen wäre. Diese Entscheidung wurde aufgrund einer Beschwerde von Boeing getroffen, die dem kanadischen Produzenten unfaire staatliche Unterstützung vorgeworfen hat.

Für Airbus ist die CSeries eine interessante Ergänzung zum eigenen Narrowbody-Portfolio. Das kanadische Muster deckt den Bereich von 100 bis 150 Sitzen ab, die A320-Reihe hingegen bewegt sich bei 150 bis 240 Passagierplätzen. Aber auch für Bombardier kann der Deal - trotz des Null-Dollar-Investments - interessant sein. Durch die Kooperation mit Airbus könnte das Programm den lange ersehnten Aufschwung erhalten und letztlich vielleicht sogar vor dem vorzeitigen und unrühmlichen Ende bewahrt werden.

Das Hauptquartier und der wichtigste Produktionsstandort sollen weiterhin in Montreal bleiben - Airbus stellt allerdings in Aussicht, dass künftig auch im US-amerikanischen Werk in Alabama CSeries-Exemplare hergestellt werden sollen. Das wiederum könnte - unter Umständen - die Strafzölle mindern oder verhindern. Abgeschlossen werden soll der Deal in der zweiten Jahreshälfte 2018.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

    Special Visitors

    Alitalia / EI-EJO
    KlasJet / LY-VTA
    Rhein Mosel Flug / D-FEPG
    Flybe / G-FBEJ
    CENTURION CARGO / N986AR
    ProAir / Global Reach Aviation / D-ANSK
    SCOOT / 9V-OFI

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller